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Aids-Minderheitenvotum

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aus DER SPIEGEL 20/1988

Als »Horrorshow« empfanden Teilnehmer die Klausurtagung der Aids-Enquete-Kommission vergangene Woche in Mayschoß. Bundestagsabgeordnete von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen und Aids-Experten tauschten brüllend Beleidigungen aus. Sie stritten sich darum, ob »staatliche Kontrollen« zur Aids-Prävention »wünschenswert« sind, ob Selbsthilfestrukturen Homosexueller »durch unbedachte staatliche Maßnahmen wie grundlose Kontrollen, Razzien und Auflagen« zerstört und Schwule in den Untergrund gedrängt werden, ob Jugendliche zu Treue und Enthaltsamkeit erzogen werden sollen oder dazu, »bei Geschlechtsverkehr Kondome als Schutzmaßnahmen zu gebrauchen, solange sie keinen dauerhaften Partner gefunden haben«. Einig war man sich lediglich: »Fragen nach Risiken bei der Entsorgung von Tampons und Kondomen bleiben offen.« Offen bleibt auch, ob sich die Mitglieder der Aids-Enquete-Kommission, wie geplant, bis zum 15. Juni auf einen gemeinsamen Zwischenbericht einigen werden. Der Münchner Internist und Gauweiler-Berater Nepomuk Zöllner kündigte bereits an, er werde wohl ein Minderheitenvotum für das Kapitel »Prävention« abgeben.

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