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Aids-Angst nach Meuterei

aus DER SPIEGEL 42/1992

Das Massaker in der größten Haftanstalt von Sao Paulo, bei dem vorvergangene Woche mehr als 200 Häftlinge umgekommen sind, hat womöglich einen dramatischen Anstieg von Aids unter den Gefangenen zur Folge. »Viele verletzte Häftlinge haben sich einem gewaltigen Risiko ausgesetzt, als sie mit dem Blut anderer Verwundeter und Toter in den Zellen und Gängen in Berührung kamen«, sagt Manoel Schechtmann, medizinischer Direktor der Justizvollzugsanstalten von Sao Paulo. Es vergingen Stunden, bevor die Blutlachen in dem Häftlingstrakt fortgespült wurden. Die Polizisten weigerten sich aus Angst vor der Ansteckungsgefahr, die Leichen und Verwundeten zu berühren. Gefangene mußten die Körper forttragen. Das Aids-Virus kann bis zu 24 Stunden in vergossenem Blut überleben. Einer Untersuchung der Gefängnis-Aufsichtsbehörde des Bundesstaates Sao Paulo zufolge sind 17,3 Prozent aller Gefängnisinsassen HIV-positiv.

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