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An »drei kleinen Nixons« als Anziehpuppen

aus DER SPIEGEL 31/1970

demonstriert die US-Illustrierte »Life« das unterentwickelte Modebewußtsein der amerikanischen Präsidenten-Familie. Nach dem Besuch der maxi- und midigekleideten französischen Präsidentenfrau Claude Pompidou Ende Februar in Washington hatte die »New York Times« gehofft, die amerikanische First Lady werde der einheimischen »rocklängen-verwirrten Modebranche« einen ähnlich eindeutigen Tip geben. Ende vergangenen Jahres freilich hatte die Nixon-Ehefrau dem Nachrichtenmagazin »U.S. News & World Report« bereits in einem Interview anvertraut: »Ich würde mir niemals wünschen, zu den zehn bestgekleideten Frauen der Welt zu zählen ... Kleider sind gewiß nicht das Wichtigste im Leben.« Nunmehr enthüllte »Life« die. modischen Wünsche von Pat Nixon und ihren Töchtern Tricia und Julie. Auf einer fiktiven Modenschau in New York läßt das Bilderblatt die Präsidentenfrau abwechselnd ausrufen: »Diese Kleider sind viel zu kurz« und »jene Kleider sind viel zu lang«. »Am Ende aber"« so resümiert die Illustrierte, »fand sich doch etwas perfekt Passendes« und es war klar, daß jeder sich darin glücklich fühlen würde -- zumindest bis zum kommenden Herbst.« Pat Nixon entschied sich für eine Rocklänge »zwischen dem oberen Wadenansatz und zweieinhalb Zentimeter unter dem Knie«, während die Nixon-Töchter »mit Zustimmung ihrer Mutter« die ausgewählten Kleider »reichlich über dem Knie« enden lassen. Einzige Ausnahme laut »Life": Nixons älteste, unverheiratete Tochter Tricia möchte »ihren Vater, welcher der Präsident der Vereinigten Staaten ist«, bei Besuchen im Präsidenten-Landhaus an der kalifornischen Küste in einem bodenlangen »bäuerlichen Flickenkleid becircen«.

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