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PERSONALIEN Albert Hagenbuch, Valéry Giscard d'Estaing, Werner Speckmann, Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Sobhuza II.

aus DER SPIEGEL 4/1975

Albert Hagenbuch, 61, Oberbürgermeister der südwürttembergischen Kreisstadt Balingen, verlor nach einer feucht-fröhlichen Gemeinderatssitzung seinen Führerschein, weil er bei der morgendlichen Heimfahrt den kalten Motor seines Dienst-Mercedes ausgerechnet vor einem Polizeirevier abwürgte. Zwar setzte er unter beträchtlichem Lärm den Wagen wieder in Schwung, doch zu Hause erwarteten ihn bereits mißtrauisch gewordene Polizisten, die ihn zur Blutprobe (Testergebnis: 1,6 Promille) auf die Wache mitnahmen. Hagenbuchs Stellvertreter, Bürgermeister Erwin Kästle, der seinem Chef nachgefahren war, »um mit ihm zu Hause noch einen Kaffee zu trinken«, brachte sich ebenfalls um den Führerschein: Als er »den Beamten gut zureden« wollte, den OB laufenzulassen, schnupperten sie nur, dann mußte auch er ins Röhrchen blasen -- bei ihm ergab der Alkoholtest sogar 1,7 Promille. In Balingen wird jetzt erörtert, Hagenbuch könne als Chauffeur seinen bisher einzigen Gegenkandidaten bei der im März fälligen OB-Wahl engagieren: Der Mann ist von Beruf Taxifahrer.

Valéry Giscard d'Estaing, 48, Staatspräsident Frankreichs, verfeinert sein Englisch mit Hilfe eines Privatlehrers, nachdem sein deutscher Gesprächspartner Helmut Schmidt von der amerikanischen Presse wegen »gewähltem Englisch« gelobt worden war. Wenig begeistert von den Extra-Kursen ihres Staatschefs und der nun zu erwartenden Steigerung seiner Eloquenz auch in englischer Sprache zeigen sich französische Diplomaten. Nach ihrer Meinung greift Giscard schon jetzt allzu häufig zum Telephon, um sich mit ausländischen Regierungschefs direkt abzusprechen. Da Giscard bei seinen Spontan-Telephonaten ohne schriftliches Konzept parliert und auch keine Notizen hinterläßt, erfahren Mitarbeiter die Ergebnisse der Gespräche meist nur spät und auf Umwegen.

Werner Speckmann, 61, über die dienstliche Beurteilungspraxis erboster Richter am Oberlandesgericht in Hamm, hat -- nach diversen akademischen Attacken in Fachzeitschriften, vier vergeblichen Dienstaufsichtsbeschwerden und einem unbeantworteten »Offenen Brief« an NRW-Justizminister Posser -- seine schlechten Erfahrungen mit der Personalpolitik in der Justiz zu Buch gebracht. Auf siebzig Seiten bietet der Justiz-Kritiker jetzt einen »Blick hinter den Vorhang« (so der Buchtitel) feil -- für fünf Mark im Selbstverlag. Die Erfolgsaussichten seines Werkes schätzt der Autor eher gering ein -- außer Juristischem werden Schach-Probleme darin abgehandelt.

Helmut Schmidt, 56, Bundeskanzler, kritisierte am Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Walter Scheel am Dienstag vergangener Woche, daß nur Sekt gereicht wurde. Schmidt zu Scheel: »ich bitte darum, daß man nächstes Mal auch Bier und Cola bekommt.« Als ein Diener davoneilte, um den Kanzler schon diesmal in den Genuß des ersehnten Erfrischungsgetränkes zu bringen, äußerte Bundesforschungsminister Hans Matthöfer seinem Regierungschef gegenüber Zweifel, daß diese Reform gelingen könne: »Ich wette, daß der Bundespräsident nicht erlaubt, daß in seinem Hause Cola serviert wird.« Tatsächlich kehrte der Befrackte nur mit Bier zurück.

Hans-Dietrich Genscher, 47, Bundesaußenminister und gebürtiger Provinz-Sachse, unterhielt seine Kabinettskollegen am Mittwoch vergangener Woche mit dem neuesten Ostfriesenwitz« den er kannte: Ein Franzose, ein Engländer und ein Ostfriese werden in einem totalitären Staat als Spione entlarvt und zum Tode verurteilt. Vor der Hinrichtung wird der Franzose gefragt, wie er in der Guillotine liegen möchte. Der Franzose mutig: »Ich will auf dem Rücken liegen, denn ich möchte dem Tod ins Auge sehen.« Das Fallbeil, wie das Fallbeile so an sich haben, fällt, bleibt jedoch kurz vor dem Hals des Franzosen stecken. Darauf wird dem Delinquenten das Leben geschenkt. Der Engländer legt sich mit dem Gesicht nach unten in die Guillotine, wieder klemmt das Beil vorzeitig. Auch er wird freigelassen. Als nun der Ostfriese gefragt wird, wie er liegen möchte, sagt er: »Mir egal, tun Sie mir nur einen Gefallen, bringen Sie die Guillotine in Ordnung.«

Sobhuza II., 75 (Photo r.), König von Swasiland, in dessen Mini-Staat (450 000 Einwohner) bisher die Währung der weißen Apartheid-Republik Südafrika galt, hat jetzt eigene Swasi-Noten drucken lassen, auf denen elf seiner Töchter barbusig abgebildet sind (Photo o.). Schöpfer der neuen Swasi-Währung ist Sobhuzas schwedischer Finanzberater Gunnar Akermalm, 65, ehemaliger Reichsbank-Direktor in Stockholm. Der Noten-Wechsel verstimmte die Regierung in Pretoria vor allem wegen der elf Königstöchter, die sich auf den farbenprächtigen Lilangeni-Scheinen halbnackt präsentieren -- im puritanischen Südafrika gilt ein derartiger Aufzug schon als Pornographie. Verdruß über unterschiedliche Moralauffassungen gibt es zwischen den beiden Nachbarländern freilich schon seit Jahren: In Swasiland ist die Prostitution zwischen Schwarz und Weiß im Gegensatz zum Kap-Staat erlaubt, und Kunden der schwarzen Schönen sind zumeist weiße Südafrikaner. Ein Beamter in Pretoria entsetzte sich über den Grenzverkehr: »Jetzt kann die Prostitution sogar mit Porno-Geld bezahlt werden.«

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