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Briefe

Akademische Selbstgespräche
aus DER SPIEGEL 13/1998

Akademische Selbstgespräche

Nr. 11/1998, Gelehrte: Sprachverwirrung unter den Geisteswissenschaftlern

Sie haben mir geisteswissenschaftlichem Elder man damit nicht nur aus der Seele, sondern auch aus dem Intellekt gesprochen. Während wir Archäologen früher bei unserer Beweisführung andere Meinungen zitiert haben, muß ich mir heute Auslegungen gefallen lassen - also nicht: Behrens hat gesagt, sondern: Behrens meint, was sich der Autor einbildet.

WEDEL (HOLST.) PROF. HERMANN BEHRENS

Johannes Saltzwedel hat im Grundsatz leider recht. Zur Ehrenrettung meines Fachs (Soziologie) sei aber gesagt, daß der Unsinn auch eine tapfere Reihe von Gegnern hat. Wäre doch gelacht, wenn wir die Köpfe nicht wieder klarbekämen.

KASSEL CHRISTOPH GILLEßEN

Mittlerweile ist es ja schon fast in Mode gekommen, gegen eine postmoderne Philosophie zu polemisieren und ihr jede Wissenschaftlichkeit abzusprechen. Wer meint, den Begriff des »Logozentrismus« als Streit um des Kaisers Kleider abtun zu können, der sollte sich einmal überlegen, wie weit ihn die Denkschemata alter Provenienz noch bringen werden. Komplexere Problemstellungen verlangen nun einmal nach neuen Herangehensweisen.

MÜNCHEN BURKHARD G. BOCK

Die Geisteswissenschaften verhalten sich wie jemand, dem man viel zu lange schon nicht mehr zuhört. Sie führen Selbstgespräche. Dem modernistischen Gefasel aber haben die Geisteswissenschaften wenigstens noch ein »Ich denke« entgegenzusetzen. Nur weil die Politik und weite Teile der Öffentlichkeit Stöpsel in den Ohren haben, heißt das noch lange nicht, daß es nichts zu hören gäbe.

FILDERSTADT (BAD.-WÜRTT.) MARTIN LOHMANN

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