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Briefe

Asiatische »Monopolisten«
aus DER SPIEGEL 36/2007

Asiatische »Monopolisten«

Nr. 35/2007, Titel: Die gelben Spione - Wie China deutsche Technologie ausspäht

Bei allem Ärger über die Späher aus Fernost: Wenn es ein Staat schafft, Millionen Landsleute und somit potentielle Schnüffler nahezu unbemerkt in unserer Gesellschaft zu plazieren, muss man auch mal respektvoll und anerkennend »Chapeau!« sagen können.

KÖLN RALF MARTINS

Mein Mitleid mit deutschen Unternehmen hält sich in Grenzen! Schließlich gehen die meisten Unternehmen nach China, um von den günstigen Produktionsbedingungen, also von teilweise unmenschlichen Arbeitsbedingungen und Hungerlöhnen, zu profitieren. Glauben Sie denn ernsthaft, dass die Chinesen nicht auch nach Höherem streben? Wenn deutsche Unternehmen moralisch versagen, indem sie mit der Ausbeutung chinesischer Arbeitskräfte kalkulieren - oder diese zumindest hinnehmen -, um ihren Profit zu maximieren, wenn sie deutsches Arbeitsrecht umgehen, indem sie in China produzieren, dann können sie auch nicht erwarten, dass deutsches Recht sie nun schützt.

BERLIN KRISTIAN KETZER

Der Titel ist eindeutig rassistisch eingefärbt. Der Bericht spielt vorsätzlich mit den Ängsten, die viele Deutsche derzeit bewusst oder unterbewusst in sich tragen, eben wegen der Unsicherheit des Arbeitsplatzes, Altersarmut und so weiter. Er schürt die Angst und den Hass gegen ein Volk, welches die Deutschen sowieso wenig verstehen. Das ist mit die beste Voraussetzung, um ein Feindbild aufzubauen. Die Deutschen lassen sich als Söldner vor den China-Bashing-Zug spannen. Finden Sie sich damit ab, dass es sich bei China um eine Nation handelt, die dabei ist, ihren ureigenen Platz in der Geschichte wieder- zufinden. Dass Sie die unfaire Geschäftspraxis kritisieren, ist völlig in Ordnung, die Art und Weise ist es nicht.

HUANZHOU (CHINA) XU OUYANG

Die abendländische Zivilisation war schon mal von der »gelben Gefahr« bedroht: Japan stiehlt unser Know-how, deutsche Firmen sterben massenweise an der überlegenen Konkurrenz aus dem Land mit den bienenfleißigen Arbeitnehmern, billige japanische Produkte überschwemmen unseren Markt, während die japanischen Märkte durch Zollbestimmungen geschützt werden. Und was ist nach 30 Jahren daraus geworden? Der Kuchen ist größer, es gibt eine weitere Industrienation, aber die ganze Aufgeregtheit hat sich im Wesentlichen als gegenstandslos herausgestellt. Dasselbe Maß an Hysterie herrscht jetzt in Bezug auf China. Ja, es wächst ein weiterer Global Player heran, der eine gewaltige Wirtschaftskraft entwickelt. Na und? Mit diesem Titel wird nur die Aufmerksamkeit weg von den durch uns tatsächlich beeinflussbaren Problemen gelenkt und eine Haltung der Resignation herbeigeführt.

KARLSRUHE ERIC BRÜNNER

Müssen die Chinesen überhaupt spionieren? Das Know-how wird doch nicht nur bei Joint Ventures, sondern bei jedem Maschinenexport gratis und franko mitgeliefert. Und wenn noch was fehlt, schickt der Senior Experten Service (SES = Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit GmbH) ältere Ingenieure für lau nach China, damit wirklich nichts mehr hierbleibt. Der SES wollte mich 2005 nach China schicken. Das Projekt roch ganz deutlich nach Patentklau. Als ich das ansprach, wurde ich sofort aus der Liste der Experten gestrichen.

ALBSTADT (BAD.-WÜRTT.) PETER FACKELMANN

Jeder möchte etwas vom chinesischen Wirtschaftswachstums-Kuchen abbekommen. Aber nicht jeder bedenkt wohl, dass ein Stück dieses Kuchens wie Blei im Magen liegen und sogar zum Untergang führen kann. Das hat die Titelgeschichte sehr gut herausgestellt. In 20 Jahren habe sich das Problem erledigt, sagt der Verfassungsschützer Schmalzl im Interview. In der Zwischenzeit könnte man ja in Aktien von Unternehmen investieren, die nicht mit China »kooperieren« oder ausspioniert werden. Das müsste unter diesem Aspekt eigentlich erfolgversprechend sein - und wäre dazu ein Stück genießbarer Kuchen.

NEUBRANDENBURG ULRICH WOLFGANG HANKE

Was tun gegen die »gelben Spione«? Mehr Dialog auf politischer Ebene, aber auch mehr Kontakt in Universitäten und Firmen fördern, chinesischen Gastarbeitern und Studenten nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte, über Familienunterbringung und Tutorenbetreuung menschliche Beziehungen ausbauen.

MÜNCHEN DR. ANGELIKA KOLLER

Schon vor zwei Jahren habe ich die Angriffe auf meinen Rechner mit dem McAfee Security System zurückverfolgt. Mehr als 50 Prozent der Angriffe kamen aus dem Pekinger Raum. Da Internet-Aktivitäten in diesem Land sehr restriktiv behandelt werden, sind solche Hackerangriffe ohne Mitwissen oder sogar Förderung von höheren staatlichen Stellen kaum vorstellbar. Es hat viel zu lange gedauert, bis man hier die Wühlmäuse wahrgenommen hat.

SIEGBACH (HESSEN) WOLFGANG HADEL

Frau Merkel wird den Chinesen mit Sicherheit Nachhilfe darin geben, wie sich Geheimdienste zu verhalten haben. Schließlich hat sie ja auch Herrn Putin Nachhilfe darin gegeben, wie ein Staat das Demonstrationsrecht zu achten hat - das hat sie übrigens wenige Tage vor Heiligendamm getan. Wenn wir unsere Politiker nicht hätten, hätten wir nichts mehr zu lachen.

HORNBURG (NIEDERS.) WERNER KNURR

Der schleichende Wandel vom vielgescholtenen amerikanischen Monopolkapitalismus hin zum chinesischen Raubtierkapitalismus sozialdarwinistischer Prägung ist ein Angriff auf die moralischen und ökonomischen Errungenschaften der westlichen Hemisphäre. Die Kriegsstrategien Sun Tzus sind der deutschen Regierung offenkundig nicht gewärtig; anders ist die bemerkenswerte Naivität und Hilflosigkeit unerklärlich. Die deutsche Regierung verkennt kulturspezifische chinesische Mentalitätsunterschiede. Ohne konsequente Intervention wird einer der Grundpfeiler unseres wirtschaftlichen Wohlstands - unser geistiges Eigentum und dessen exklusive Kommerzialisierung - erodieren und im Zuge dessen die Zukunftsfähigkeit unserer Nation.

SINGAPUR DAVID BARTOLMAS

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