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Briefe

ALTERSPROBLEM
aus DER SPIEGEL 52/1970

ALTERSPROBLEM

(Nr. 48/1970, Presse -- »Twen)

Nach Meinung vieler der besten Photographen der Welt lat die Qualität der Photos in »Twen« vorzüglich Dies ist vor allem ein Verdienst von Willy Fleckhaus. Eine »Twen« mit Fleckhaus würde trotz einer Preiserhöhung ihre Leser behalten, eine »Twen« ohne Fleckhaus zum Tode verurteilt sein

Freiburg (Bad.-Württ.) HESSERT RODE

Sie übernehmen ungeprüft das Verdikt Herrn Nannens, die Arbeit von Willy Fleckhaus sei »ästhetisierender Graphismus«. Der Fleckhaussche Graphismus stand an der Wiege der Zeitschrift »Twen«, und ohne ihn hätte es »Twen« nicht gegeben. Doch selbst wenn man diesem Periodikum im Konkurrenz-SPIEGEL bloß temporäre Bedeutung zuerkennte, lassen Sie bleibende Verdienste von Fleckhaus unerwähnt. Wie kein anderer Graphiker hat er in den sechziger Jahren das Äußere des deutschen Buches geprägt. Willy Fleckhaus hat 1959 für den Suhrkamp Verlag den Typus des von klarer Schrift geprägten und in weißer Farbe gehaltenen Umschlags geschaffen, gegen die Widerstände des Marktes in den ersten Jahren. Danach, etwa von 1962 an, war es für die deutschen Buchmacher chic, ihren Büchern weiße Umschläge zu geben. Fleckhaus schuf dann den Buchumschlag in klarer, starker, ungebrochener Farbe, und es dauerte diesmal kaum zwei Jahre, da dominierten Farben in den Ständen der Frankfurter Buchmesse. Fleckhaus entwarf in diesem Jahrzehnt Umschlag, Layout und Typographie für zwei Buchreihen, die »Bibliothek Suhrkamp« und die »edition suhrkamp«. Das Schicksal des Graphikers Fleckhaus war und ist nicht »ein Generationsproblem«, nicht sein Älterwerden. Wie kein anderer ist Willy Fleckhaus im In- und Ausland nachgeahmt worden. Das galt von einzelnen Umschlägen wie von den von ihm entworfenen Reihen; Verlage gaben ihren Graphikern den Auftrag, à la Fleckhaus zu arbeiten. Fleckhaus ist, weil er Prägendes geschaffen hat, kopiert worden. Und bald gab es viele Fleckhause. Doch keiner erreichte seine künstlerische und ästhetische Leistung. Frankfurt Dr. Siegfried Unseld Leiter des Suhrkamp-Verlags

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