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SÜDAFRIKA / STRAUSS Aktien, jawohl

aus DER SPIEGEL 21/1966

Ich war wirklich nie in Afrika und hatte das Gefühl, mein Horizont bedürfe der Erweiterung.

Franz-Josef Strauß

Bonns Bayer kam ans Kap. Er erkannte, wie gut die Neger es dort haben: »Der gute Boden ist in den Händen der Schwarzen.« Die Weißen leben in der »Halbsteppe«.

Drei Wochen lang durchstreiften Franz-Josef und Frau Strauß, begleitet von »Welt«-Korrespondent Hans Germani und Frau Germani, auf Kosten der »South African Foundation« die Südafrikanische Republik. Nach 20 Stunden stand für Strauß fest: »Südafrika ist

wie die Bundesrepublik Opfer einer Entstellungskampagne.«

In Johannesburg und Durban, in Pretoria und Umtata predigte Strauß, was Südafrikas Weiße seit je glauben: »Die Politik der Apartheid beruht auf einem positiven religiösen Verantwortungsbewußtsein für die Entwicklung der nichtweißen Bevölkerungsschichten. Es ist deshalb falsch, von der Unterdrückung der Nicht-Weißen durch eine weiße Herrenrasse zu sprechen.«

Der »um ein objektives Bild bemühte« Besucher ließ sich auch mit südafrikanischen Oppositionspolitikern zusammenbringen - allerdings: »Nicht einer von ihnen war imstande, eine aussichtsreiche Alternative zur Politik der Apartheid zu entwickeln.«

Mit dem wahren Führer der Opposition, dem schwarzen Friedensnobelpreisträger Albert Luthuli, der in Natal lebt, traf Strauß nicht zusammen. Dennoch kam der Reisende dunklen Siedlern näher als beabsichtigt.

Die Manager der South African Foundation, einer privaten Public- Relations-Organisation, deren Ziel es ist, »Informationen über die wahren Zustände in der Republik« zu vermitteln, wollten ihrem Gast eine Bantu-Mustersiedlung am Rande von Johannesburg zeigen - aus der Luft. Doch die Maschine mußte bei den Bantus notlanden.

Anstatt, wie vorgesehen, Antilopen und Büffel im Reservat von Mala-Mala zu besuchen, flog Strauß einige Tage später eigenmächtig mit einer Chartermaschine nach Rhodesien. Strauß nach der Stippvisite bei Premier Ian Smith: »Ich konnte keinerlei Feindseligkeit zwischen den Rassen entdecken.«

Der Gast versprach seinen Gastgebern

- darunter Außenminister Muller, Verteidigungsminister Botha, Informationsminister de Klerk -, er werde seinen »politischen Einfluß in Deutschland mit Nachdruck einsetzen, um das verzerrte Bild von Südafrika richtigzustellen«.

Als der Wirtschaftsredakteur der »Cape Times«, Dr. Landsberg, den deutschen Gast nach seinen »wirtschaftlichen Interessen in Südafrika« fragte, entgegnete Strauß zunächst, er habe »keine Wirtschaftsinteressen in Südafrika«. Dann: Aktien, jawohl, Aktienbesitz habe er, aber an Gesellschaften sei er nicht direkt beteiligt.

Andere Journalisten wurden dementiert. Die Zeitung »Die Burger« berichtete, Strauß habe das deutsche Waffenembargo gegen Südafrika »kindisch« genannt. Das Dementi - »gemeint waren nur Jagdwaffen« - folgte so schnell, daß selbst Straußens bayrische Hauspostille nicht mitkam. Im »Bayern-Kurier« stand noch vier Tage nach dem Dementi: »Strauß nannte das Waffenembargo gegenüber Südafrika kindisch. Anders kann man es wohl schwer nennen.«

Eine Zusammenkunft mit deutschen Journalisten sagte Strauß wegen »Sumpffieber« ab und dinierte statt dessen mit dem Konsul von El Salvador, Karl F. Albrecht, und dem ehemaligen Führer der südafrikanischen Nationalsozialisten und heutigen Senator Louis Theo Weicherdt.

Das deutsche Interview bekam in Windhoek Hans Germani. Von ihm brauchte Strauß nicht zu fürchten, daß er wie »die westdeutschen Zeitungen ein falsches Bild von der Situation in Südafrika« vermittelte: Germani legte seine Berichte dem CSU-Chef vor, bevor er sie an die »Welt« nach Hamburg kabelte.

Afrika-Reisender Strauß: Bei den Bantus notgelandet

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