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NAHOST »Arafat hat versagt«

Hamas-Führer Osama Hamdan, 41, offizieller Vertreter der islamistischen Organisation im Libanon, über seinen Kampf gegen Israel und die Konkurrenz mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO)
aus DER SPIEGEL 18/2004

SPIEGEL: Als Vergeltung für zahlreiche Selbstmordattentate auf jüdische Bürger hat Israels Premier Ariel Scharon die Hamas-Führer im Gaza-Streifen, Ahmed Jassin und Abd al-Asis al-Rantissi, töten lassen. Wollen auch Sie lieber sterben, als dem Terror abzuschwören?

Hamdan: Seit letzten Dienstag steht mein Name auf der Liquidierungsliste - wie auch die Namen unserer anderen Führer. Aber für jeden getöteten Führer wachsen zehn neue nach.

SPIEGEL: Glauben Sie, der Rache Israels entkommen zu können?

Hamdan: Immerhin haben wir den uneingeschränkten Rückhalt der Bevölkerung zwischen Damaskus und Beirut - Israel wird uns niemals finden.

SPIEGEL: Wenn Sie Ihren Terror nicht einstellen, bringen Sie die Regierungen in Syrien und im Libanon in Bedrängnis.

Hamdan: Gerade Libanons Regierung ist mit unserer Präsenz einverstanden. Sie weiß, dass wir hier keine Kampfzentralen unterhalten.

SPIEGEL: Hamas-Mitbegründer Jassin schien kurz vor seinem Tod einsichtiger als Sie: Er wollte die Selbstmordattentate stoppen, falls Israel die Liquidierungen beendet.

Hamdan: Und dennoch hat Scharon Jassin töten lassen. Politische Absprachen mit Israel führen zu nichts.

SPIEGEL: Autonomiepräsident Jassir Arafat will an den Oslo-Friedensverträgen und der Road map festhalten.

Hamdan: Das ist vergeudete Zeit. Jeder Palästinenser weiß, dass Oslo tot ist. Wir haben jetzt nur eine Alternative: den Kampf gegen Israel mit allen Mitteln auszuweiten. Verhandlungen mit Scharon? Niemals.

SPIEGEL: Arafat will aber verhandeln.

Hamdan: Er hat sich verrannt. Arafat und seine PLO haben versagt. Wir werden eine neue Dachorganisation gründen, die wichtiger sein wird.

SPIEGEL: Können Sie sich den Tag vorstellen, an dem ein Staat Palästina Seite an Seite mit dem Staat Israel lebt?

Hamdan: Niemals.

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