Evakuierung aus Afghanistan Möglicherweise noch Hunderte Deutsche in Kabul – KSK-Helikopter auf dem Weg

Etwa 100 Deutsche standen ursprünglich auf der Krisenliste des Auswärtigen Amts. Offenbar harren noch Hunderte mehr in Kabul aus. Nach SPIEGEL-Informationen schickt die Bundeswehr nun KSK-Hubschrauber – zum Einsatz im Stadtgebiet.
Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) mit Helikopter vom Typ Airbus H145M LUH SOF bei einer Übung zur Geiselbefreiung (Archivfoto)

Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) mit Helikopter vom Typ Airbus H145M LUH SOF bei einer Übung zur Geiselbefreiung (Archivfoto)

Foto: Björn Trotzki / imago images

In Afghanistan befinden sich womöglich noch viel mehr deutsche Staatsbürger als bisher angenommen. Auf einer Liste des Auswärtigen Amts hat sich laut der Nachrichtenagentur dpa inzwischen »eine mittlere dreistellige Zahl« Deutscher registriert. Die Bundeswehr hatte in dieser Woche ihre Rettungsaktion für Deutsche und Afghanen begonnen, um sie nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Sicherheit zu bringen.

Nun plant die Truppe nach SPIEGEL-Informationen auch die Rettung von Schutzsuchenden aus der Luft. Noch heute sollen zwei kleinere Helikopter des Kommandos Spezialkräfte (KSK) von Deutschland aus nach Kabul gebracht werden, die Hubschrauber passen in den Laderaum eines A400M. Die KSK-Hubschrauber sind eigentlich für die Befreiung von Geiseln ausgerichtet, sehr beweglich und können selbst in eng bebauten Städten landen.

1600 Menschen in Sicherheit gebracht

Mit den Helikoptern, so Bundeswehrkreise, könnten KSK-Soldaten in den nächsten Tagen kleine Gruppen von Menschen aus Kabul oder anderen von den Taliban kontrollierten Zonen an den schwer zugänglichen Flughafen bringen. Bisher agiert die Bundeswehr nur innerhalb des Flughafens, der von US-Truppen abgesichert wird. Das KSK ist von Beginn der Mission am vergangenen Montag mit in Kabul, der Eliteverband ist auf die Rettung von Geiseln in feindlichen Gebieten spezialisiert.

Seit Montag sind mehr als 1600 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht worden. Im usbekischen Taschkent landete am Freitagmorgen eine weitere Transportmaschine mit 181 in Kabul aufgenommenen Menschen an Bord, wie die Bundeswehr auf Twitter mitteilte. Von der usbekischen Hauptstadt geht es mit zivilen Flugzeugen weiter nach Deutschland.

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Unter den Geretteten waren bis zum frühen Donnerstagabend neben afghanischen Ortskräften und anderen Hilfsbedürftigen mindestens 244 deutsche Staatsbürger – weit mehr als ursprünglich erwartet. Und immer noch könnten sich mehrere Hundert im Land aufhalten.

Ursprünglich waren knapp 100 Personen mit deutschem Pass auf der Krisenliste des Auswärtigen Amts gewesen. Viele haben sich aber wegen der dramatischen Lage in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban nachgemeldet. Die Zahlen ändern sich ständig.

»Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Nur Chaos«

Nach ihrer Landung in Deutschland berichteten Passagiere von schlimmen Erlebnissen und chaotischen Verhältnissen am Flughafen in Kabul. »Es ist schrecklich«, sagte Mahmud Sadjadi, ein Deutscher mit afghanischen Wurzeln. Er habe Tote gesehen und Schüsse gehört. »Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Nur Chaos«, so beschrieb er die Zustände in Kabul.

Insbesondere am Flughafen der afghanischen Hauptstadt sei es gefährlich, sagte Sadjadi, der sich drei Wochen in Kabul aufgehalten hatte. »Man muss beispielsweise auch durch eine Barriere der Taliban durchgehen.« Afghanische Sicherheitskräfte hätten geschossen. Er habe mitbekommen, wie Menschen gestorben seien. Ohne Pass sei kein Durchkommen zum Flughafen möglich gewesen.

Ein anderer Passagier, der seinen Namen nicht nennen wollte, berichtete von organisatorischen Schwierigkeiten bei der Rückkehraktion. »Die Situation ist schwer und nicht leicht unter Kontrolle zu bringen«, sagte er. Die Menschen in Afghanistan bräuchten aber Hilfe. »Die Welt muss den afghanischen Leuten helfen.«

svs/mrc/mgb/dpa
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