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Briefe

ANTON ZISCHKA
aus DER SPIEGEL 1/1952

ANTON ZISCHKA

(Nr. 47/51, Projekte)

Zu Ihren sehr interessanten Ausführungen über das Afrika-Projekt erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, daß der Schweizer Ing. Rösler vor Jahren schon ein über ganz Afrika ausgedehntes Projekt ausgearbeitet hat. Bemerkenswert ist daran, daß er die Absenkung des Mittelmeeres durch einen Staudamm bei Gibraltar ablehnt, da die in den durch die Absenkung freigewordenen Gebieten wohnenden Menschen der steten Gefahr eines Dammbruchs ausgesetzt wären, was angesichts der Überschwemmungskatastrophe in Italien ernsthaft in Betracht gezogen werden muß. Dagegen hat er eine Reihe weiterer neuer großer Seeanlagen auf Grund neuester topographischer Karten vorgesehen. Es ist dies im Westen Afrikas am oberen Niger ein Nigermeer, das bereits durch große Stauanlagen in Angriff genommen ist. Hier sollen gerade die ungeheuren Wassermassen der tropischen Regen dieser Gegend nutzbar gemacht werden, die jetzt im Niger unbenützt dem Meer zufließen. Dieses Nigermeer soll dann auch zwei kleinere Stauseen nördlich davon auffüllen mit einem Zugang an der Südseite des Atlas vorbei zum Mittelmeer. Im Osten Afrikas ist ein sogenanntes Nilmeer vorgesehen. Der Wasserüberschuß aus dem Nilmeer und dem Kongomeer soll dann dazu dienen, das Tsadmeer zu bilden.

Im Süden Afrikas ist in der Gegend der Stanley-Wasserfälle ebenfalls eine große Stauanlage vorgesehen, die vor allem auch dem Süden Afrikas zugute käme. Im oberen Kongo im Katangagebiet sind bereits kleinere Stauseen in Angriff genommen, auch bieten sich dort weitere Möglichkeiten für Stauseen, die schon in wenigen Jahren beträchtliche Energiemengen liefern könnten, die für die Arbeiten für das Kongomeer von größter Bedeutung sind.

Rösler stellt sich mit Recht auf den Standpunkt, daß die von ihm insgesamt vorgesehenen großen Binnenseen durch die ständige Verdunstung geeignet sind, nach und nach das Klima Innerafrikas in der Richtung umuwandeln, daß wieder regelmäßige Regenfälle eintreten, die bekanntlich zur Zeit sporadisch in der Wüste auftreten und dort einen prachtvollen, wenn auch nur kurze Zeit dauernden Vegetationsschmuck auslösen. Als Zeitpunkt, bis zu dem die gesamten Seeanlagen, vor allen Dingen auch das Tsadmeer, voll wirksam würden, hat er 50 Jahre angenommen.

München 2

Dr. J. Höfler

Diese Projekte sind, milde beurteilt, zumindest etwas verfrüht. Solange es der Technik nicht einmal gelingt, Flüsse, wie beispielsweise den Po einzudämmen und zu bändigen, sollte man nicht daran denken, einen Staudamm an der Meerenge von Gibraltar zu errichten.

München

Xaver Brandl

Atlantropa: Hier liegt unsere europäische Aufgabe! Arbeit für Jahrzehnte, ein Ventil für das übervölkerte Europa, wirtschaftliche Möglichkeiten bedeutenden Ausmaßes und - vor allen Dingen - die Herstellung einer sozial wie wirtschaftlich gesunden neutralisierenden Macht

zwischen West und Ost. Ich halte Atlantropa nicht für utopisch, sondern - auf weite Sicht gesehen - für die einzige Chance Europas. Atlantropa ist realisierbar.

Offenbach/M.

Ludwig Krumm

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