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Briefe

AN DEN GALGEN
aus DER SPIEGEL 23/1959

AN DEN GALGEN

Am 9. Mai dieses Jahres wurde der Vorarbeiter Marwood gehängt, weil er im Zustand der Volltrunkenheit einen Polizisten erstochen haben sollte. Beweise: keine, außer einem (widerrufenen) Geständnis, das ihm die Kollegen des Ermordeten vermutlich mit dem »Dritten Grad« abgepreßt hatten. Eine fatale Gerechtigkeit, die die Engländer pflegen, wenn sie trotz der Justizmorde, trotz der fehlenden moralischen und der bedenklichen juristischen Begründung das Spiel mit den hanfenen Krawatten lustig weitertreiben. Sagte Arthur Koestler: »Das Hängen ist für die Engländer ein Art Nationalsport.«

Dortmund JOHANNES HOHL

Die meisten der hartgesottenen Mörder haben immerhin mehr Respekt vor der Hinrichtung als vor fünfundzwanzig Jahren Zwangsarbeit. Solange in England die Polizisten keine Waffe tragen dürfen, würde ich nicht zur Abschaffung der Todesstrafe raten.

Berlin-Schöneberg DR. W. MÜHLBÄCHER

Hier wird die tiefe Fragwürdigkeit der Todesstrafe deutlich. Daß die Todesurteile an Bentley und Marwood in einem Lande gefällt wurden, dessen Demokratie wohl nicht zu Unrecht als vorbildlich gepriesen wird, muß nachdenklich stimmen. Daß eine Geringschätzung des Wertes menschlichen Lebens größte Gefahren in sich birgt, ist wohl allmählich bekannt.

Dortmund-Mengede GERD HEINEMANN

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