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Angela Merkel

aus DER SPIEGEL 35/2005

Angela Merkel , 51, CDU-Kanzlerkandidatin, zeigte sich im Wahlkampf bislang nicht von ihrer lustigen Seite. Große Lacher erntet sie jedoch derzeit auf ihrer Tour über deutsche Marktplätze mit der Geschichte von Hans-Christian Ströbele: »Kennen Sie den Ströbele? Den Ströbele von den Grünen?«, fragte sie kürzlich in Ulm grinsend in die Menge. »Dem Ströbele wurde sein Fahrrad geklaut. Ausgerechnet vor dem Bundestag. Der arme Herr Ströbele.« Ströbele, so Merkel weiter, sei gleich zum Ältestenrat gerannt und hätte die Herausgabe der Bänder der Überwachungskameras verlangt: »Haben Sie den Dieb nicht gefilmt?« Keine Bänder, weil kein Geld, sei die Antwort dort gewesen. »Und da war der Herr Ströbele sehr, sehr traurig«, erzählte Merkel. Die Menge, mittlerweile prustend und johlend, bekommt die Moral von der Geschichte mit auf den Weg: »Wenn's um die eigenen Sachen geht, verstehen die Grünen, was wichtig ist.« Innere Sicherheit und Videoüberwachung nämlich. Ströbele dagegen behauptet, er wäre »mitnichten im Ältestenrat aufgekreuzt«. Er sei »in die Sicherheitszentrale gegangen«, ein Freund habe ihn »auf die Kameras aufmerksam gemacht«. Als man dort die Schultern zuckte, habe er kein weiteres Aufhebens gemacht und seinen Kumpels von den Berliner Fahrradkurieren Bilder seines »Kettler-Alurads« in die Hand gedrückt. »Zwei Tage später hab ich das Rad wiedergehabt. Ohne Videokamera und ohne Hubschrauber aus dem Innenministerium.«

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