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TERRORISMUS Akt der Verzweiflung

aus DER SPIEGEL 12/2001

Die blutig beendete Flugzeugentführung in Saudi-Arabien hat Moskaus fast vergessenen Tschetschenienkrieg wieder in westliche Schlagzeilen gebracht. Das war offenbar das Ziel der Hijacker, die eine russische Tupolew-154 aus Istanbul nach Medina umgeleitet hatten und vermutlich vom früheren tschetschenischen Innenminister Aslanbek Arsajew geführt wurden. Vergangenen Freitag wurde die Maschine von saudischen Sicherheitskräften gestürmt, 3 der ursprünglich 174 Menschen an Bord kamen ums Leben. Mit ähnlichen Verzweiflungsakten hatten die Tschetschenen immer dann auf sich aufmerksam gemacht, wenn eine neue Niederlage in ihrem Kampf um Unabhängigkeit drohte. Bereits 1991 hatten acht Tschetschenen eine Tu-154, die nach Jekaterinburg flog, zur Landung in Ankara gezwungen; 1996 - während des ersten Tschetschenienkriegs - entführte ein Kommando die russische Fähre »Awrassija«, im Jahr darauf explodierten auf den russischen Bahnhöfen von Armawir und Pjatigorsk zwei Sprengladungen, es gab neun Tote. Im Fall Medina hatte Hijacker Arsajew offenbar auf Verständnis der örtlichen Machthaber gehofft: Saudische Islamisten engagieren sich seit langem im Kaukasuskrieg - mit Ausbildern und üppigen Geldspenden.

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