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Architektur der Bühne

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aus DER SPIEGEL 2/1985

»Einstmals war das Bühnenbild Architektur. Wenig später wurde daraus imitierte Architektur, und schließlich imitierte künstliche Architektur. Dann verlor es den Kopf, wurde vollständig verrückt und befindet sich seitdem im Irrenhaus.« So beschrieb 1913 der englische Kulturkritiker Edward Gordon Craig, was er als Niedergang des Bühnenbildes empfand. Mit Entwicklung und Wandlung des Bühnenbildes während der letzten 550 Jahre befaßt sich das Berliner Architektur-Journal »Daidalos« in seiner jüngsten Ausgabe. Die Dokumentation reicht von den Bühnenbildern des Florentiners Filippo Brunelleschi (1377 bis 1446), der für seine Inszenierungen von Mysterienspielen erstmals eine gewaltige Maschinerie mit beweglichen Versatzstücken, Wolken, Licht- und Lauteffekten einsetzte, über die revolutionären Ausstattungen des Schweizers Adolphe Appia, der Ende des 19. Jahrhunderts mit dem damals vorherrschenden »Dekorativismus« Schluß machte und mit der modernen Beleuchtung durch stufenlos regelbare Projektoren das »lebendige, formschöpfende Licht für das Theater seiner Zeit« entdeckte, bis hin zu den realistischen, illusionslosen Bühnenbildern, die der Berliner Karl-Ernst Herrmann unter anderem für die Peter-Stein-Inszenierungen von Tschechows »Drei Schwestern« oder Genets »Die Neger« an der Berliner Schaubühne besorgt hat. Skizzen und Photos von Hans Dieter Schaals Bühnenarchitektur zur Berlioz-Oper »Die Trojaner« (Frankfurt 1983) und zu Alban Bergs »Wozzeck« (Ost-Berlin 1984) bilden den Abschluß des interessanten Hefts ("Daidalos - Berlin Architectural Journal«, Nr. 14; Preis: 36 Mark).

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