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OBERLÄNDER-FREUNDE Akten im Safe

aus DER SPIEGEL 31/1960

Ein Haftrichter des Königreichs der Niederlande schrieb in der vorletzten Woche den Epilog zur Affäre Oberländer. Wegen dringenden Verdachts der Urkundenfälschung ließ er den Mann festsetzen, den vor Monaten der damals noch amtierende Bundesvertriebenenminister Dr. Theodor Oberländer zum Ehrenrichter über sein - Oberländers - Verhalten in Kriegszeiten bestellt hatte: den Widerstands-Funktionär und Druckerei-Besitzer Joop Zwart aus Amstelveen bei Amsterdam.

Schon als der Bonner Minister Ende letzten Jahres den Entschluß faßte, sich ausgerechnet in Holland durch den »Internationalen Untersuchungsausschuß Lernberg 1941« von jenen Vorwürfen reinigen zu lassen, die gegen den Ostfront-Oberleutnant Oberländer erhoben worden waren (SPIEGEL 1/1960), wurden Zweifel laut, ob Joop Zwart der rechte Sekretär dieser Ehren-Prüfinstanz sei.

Abgesehen davon hatte der Privat -Ausschuß ehemaliger Widerständler keinerlei Handhabe, Zeugen vorführen zu lassen oder gar zu vereidigen; er mußte fast ausschließlich mit dem Material vorliebnehmen, das Joop Zwart ihm zu präsentieren wünschte - auf Papier oder Tonband festgehaltene Bekundungen der Leumundszeugen sowie Photokopien der Kriegstagebücher Professor Oberländers.

Kurz vor dem Jahreswechsel bezog der Rechercheur Zwart vom Presse- und Informationsamt des Bundeskabinetts, dessen Mitglied Oberländer rehabilitiert werden sollte, unter äußerster Diskretion zwar noch 5000 Mark aus dem Geheimtitel 300. Aber am 21. Februar ging die Farce zu Ende.

Der Ausschuß lief auseinander, und Joop Zwart, der seither alles hütet, was über Oberländer je gesagt und geschrieben worden ist - 13 Protokolle und 57 Tonbänder -, suchte fortan dieses Oberländer-Material lohnend an den Mann zu bringen. Amtliche Nachrichtendienste und private Korrespondenzen zählten zu den Interessenten. Mitte Juni wollte Zwart in Bern über die Frage, wie sein Schatz am besten ausgemünzt werden könnte, mit einem Dr. Peter Sager verhandeln, dem Leiter eines Instituts, das einen umfänglichen Stab osteuropäischer Immigranten beschäftigt und Publikationen über Ostprobleme vertreibt.

Zu dieser Zeit hoben deutsche und französische Kriminalbeamte in Osnabrück eine Falschmünzer-Werkstatt aus, in der Banknoten im Gesamtwert von 900 Millionen französischen Franken gedruckt werden sollten. Die Falschmünzer wurden verhaftet, unter ihnen der Drucker Honpe aus Joop Zwarts Druckerei in Amstelveen.

Eben aus der Schweiz nach Holland zurückgekehrt, wurde Zwart von holländischen Kriminalisten vernommen. Ein paarmal durfte er noch nach Bonn reisen, wo er am 8. Juli einen Karl Friedrich Grau traf, den Vorstandsvorsitzer jener Studiengesellschaft für staatspolitische Öffentlichkeitsarbeit e.V., von der öffentliche Auftritte des österreichischen Kriegsapostels William Siegmund Schlamm in Hessen und Bayern finanziert worden waren. Zwart erzählte dem Grau, daß holländische Geldgeber bereit seien, das Anti-SPIEGEL-Projekt des Demagogen Schlamm mit anderthalb Millionen Mark zu unterstützen.

Zwarts Bemühungen um einen Anti -SPIEGEL nahmen schließlich in der vorletzten Woche ein jähes Ende, als die holländische Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen ihn durchsetzte. Offizieller Grund: Zwart habe in seiner Druckerei falsche französische Personalausweise für Untergrund-Algerier verfertigt.

Mittlerweile prüfen die Holländer, ob die Fälschergruppe ihre Arbeit möglicherweise in östlichem Auftrag verrichtet habe. Joop Zwart, der Mitte nächsten Monats die längst eingeschlafene Oberländer-Diskussion mit einer neuen Rechtfertigungsschrift für Oberländer wieder einmal beleben wollte, deponierte seine Akten über den abgedankten Bundesvertriebenenminister unterdes in den Schließfächern zweier Schweizer Banken.

Oberländer-Ehrenrichter Zwart

Francs für sowjetische Rechnung?

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