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REAGAN-BERATER Alte Freunde

Um die wichtigsten Posten beim künftigen Präsidenten Ronald Reagan streiten sich ultrarechte Gehilfen aus Kalifornien mit Gemäßigten in der Republikanischen Partei.
aus DER SPIEGEL 46/1980

Der Kandidat Ronald Reagan brauchte nicht konkret zu werden: »Das Kabinett«, so beschrieb er im Sommer seine zukünftige Regierung, wolle er als »engsten Beraterkreis, eine Art Aufsichtsrat«, führen; auf Topposten wünsche er sich »intelligente junge Fachleute und Männer, die zu früh in Pension geschickt worden sind«.

Der designierte Präsident Ronald Reagan aber muß bald Namen nennen -- und sieht sich schon vor dem Umzug ins Weiße Haus vor den ersten bitteren Entscheidungen. Denn um Posten und Einfluß in der Administration des strahlenden Wahlsiegers kämpfen zwei Gruppen. Auf der einen Seite alte Freunde Reagans aus Kalifornien, die sich mit ultrakonservativen Mitstreitern der Reagan-for-President-Kampagne verbündet haben. Zu dieser Koalition gehören Reagans Stabschef Edwin Meese, sein Wahlkampfleiter William Casey, dann William Simon und Richard Allen, unter Nixon einst Finanzminister beziehungsweise Mitarbeiter im Nationalen Sicherheitsrat, schließlich die Senatoren Paul Laxalt und Jesse Helms.

Diesen rechten Reagan-Jüngern stehen Mitglieder des gemäßigt-konservativen Establishments der Republikanischen Partei gegenüber, von denen viele Posten in den Regierungen Nixon und Ford innehatten. Bekannteste Namen: Henry Kissinger und George Shultz, der Ex-Finanzminister und Wirtschaftsfachmann.

Reagan braucht solche Routiniers. Denn er kommt in die US-Hauptstadt »mit weniger Wissen über Washington und die Welt als jeder andere Präsident im vergangenen halben Jahrhundert« (so der Kolumnist Joseph Kraft). Und Reagans kalifornischer »innerer Zirkel steht fast genauso naiv vor Washingtons verschlungenen Wegen« wie einst Jimmy Carters Georgia-Mafia ("The Wall Street Journal").

Die Kalifornier und die Radikalen haben -- im Gegensatz zu den später hinzugekommenen Wahlhelfern wie Ex-Präsident Gerald Ford -- von Anfang an für Reagan gekämpft. Ihnen schuldet der Sieger Dank. Sie konnten deshalb vorigen Donnerstag ihren Richard S.154 Allen in die Mannschaft zur Vorbereitung von Reagans Amtsübernahme hieven.

Das war ein Comeback. Denn Allen hatte eine Woche zuvor als außenpolitischer Reagan-Berater zurücktreten müssen. Er war in Verdacht geraten, vertrauliche Informationen aus seiner Mitarbeit in der Nixon-Regierung an japanische Firmen weitergegeben zu haben, denen er als Berater diente.

Beim Einsatz für Allen ging es den Rechten ums Prinzip. »Nicht daß wir für Allen persönlich kämpfen würden«, gestand einer. »Wir wollen verhindern, daß Reagan von der Kissinger-Bush-Richtung vereinnahmt wird.«

Reagens Vize George Bush erscheint den Ultras als zu liberal. Der einstige CIA-Chef und US-Vertreter bei der Uno hatte sich in der Kampagne 1980 selbst um die republikanische Nominierung beworben und die Wirtschaftspläne seines Rivalen Reagan verhöhnt.

Kissinger lasten die Rechtsrepublikaner seine einstige Detente-Politik an und werfen ihm vor, daß er Taiwan für die Aufnahme von Beziehungen zum kommunistischen China verraten habe. Auf Reagans Nominierungs-Parteitag im Juli in Detroit buhten die Ultras (Spitzname: »Dinosaurier") den aufgeregten Kissinger noch aus.

Reagan aber wußte wohl schon damals, daß er seine Basis erweitern mußte, wenn er die Wahlen gewinnen wollte, und ließ deshalb Kissinger auftreten. Kissingers Unterstützung brachte ihm Prestige in der Welt und bei gemäßigten und gebildeten Landsleuten. Der Kandidat nahm den Weltpolitiker im Wartestand zum Schluß sogar mit auf Wahlreisen in die Provinz. Reagan S.156 überließ es Kissinger, Carter wegen dessen Iran-Politik anzugreifen.

Nun hat der gewählte Präsident den pensionierten Außenminister in seine Übergangsmannschaft gebeten -ebenso wie Nato-Ex-Oberbefehlshaber Alexander Haig, Ex-Präsident Ford, dessen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und George Shultz.

Reagan demonstriert zudem, daß er keine Parteien mehr kennt, sondern nur noch Amerikaner. Er berief in das Team drei prominente Demokraten: Senator Henry Jackson, dessen »Jackson-Amendment« 1974 den Getreideexport in die Sowjet-Union stoppte, weil Moskau nicht genug Juden ausreisen ließ; den militanten Israel-Freund Richard Stone, dem von seiner eigenen Partei die Wiederwahl in den Senat verweigert wurde, und den Washingtoner Star-Anwalt Edward Bennett Williams, Prototyp des Hauptstadt-Establishments und Mitbesitzer des Football-Teams der »Redskins«.

Die Geste kam an. Aber ob einer der Demokraten oder der liberalen Republikaner Aussicht auf einen Regierungsposten hat, wollte Ronald Reagan noch nicht sagen. Anstelle der täglichen Wahlvoraussagen (die sich letztlich als falsch erwiesen) wird nun darüber spekuliert, wer welchen Posten erhält, bis der designierte Präsident -voraussichtlich Ende November -- seine Entscheidung bekanntgeben wird.

Er hat jedenfalls schon Vorstellungen vom Arbeitsplatz seiner Minister. Die Kabinettsmitglieder sollen nicht verstreut über die ganze Stadt sitzen, sondern schön dicht beim Chef:

Reagan ließ seinen Stabschef Meese prüfen, ob im Old Executive Building genug Raum für alle ist. Der graue Gründerzeit-Bau liegt unmittelbar neben dem Weißen Haus.

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