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PROMINENTE LEXIKON Affären und Affärchen

aus DER SPIEGEL 44/1970

Apel, Hans, MdB, SPD, geb. 25. Februar 1932, Hamburg, evangelisch, Kaufmann, Dr. rer. pol., Mitglied des Parteivorstandes der SPD, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestages, 2000 Hamburg 67, Rögenfeld 42c. Das ist der Fakt.

Hanne, 6, Hans Apels Jüngste, hält Papis SPD für eine »Scheißpartei«, weil sie ihm zuwenig Zeit für die Familie läßt. Das ist ein Döntje.

Fakts und Döntjes über die hundert einflußreichsten Bonner Politiker, Wirtschaftsbosse und Gewerkschafter hat Ernst ("Ego") Goyke, seit 1962 Journalist in der Bundeshauptstadt, in einem Almanach* zusammengestellt.

Verlags-Anliegen: Das Ende Oktober erscheinende Prominenten-Lexikon soll von Ahlers ("Überall redet er unbekümmert und selbstbewußt ein gewichtiges Wort mit") bis Zimmermann ("Affären und Affärchen nagten an seinem Ruf") das »geheimnisvolle Getriebe unserer Demokratie durchschaubar« machen.

So durchschaut der Leser, wer groß ist: Bundesbankpräsident Karl Klasen (1,95 Meter); wer klein ist: Ex-Minister Hermann Höcherl (165 Zentimeter); wer reich ist: Karl Theodor Maria Georg Achatz Eberhart Joseph Reichsfreiherr von und zu Guttenberg (30 Millionen); und wer einmal tapfer war: der Wehrbeauftragte des Bundestags, Fritz-Rudolf Schultz (Eichenlaub zum Ritterkreuz).

Goykes Gotha enthüllt, daß der Ur-Urgroßvater des stellvertretenden Regierungssprechers Rüdiger Eberhard Irnfried Maximilian Freiherr von Wechmar der Großherzog von Baden, Friedrich I., war und daß in der Heimat des Parlamentarischen Staats-

* Ernst Goyke: »Die 100 von Bonn«. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach; 320 Seiten; 22 Mark.

sekretärs im Agrar-Ministerium, Fritz Logemann, »die Siedlungsform der verstreuten Einzelhöfe vorherrschte«.

Von Porzellanfabrikant und Wirtschaftsstaatssekretär Philip Rosenthal wird berichtet, daß er sich 1932 ("Ich hatte keine Ahnung vom jüdischen Blut in der Familie") als erster seiner Klasse um Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend bewarb. Rosenthals Wiedergutmachung: 1939 trat er freiwillig einer Maultier-Abteilung der Fremdenlegion zum Kampf gegen die Großdeutsche Wehrmacht bei.

Wer einmal Kanzler werden möchte, so liest man im Goyke nach, war schon immer ein Streber: Helmut Schmidt, Karl Schiller und Franz Josef Strauß machten jeweils als Klassenbeste das Abitur.

Geschwindigkeitsrekorde verzeichnet die Führer-Fibel bei Klaus von Dohnanyi: Abitur mit 18, Doktor jur. mit 21 Jahren; bei Rainer Candidus Barzel: mit 30 Jahren Deutschlands jüngster Ministerialrat; bei Gerhard Stoltenberg: mit 26 Landtagsabgeordneter und mit 29 Jahren jüngstes MdB. Der (so Wehner) »Schnullermund« Stoltenberg legte auch bei privaten Eroberungen Tempo vor: Seine Frau Margot lernte er Im Fahren kennen, sie war Zugsekretärin in einem TEE.

Finanzminister Alex Möller gab laut Goyke seinen politischen Einstand mit einem Exkurs über Bademoden. Im preußischen Landtag attackierte der Sozialdemokrat jene Polizeiverordnung, die Badehosen nur »mit angeschnittenen Beinen« und »Zwickel« erlaubte.

Autor Goyke verspricht sich von seinem »Wer ist wer« einen publizistischen Dauerbrenner: »Das Buch soll immer auf dem neuesten Stand gehalten werden. Politische Prominenz kommt und geht. Auf meiner Warteliste für Neuauflagen stehen schon die nächsten.«

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