Zur Ausgabe
Artikel 106 / 121
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

An den Wurzeln bekämpfen
aus DER SPIEGEL 48/1996

An den Wurzeln bekämpfen

(Nr. 46/1996, Titel: Mehr Sicherheit durch Private Polizei? Bürger machen mobil)

Mangelnde Sichtbarkeit der Frauen und Männer in Grün ist tatsächlich in erster Linie eine Frage der Kapazität. Es liegt sicherlich nicht daran, daß die Beamten lieber auf der Wache »hocken« und nicht auf Fußstreifen an Kinderspielplätzen und Altersheimen Präsenz zeigen. Zum einen, wenn sie auf der Wache »hocken«, sitzen sie vor der Schreibmaschine oder dem Computer und schreiben eifrig Strafanzeigen. Zum anderen dürfte es auch daran liegen, daß sich diese bürgernahe und servicefreundliche Tätigkeit statistisch nur schwer, wenn nicht sogar überhaupt nicht erfassen läßt und somit in keinem Tätigkeits- oder Erfolgsnachweis erscheinen kann und, von daher gesehen, nicht besonders geschätzt wird.

Miesbach (Bayern) JÜRGEN MASCHMEYER

Der private Wachdienst sollte sich auf jeden Fall aus hoheitlichen Aufgaben der Staatsgewalt heraushalten. Es muß endlich ein Gesetz her, das nicht jedem erlaubt, einen Wachdienst zu gründen. Dann wird es auch keine »schwarzen Schafe« mehr geben, die mit Dumpingpreisen den Markt überschwemmen.

Köln FRANK DEDERICHS

Den Straftätern ist sehr wohl bekannt, daß die Bürger ihres deutschen Gastlandes keine Waffen besitzen dürfen, was mit Belustigung und großer Erleichterung zur Kenntnis genommen wird und das rapide Anwachsen im Bereich der Einbruchskriminalität erklärt. Fehlende politische Rückendeckung, Inkompetenz, eine nicht mehr den Straftaten ange- paßte polizeiliche Ausbildung und ein augenscheinlich desolater körperlicher Zustand zahlreicher Polizeibeamter lassen befürchten, daß durch den anwachsenden Strom illegal eingeschleuster Osteuropäer eine weitere Eskalation von Straftaten zu erwarten ist.

Norderstedt (Schlesw.-Holst.) KAI GÜNTHER

Das Gerede um eine private Polizei könnte man sich sparen, wenn der unglückliche Sozialabbau der Kohl-Regierung endlich gestoppt würde. Allein die Kürzung der Lohnfortzahlung kann Arbeitnehmerhaushalte in Armut stürzen.

Kassel ROLAND MERTIN

Sicherheitsunternehmen in allen Ehren (wir sind eines davon). Aber die Parole darf nicht heißen »Kriminalität verwalten«, diese muß vielmehr an den Wurzeln bekämpft werden. Vater Staat sieht es freilich lieber, wenn Kriminalität »verwaltet« wird. Die »Noch-Regierungsstadt Bonn« macht es sich nach unserer Ansicht zu leicht mit der steigenden Gewaltbereitschaft im Land, denn fast al-le Parlamentarier genießen erstklassigen Schutz aus Bad Godesberg. Ein Umdenken findet in Bonn erst dann statt, wenn die »Sicherungsgruppe Bad Godesberg« ihr Handeln nicht mehr mit dem eigenen Gewissen vereinbaren kann und will, weil nämlich langsam Otto Normalverbraucher immer mehr mitbekommt, daß er allein um seine Sicherheit kämpfen muß.

Weißenbrunn (Bayern) KAI M. DALEK

Beim Untersuchungsausschuß im Abgeordnetenhaus von Berlin kam heraus, daß bei einer derzeitigen Einsatzstärke von circa 2000 Reservistinnen und Reservisten gerade 5 Fälle zu verzeichnen sind, wo eine Entlassung aus dem Polizeivollzugsdienst ausgesprochen wurde. Wenn Sie diese Fälle als »zahlreich« vermarkten, weiß man nicht, wie kriminelle Übergriffe durch hauptamtliche Polizeiangehörige zu benennen sind.

Berlin SVEN DARGATZ

Sie beschreiben zutreffend, daß die Kriminalitätsfurcht in den letzten Jahren im Bewußtsein der Bevölkerung einen wichtigeren Stellenwert bekommen hat. Aus der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung kann diese Bedeutungssteigerung aber kaum ableitbar sein. Allgemein muß das Risiko, Opfer eines Verbrechens zu werden, immer noch als verhältnismäßig gering eingestuft werden. Die Darstellung von Kriminalität in den Medien muß als einer der Gründe für diese gesteigerte Angst angesehen werden. Diese gestiegene Furcht wird oft instrumentalisiert für ein prosperierendes Geschäft. Aber auch von Politikern wird diese Furcht gern eingesetzt und geschürt, um von anderen Problemen abzulenken.

Wadern-Nunkirchen (Saarl.) GERD SCHILLO Diplom-Soziologe

Zur Ausgabe
Artikel 106 / 121
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel