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Al Gore,

aus DER SPIEGEL 35/2000

Al Gore, 52, Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, beginnt die wichtigste Woche seines Lebens. Bis zum amerikanischen Tag der Arbeit am 4. September - dem Beginn der Endphase des Wahlkampfs - muss er den Auftrieb festigen, den ihm der Parteitag von Los Angeles beschert hat. Denn in den letzten 40 Jahren haben sich bei Präsidentschaftswahlen die Präferenzen der Wähler zwischen Labour Day und dem Wahltag kaum noch entscheidend geändert. Gores Aufholjagd begann mit jenem - inzwischen legendären - Kuss von exakt 3,853 Sekunden sowie der anschließenden 8 Sekunden langen Umarmung seiner Frau Tipper, mit denen der als Holzklotz verschriene Kandidat die überraschten Delegierten zu anerkennenden Pfiffen verleitete. Der unerwartete Leidenschaftsbeweis, der die »New York Times« zu der indignierten Frage anregte, ob »die beiden kein Schlafzimmer« besäßen, passte genauso wenig zum öffentlichen Bild Gores wie die neue klassenkämpferische Wahlkampfrhetorik, der er seit Los Angeles frönt. Er werde »für das Volk und nicht für die Mächtigen streiten«, verspricht Gore seither in jeder Rede. Die Umarmungen, sowohl von Tipper als auch die des kleinen Mannes, zahlen sich aus. Gore hat mit Bush gleichgezogen, ihn nach einigen Umfragen sogar überholt.

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