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ATOMWIRTSCHAFT Airbag für Trabi

aus DER SPIEGEL 10/1998

In Osteuropa geht erstmals ein komplettes russisches Kernkraftwerk mit westlicher Sicherheitstechnik ans Netz. Die Blöcke I und II des umstrittenen slowakischen Druckwasserreaktors Mochovce bei Bratislava sollen von Juni an Strom liefern. Für 150 Millionen Mark, finanziert von westeuropäischen Banken, rüstete die Siemens-Tochter Kraftwerke Union (KWU) zusammen mit der französischen Framatome den Russenmeiler der Bauart WWER mit »Sicherheits- und Leittechnik« sowie einem »Druckabbausystem« aus. Dieser sogenannte Bubble Condenser soll die fehlende Sicherheitshülle aus Stahl und Beton um den Reaktorkern ersetzen, ohne den in Deutschland kein Atomkraftwerk genehmigt würde. »Das Werk hat alle Sicherheitsprüfungen der Internationalen Atombehörde positiv durchlaufen«, sagt KWU-Sprecher Wolfgang Breyer, »das ist wegweisend für weitere Nachrüstungen in Osteuropa.« Atomkritiker des Wiener Instituts für Risikoforschung halten die gemischte West-Ost-Technik dagegen für »fehleranfällig«, sie sei eine Verlegenheitslösung wie ein »Trabi mit Airbag«. Nach einem Prüfbericht der Slowakischen Elektrizitätswerke kommt es am zweiten Atomstandort des Landes, Jáslovské Bohunice, zum Austritt radioaktiver Substanzen aus dem 1977 havarierten Versuchsreaktor A 1. Dort ist Siemens an einer Nachrüstung der neueren Blöcke beteiligt.

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