Zur Ausgabe
Artikel 9 / 115

BUNDESWEHR Angst vor Drogenbaronen

aus DER SPIEGEL 4/2004

Die Bundesregierung will die Zahl der Soldaten in der afghanischen Region Kunduz deutlich aufstocken. Verteidigungsminister Peter Struck informierte das Kabinett darüber, dass statt bisher 171 alsbald 320 Mann in dem regionalen Aufbauteam PRT eingesetzt werden sollen. Die Verstärkung ist nötig, weil auch in den Hauptstädten der anderen zum deutschen Sektor gehörenden Provinzen »Außenstellen« (Struck) geplant sind. Die im Diplomatenjargon so genannten Satelliten sollen als Anlaufpunkte für Militärs und Entwicklungshelfer dienen. Zusätzliche Gefahr droht den Deutschen in Kunduz, weil britische Kameraden in der Region mit dem Krieg gegen Drogenanbau beginnen und Mohnfelder abflämmen. Struck betonte, die Bundeswehr sei nicht beteiligt, weil die Drogenbekämpfung ausdrücklich nicht zu ihrem Auftrag gehöre. Dennoch fürchtet das Kanzleramt, dass es zu Racheakten der Drogenbarone an Deutschen kommt: Es werde sich »nicht ausschließen lassen«, heißt es in einem Vermerk, dass in der Bevölkerung »unbewusst ein Zusammenhang deutscher Isaf-Kräfte« mit der britischen Brandrodung »wahrgenommen« werde. Mittlerweile hat sich Berlin offiziell bereit erklärt, im März eine dritte Petersberg-Konferenz über die Zukunft Afghanistans auszurichten. Einzige Voraussetzung, erklärte Uno-Botschafter Gunter Pleuger im Weltsicherheitsrat, sei eine Bitte der Vereinten Nationen und der Regierung in Kabul.

Zur Ausgabe
Artikel 9 / 115
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.