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KOSOVO Amerika blockiert

aus DER SPIEGEL 32/2001

Die Spannungen zwischen den USA und den Europäern beim Nato-geführten Einsatz im Kosovo sind offenbar gravierender als bisher angenommen. Nach Aussagen hoher deutscher Offiziere herrscht in der Abteilung für Militärisches Nachrichtenwesen im multinationalen Kfor-Stab in Pristina zeitweise regelrecht Krieg um den Zugang zu sensiblen Daten und um deren Bewertung. Die Amerikaner, so der Vorwurf, arbeiteten im Verbund mit den Briten in diesem hoch empfindlichen und politisch entscheidenden Bereich gegen den Rest der Verbündeten.

In einem Brandbrief an das Verteidigungsministerium meldete ein deutscher Kfor-Stabsoffizier aus dem Geheimdienstbereich im Einsatzland bereits vor einem Jahr, wie die Amerikaner das militärische Nachrichtenwesen ungeachtet aller Zuständigkeiten dominierten und Reports in ihrem Sinne manipulierten. Den europäischen Verbündeten würden entscheidende Informationen vorenthalten, stattdessen fütterten die GIs sie mit »unbedeutendem Material«. Eine Zusammenarbeit finde nicht statt, heißt es resigniert in dem Schreiben: »Ich tausche keine Information mehr mit US/UK aus.«

Ein Konflikt zwischen den USA und ihren Nato-Partnern scheint programmiert: Die Lage im Kosovo - beispielsweise die Umtriebe der UÇK und die mögliche Gefahr neu aufflammender Konflikte - werde, so bemerkt der Offizier, von den übrigen Nationen »in fast allen Aspekten« anders eingestuft.

Generalinspekteur Harald Kujat, den der Brief auf Umwegen erreichte, gab sich besorgt. Das Thema sei bereits »Gegenstand mehrerer mahnender Gespräche« mit den Kfor-Partnern gewesen. Die vorerst letzten führte der zuständige Stabsabteilungsleiter im Verteidigungsministerium, Brigadegeneral Peter Röhrs, noch vorvergangene Woche. Man mache nun gute Fortschritte, versichert Röhrs.

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