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Personalien

Alexander Bogomolow, Georg Leber, Herbert Ehrenberg, Carmen Roh, Henry A. Kissinger, Hans Karl Filbinger, Dieter Thomas Heck, Wolfgang Fischer, Susanne Filbinger, Hannelore Filbinger, Barbara Filbinger
aus DER SPIEGEL 15/1972

Alexander ("Sascha") Bogomolow, 48, Chef der Presse- und Informationsabteilung der Sowjet-Botschaft in Rolandseck, will »freudig auf idie Pauke hauen, wenn die Ostverträge ratifiziert sind«. Kann er auch: Beim »Weißblauen Symposium« des Münchner Bauer-Bilderblatts »Quick« verehrte Redaktionsleiter Heinz van Nouhuys dem musikalischen Sowjetmenschen eine Konzerttrommel. Bogomolow taktvoll: »In schlechten Zeiten läßt sich damit Stimmung ausdrücken, etwa so« (dabei trommelte er verhalten), »und in Zeiten des Friedens gute Laune, etwa so« (dabei intonierte er einen Trommelwirbel). »Ich will sie in letzterem Sinne geschenkt bekommen haben.« Kommentierte Augenzeuge Gerhard Löwenthal, »ZDF Magazin«-Verwalter und Ostvertragsgegner, mißtrauisch: »Das hat der doch vorher geübt.«

Georg Leber, 51, Verkehrsminister, »bevorzugt Verbote statt Vorsorge«. Diesen Rüffel des britischen Reifenherstellers Dunlop handelte sich Bonns Tempo-100-Promoter ein, nachdem er vier Einladungen der westdeutschen Dunlop-Dependance an sich und seine Leitenden (oder deren Vertreter) zu einer Vorführung des neuen »Total-Mobility-Reifens« ignoriert hatte: Während fast alle Innen- oder Verkehrsministerien der Bundesländer vertreten waren, hatte Leber nicht einmal einen Referenten niederen Ranges an die Teststrecke bei Aix-en-Provence in Frankreich beordert, als Dunlop seine weltweit hochgelobte Neuentwicklung -- noch fahrfähig selbst bei Plattfuß -- präsentierte. Ein englischer Firmensprecher verärgert: »Herr Leber ist offenbar eher ein destruktiver als ein konstruktiver Minister.«

Herbert Ehrenberg, 45, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, fürchtet um seinen Arbeitsplatz. Während einer längeren Kreuzfahrt vertraute sich der Urlauber, im Mittelmeer vom Nachrichtenfluß über die Bonner Regierungskrise abgeschnitten, einem Freund an: »Vielleicht sprichst du mit dem letzten amtierenden Bonner Staatssekretär, weil man mir die Entlassungsurkunde nicht zustellen konnte.«

Carmen Roh, 24, wegen Verdachts der Zugehörigkeit zum Heidelberger »Sozialistischen Patientenkollektiv«, unerlaubten Waffenbesitzes und Beteiligung an einem Bankuberfall einsitzende Studentin, wäre »vermutlich beinahe abgekratzt«. Aus dem Gefängnis von Aichach (Bayern) meldete sie ihrem Stuttgarter Anwalt Klaus Croissant, zwei Beamte hätten sie am Morgen des 16. März in der Krankenstation auf einen Gynäkologie-Stuhl gefesselt, »dann haben sie mir eine vorsintflutliche Äther-Narkose verpaßt«, und wieder aufgewacht sei sie erst am Nachmittag. Croissant über den Grund für diese »Zwangsbetäubung« mit Äther, bei der »zwar eine auch nur annähernd genaue Dosierung nicht möglich ist, die Narkotisierten aber ja manchmal reden": Weil sich Carmen Roll geweigert hatte, sollten ihre Fingerabdrücke auf richterliche Anordnung »unter Anwendung unmittelbaren Zwanges« genommen werden. Der Links-Anwalt -- »So etwas gibt's doch nur in Orwells »1984"' -- erstattete gegen Anstaltsbeamte und Kripoleute Strafanzeige wegen »versuchten Mordes, Körperverletzung im Amt und Freiheitsberaubung«.

Henry A. Kissinger, 48, Graue Eminenz im Weißen Haus, war außer Haus -- prompt wähnten ihn Washingtons Journalisten zu Besuch im Kreml. Der Verdacht lag nahe: Vergangenen Juli war Nixons Sicherheitsberater heimlich nach Peking gejettet, um des Präsidenten China-Visite zu organisieren. und ebenso unbemerkt hatte er sich 1969/71 zwölfmal in Paris mit Vertretern Nordvietnams getroffen. Als ein Regierungssprecher auf Anfragen nur mitteilen wollte, Kissinger mache Ferien, witterten Beobachter eine neue Sensation: Vermutlich arrangiere der »Herr Doktor« Nixons Moskauer Gespräche vor Ort. Um weitere Spekulationen zu verhindern, gab eine Kissinger-Stallwache schließlich die Adresse preis: Mexikos Society-Tummelplatz Acapulco.

Hans Karl Filbinger, 58 (2. v. r.), Landesvater, schickte seine Töchter vor. Als in seinem Freiburger Wahlkreis die -- von Baden-Württembergs CDU mit 150 000 Mark finanzierte -- Stimm-Show »Hallo Freunde« unter Anleitung des ZDF-Laut-Sprechers Dieter Thomas Heck, 33 (M.), ablief, »wir aber unseren Ministerpräsidenten nicht einfach da reinschicken konnten« (CDU-Sprecher Wolfgang Fischer), warf die Union »,familiäres Holz' ins Wahlkampffeuer« ("Badische Zeitung"): die Filbinger-Töchter (v. links) Susanne, 20, Hannelore, 14, und Barbara, 18. Die Mädchen, an verschiedenen Stellen im »Paulussaal« placiert, wurden von Heck einzeln »rausgeleuchtet«. Heck zur Obertertianerin Hannelore: »Sehen Ihre Eltern zu Hause fern?« Antwort: »Vater ist hier.« Wie »die Katze aus dem Sack« (Barbara) schälte sich sodann der Christdemokrat aus der Kulisse und rief in den Saal: »Grüß Gott, meine Freiburger Landsleute.« Heck hinterher über den Drei-Minuten-Auftritt des Regierungs-Chefs: »Bei mir und den Interpreten gab es niemanden, der pfiff.«

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