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Am Stahl gespart

aus DER SPIEGEL 43/1992

Kriminelle Pfuscherei im Baugewerbe ist verantwortlich für den Tod vieler Schüler beim Erdbeben in Ägypten in der vergangenen Woche. Im Großraum Kairo-Giseh und in den ägyptischen Regierungsbezirken Kaljubija und Minja stürzten fast 20 Schulen ein. Die Behörden nehmen an, daß über die Hälfte der vermutlich 1000 Katastrophenopfer Schüler und Lehrkräfte sind. Die ägyptische Regierung soll inzwischen eingeräumt haben, daß bestechliche Beamte Unbedenklichkeitszeugnisse für die Gebäude ausgestellt hatten, die von Bauunternehmern im Billigverfahren hochgezogen worden waren. Die so eingesparten Stahlträger und Zementzusätze wurden auf dem schwarzen Markt verkauft. Die Kairoer Zeitung El-Gumhurija spricht von einer »nationalen Schande«. Insgesamt gebe es 7500 einsturzgefährdete Schulen. Wegen der lebensgefährlichen Schlamperei stellte die US-Regierung vor wenigen Wochen ihre Mitarbeit an einem Großprojekt zur Errichtung von 500 Schulen ein. Ägyptens Ministerpräsident Atif Sidki ordnete nun an, die für den Bauskandal verantwortlichen Staatsdiener und Geschäftemacher unverzüglich vor Gericht zu bringen. Einigen droht die Todesstrafe.

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