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FRANKREICH Alte Garde droht dem KP-Chef

aus DER SPIEGEL 50/1999

Kommunisten-Führer Robert Hue gerät bei seinem Versuch, die eigene Partei zu modernisieren, immer mehr ins Fadenkreuz der Altgenossen, Leninisten und Sowjetunion-Nostalgiker. Hue, Koalitionspartner des Sozialistenpremiers Lionel Jospin und der Grünen, wollte den für kommenden März angesetzten 30. KP-Kongress zu Reformen nutzen: Vor allem sollte der von seinem stalinistischen Vorgänger Georges Marchais praktizierte »demokratische Zentralismus«- Synonym für eine interne Diktatur - endlich abgeschafft werden. Außerdem wollte der undogmatische Hue den Namen der Partei ändern, die ohne jede interne Diskussion das Wörtchen »kommunistisch« beibehalten hat. Doch die alte Garde der Marchais-Zöglinge wehrt sich: Sie sieht sich durch die KP-Nostalgie in Osteuropa, vor allem durch die Erfolge der deutschen PDS, bestätigt und glaubt an eine »Renaissance« der KPF. Dass die Partei noch immer viele Mitglieder hat - offiziell 210 000, tatsächlich eher 150 000 - und bei einem Protestmarsch gegen die Arbeitslosigkeit im Oktober zur eigenen Überraschung 35 000 Demonstranten auf die Straßen brachte, bestärkte die Betonriege ebenfalls. Reformer Hue fürchtet nun um sein Amt und sucht nach einem Kompromiss, um »Konfrontationen zu vermeiden«.

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