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Am Rande Almrausch

aus DER SPIEGEL 32/2001

Im Urlaub tut man gemeinhin absonderliche Dinge, die man sonst nie tut: wandern beispielsweise. Badelatschen oder Rucksäcke tragen statt Verantwortung. Den Daheimgebliebenen Postkarten schreiben von der Sorte: »Hier ist alles viel schöner« und dabei »Ätschbätsch« denken. Seele-baumeln-Vollprogramm eben.

Frank Steffel macht auch gerade Urlaub, Steffel, der weltberühmte CDU-Spitzenkandidat der Berlin-Wahlen. Bei so einem muss natürlich auch das Ungezwungene geplant sein wegen mitreisender Presse und so. Prompt wanderte der Kandidat am Tegernsee viel und stemmte wenig - außer Maßkrügen. Er herzte wahlweise die sehr blonde Ehefrau oder wehrlose Touristen/Milchkühe (Man kennt das von den Kohls) und gestand seelebaumelnd, dass München für ihn »die schönste Stadt Deutschlands« sei. München! Wo kandidiert der Herr noch mal? Berlin!! Steffel katapultierte sich in eins Komma null Sätzen von Almrausch zu Alptraum, denn sein Stab muss nun dauernd erklären, dass der Kandidat Berlin natürlich für »die spannendste Stadt Europas« halte und überhaupt.

Nutzt nix mehr. Berliner sind da sehr empfindlich. Nicht mal mehr eine Radtour durch Plattenbau-Marzahn wird Steffel noch retten. Vielleicht gewährt ihm ja Tegernsee Exil - als Kurdirektor oder Bergführer. Sein Abseil-Talent hat Steffel schließlich schon bewiesen, als er sich auf dem heimischen Alexanderplatz vor Eierwerfern versteckte: hinter dem breiten Rücken des CSU-Freundes Edmund Stoiber.

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