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PERSONALIEN Alfred Dobenek, Franz Josef Strauß, Helmut Kohl, Robert Visarius, Norbert Blüm, Marita Blüm, Bruno Heck, Viktor Matejka, Jean-Paul Sartre

aus DER SPIEGEL 16/1975

Alfred Dobenek, 52, katholischer Pfarrer im überwiegend evangelischen Dorf Herbolzheim in Mitteifranken, fühlt sich von nahezu der ganzen Gemeinde (80 Prozent CSU-Wähler) »politisch verfolgt«, weil er Franz Josef Strauß verehrt. So jedenfalls erklärt sich der Geistliche, warum in jüngster Zeit mal ein Faß Altöl auf der Vortreppe des Pfarrhauses ausgekippt wurde, mal ein Stein durchs Fenster flog und zuletzt sogar »katholische Ortsburschen« (so Bürgermeister Hermann Altdeininger) des Pfarrers Gesicht mit Ruß einrieben. Derlei Martyrium ist für Herbolzheims parteilosen Bürgermeister freilich »nur eine Ausrede gegenüber den kirchlichen Vorgesetzten« und eine »Folge des Suffs«, dem sich Pfarrer Dobenek im Dorfgasthaus »Grüner Baum« so ausdauernd ergebe, daß er seine Herbolzheimer unterschiedslos als »Arschlöcher, Deppen und Idioten« oder als »rote Schweine« abzukanzeln pflegt. Der vom Pfarrer wegen des Trink-Vorwurfs ("Wenn er sein Quantum hat, legt er sich mit jedem an") gegen ihn angestrengten Beleidigungsklage sieht Bürgermeister Altdeininger denn auch gelassen entgegen: »Da müßte der Wirt schon einen Meineid schwören.«

Franz Josef Strauß, 59, CSU-Vorsitzender, wurde zusammen mit CDU-Chef Helmut Kohl, 45, in der »Kuwait Times« abgebildet und als westdeutscher Klinikchef vorgestellt (Ausriß). Im Begleittext beißt es: »Modell-Klinik bringt hirnverletzten Patienten wieder das Sprechen bei: Robert Visarius (links) hat mit großem Erfolg hirnverletzten Patienten wieder zu einem nahezu normalen Leben verholfen. Der Direktor eines neurologischen Krankenhauses in Vallendar, W.-Deutschland, kennt die Probleme seiner Patienten aus erster Hand. Nach einer Kopfverletzung, die er im Zweiten Weltkrieg erlitt, mußte er selber noch einmal sprechen lernen Die Rolle des Nebenmanns Kohl wird nicht erklärt. Den richtigen Robert Visarius, 54, der tatsächlich Klinik-Direktor, wenn auch kein Arzt ist, erheiterte, als er davon hörte, die Verwechslung mit Strauß. Um Kohl sorgte er sich: »Die stellen ihn doch hoffentlich nicht als aussichtslosen Fall vor?«

Norbert Blüm, 39, CDU-Linker, nutzte eine Tagung der

Konrad-Adenauer-Stiftung in Kenias Hauptstadt Nairobi, um zusammen mit Ehefrau Marita, 34, und dem ehemaligen CDU-Generalsekretär und passionierten Wanderer Bruno Heck, 58, Afrikas höchsten Berg, den 5895 Meter hohen Kilimandscharo, zu besteigen. Während die Truppe vier Tage zum Aufstieg benötigte (Blüm: »Das hat ganz schön geschlaucht"), schaffte sie den Abstieg in einem Gang. Blüm, der nahe Bonn in einem Haus wohnt, das auf einer hohen Felsklippe über dem Rhein liegt, hatte sich auf die alpine Großtat vorbereitet, indem er vier Wochen lang jeden Morgen die vierzigprozentige Steigung zu seinem Haus zehnmal hintereinander rauf- und runterlief.

Viktor Matejka, 73, ehemaliger Kulturstadtrat von Wien und früheres KPÖ-Mitglied, wird von der katholischen Kirche gerichtlich verfolgt, weil er sich seit 28 Jahren weigert, Kirchensteuern zu bezahlen. Der Pensionär begründet seinen Steuer-Stopp mit einem Dekret des Papstes Pius XII. aus dem Jahre 1949, nach dem alle Mitglieder und Sympathisanten des Kommunismus als exkommuniziert zu gelten hätten. Matejka, der, als das Dekret erging, im Zentralkomitee der KPÖ saß: »Es liegt doch auf der Hand, daß ein aus einem Verein Ausgeschlossener keinen Beitrag mehr zu entrichten braucht.« Die Finanzkammer der Erzdiözese Wien, die befürchtet, daß die Berufung auf dieses Dekret Schule machen könnte, beeilte sich mitzuteilen, es sei zwar richtig, »daß eine offizielle amtliche Zurücknahme des Exkommunikationsdekretes nicht erfolgt« sei

aber »wie die Praxis eindeutig zeigt, findet es nicht mehr Anwendung«. Dagegen der römische Kurienkardinal Alfredo Ottaviani: »Die Exkommunikation ist noch in Kraft.« Das Wiener Bezirksgericht, das Matejka verurteilen sollte, geht noch mit sich zu Rate und ließ wissen: »Das Urteil ergeht schriftlich.«

Jean-Paul Sartre, 69, französischer Philosoph und Schriftsteller, besuchte in Lissabon Soldaten eines Regiments der linksgerichteten portugiesischen Armee in ihren Unterkünften (Photo). Sartre war nach Portugal. gereist, um mit den Führern der »Bewegung der Streitkräfte« über die Zukunft des Staates zu diskutieren. In den Wahlkampf (Portugal wählt am 25. April eine verfassunggebende Versammlung) ließ sich Sartre, der, wie die französische Nachrichtenagentur Sipa Press ausdrücklich betonte, auf »eigene Initiative und Kosten« nach Portugal gekommen war, nicht einspannen.

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