Zur Ausgabe
Artikel 61 / 107
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

RUSSLAND Angriffe aus dem Hinterhof

aus DER SPIEGEL 52/2002

Moskau steht eine neue militärische Machtprobe bevor. Schon im nächsten Jahr, fürchten Terrorexperten, könnte der Tschetschenien-Krieg auf die größte russische Kaukasus-Republik Dagestan übergreifen. Vor allem um die Stadt Chassawjurt - wo bis zu den Deportationen durch Josef Stalin 1944 weitgehend Tschetschenen siedelten - organisieren Muslim-Extremisten streng konspirative Gruppen, die mit Terroranschlägen die Moskau-treue Regierung in Machatschkala herausfordern. Ihre Anführer sind Dagestaner, die in tschetschenischen Lagern zu Untergrundkämpfern ausgebildet wurden.

Idol der vorwiegend jungen Widerständler, die gegen das stark korruptionsverdächtige Regime rebellieren, ist der selbst ernannte Feldkommandeur Rappani Chalilow, 33. Russische Sicherheitsbehörden verdächtigen den Extremistenführer, eine Serie von Terrorakten organisiert zu haben, darunter einen verheerenden Bombenanschlag in der Hafenstadt Kaspiisk, bei dem 45 Menschen getötet und 170 zum Teil schwer verletzt wurden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden in den vergangenen Wochen zwar vier führende Mitglieder der Chalilow-Bande verhaftet. Dennoch steht Moskau den Angriffen aus seinem politischen Hinterhof eher ohnmächtig gegenüber. So wandte sich die dagestanische Filiale des Inlandsgeheimdienstes FSB kürzlich mit dem Eingeständnis an die Bevölkerung, die Sicherheitsorgane könnten »das Problem des Terrorismus nicht selbst lösen«. Die Behörde appellierte daher an die »Wachsamkeit der Dagestaner«, nun verstärkt auf Dachböden, in Kellern und verlassenen Wohnungen nach Verdächtigen zu suchen.

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 61 / 107
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.