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NORDKOREA Asiatisches Tauwetter

aus DER SPIEGEL 50/1999

Völlig überraschend scheint sich das Klima zwischen den feindlichen Nachbarn Nordkorea und Japan deutlich zu entspannen. Mit diesem Eindruck kehrte jetzt eine hochrangige japanische Besuchergruppe aus Pjöngjang zurück. Die vom früheren sozialdemokratischen Premierminister Tomiichi Murayama geleitete Delegation wurde von Nordkoreas Steinzeit-Kommunisten überaus freundlich empfangen. Kim Yong Sun, ein hoher Funktionär des Regimes, äußerte nicht nur unerwartet Verständnis und Mitgefühl für japanische Sorgen um etliche Landsleute, die vor vielen Jahren in die Volksrepublik entführt worden sein sollen. Er bat auch um die Wiederaufnahme der Lebensmittelhilfe, die das Not leidende Regime jahrelang aus Japan erhalten hatte, ohne sich auch nur bedankt zu haben. Das gespannte Verhältnis des Inselstaats zur nördlichen Hälfte des geteilten Korea wurde - mitsamt der Hungerhilfe - vollends eingefroren, als die hoch gerüsteten Kommunisten 1998 eine Mittelstreckenrakete über Japan hinweg bis weit in den Pazifik fliegen ließen. Das neue asiatische Tauwetter, so hofft die Regierung in Tokio, könnte ihr bei den kommenden Wahlen weit mehr nützen als jeder andere außenpolitische Erfolg.

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