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PERSONALIEN Agnes Maier

aus DER SPIEGEL 3/1981

Agnes Maier, 17, Gymnasiastin in München und Tochter des bayrischen Kultusministers Hans Maier, 49 (Photo r.), verteilte in einem am Neujahrstag gesendeten ARD-Interview (l.) schlechte Zensuren für Vater, viel beschäftigt im Bayrischen tik. Zu ihren Eltern habe sie, erzählte Agnes freimütig, »eigentlich kein so besonderes Verhältnis«. Ihr Vater, viel beschäftigt im Bayrischen wie im Bundesgebiet, sei »eigentlich nur eine Art Onkel, der mal vorbeikommt«. Dann bemühe er sich zwar »wirklich sehr« um die Familie, aber »richtig über Probleme reden« und »sich mal auszusprechen«, sei »kaum möglich«. Auch mit der Mutter rede sie »sehr wenig über ganz persönliche Sachen« -- da fehle, klagt Agnes, »einfach irgendwie das gegenseitige Vertrauen«. Politisch sieht sich die Tochter des stockkonservativen Christsozialen selber »so zwischen der SPD und den Grünen« angesiedelt. Zur Schulpolitik ihres Vaters fällt der Schülerin denn auch »so vieles« ein, »das man »ndern könne«. Agnes: Ich glaube, mein Vater glaubt, daß die » » Demokratie, so wie sie jetzt ist, einfach ausreichend ist und » » daß die Leute jetzt vielleicht schon fast zuviel Freiheit » » haben und man ihnen die Freiheit eben, damit es nicht » » irgendwie ausartet, wieder ein bißchen beschneiden muß, damit » » sie wissen, was sie mit sich anfangen sollen. Während ich » » eben von dem Standpunkt ausgehe, daß die Freiheit überhaupt » » nicht da ist und noch nie da war, weil die Leute weiterhin » » den Befehlen gehorchen und selber auch gar nicht darüber » » nachdenken. Und das Grundübel daran liegt, glaube ich » » wirklich, in der Schule. »

Dort werde, schilderte das Mädchen, in dem Interview seine Erfahrungen, nicht zur Kritikfähigkeit, sondern »zum möglichst günstigen Verhalten« erzogen, um »viel Lob beziehungsweise gute Noten« zu erzielen. Die Schule sei erfüllt von Angst -- der Angst des Lehrers vor dem Direktor, des Direktors vor dem höheren Schulamt, der Schüler vor Lehrer und Direktor. »In der Demokratie«, findet Agnes Maier, »sollte man nicht unbedingt dazu erzogen werden, Angst zu haben.« Mit Verständnis bei ihrem Vater rechnet Tochter Agnes offenbar auch nach ihrem Fernsehauftritt nicht. Sie störe, vertraute Agnes dem TV-Interviewer an, »daß ich mir nicht akzeptiert vorkomme mit meiner Meinung«. Ihr Vater meine vielmehr oft »ein bißchen von oben herab": »Laß sie mal reden, sie wird schon noch darauf kommen, was richtig ist.«

S.174

Ich glaube, mein Vater glaubt, daß die Demokratie, so wie sie jetzt

ist, einfach ausreichend ist und daß die Leute jetzt vielleicht

schon fast zuviel Freiheit haben und man ihnen die Freiheit eben,

damit es nicht irgendwie ausartet, wieder ein bißchen beschneiden

muß, damit sie wissen, was sie mit sich anfangen sollen. Während ich

eben von dem Standpunkt ausgehe, daß die Freiheit überhaupt nicht da

ist und noch nie da war, weil die Leute weiterhin den Befehlen

gehorchen und selber auch gar nicht darüber nachdenken. Und das

Grundübel daran liegt, glaube ich wirklich, in der Schule.

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