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NEU IN DEUTSCHLAND André Siegfried: »Frankreichs Vierte Republik«

aus DER SPIEGEL 21/1959

Wenige Tage nach dem Tod des Seniors französischer Auslandskunde, des protestantischen Liberalen Siegfried, erschien sein letztes Werk in deutscher Übersetzung. Das Buch mit dem irreführenden Titel - es behandelt nicht nur die kurzlebige IV. Republik (1946 bis 1958), sondern die Zeit seit 1870, also auch die III. Republik - bietet eine eigenwillige, zu mancherlei Widerspruch aufreizende Interpretation französischer Geschichte aus dem Blickwinkel eines Mannes, dessen Liebe der großbürgerlichen III. Republik galt. Zwischen den Zeilen steht denn auch seine Meinung, die IV. Republik habe sich ihrer Vorläuferin immer mehr angeglichen - insoweit nämlich, als sie bemüht war, die schrankenlose Herrschaft des Parlaments zugunsten eines stärkeren Präsidenten und eines gewichtigeren Senats abzubauen. Daraus ist freilich nicht zu folgern, daß der Autor das Verfassungsexperiment de Gaulles billigte. Er urteilte 1956: »Der Gaullismus war eine Konzeption der Kriegszeit; er ist keine Konzeption für den Frieden ... Er verschwindet, ist aber offensichtlich befähigt wiederzukehren...« Am Ende seines Lebens vertrat Siegfried die Erkenntnis, mit der erneuten Berufung de Gaulles sei die liberale Tradition Frankreichs beendet. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart; 268 Seiten; 15,80 Mark.)

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