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IRAK-KRISE Asyl als letzte Chance

aus DER SPIEGEL 2/2003

Auf der Suche nach einer Alternative zum Irak-Krieg wird nun die arabische Welt aktiv. Ganz offiziell haben die islamischen Bruderstaaten des Paria-Regimes in Bagdad in Washington um Aufschub für eine letzte diplomatische Initiative gebeten, sollte Präsident George W. Bush den am 27. Januar fälligen Uno-Bericht über Rüstungskontrollen im Irak zum Anlass für ein militärisches Vorgehen nehmen. Schon vor zwei Monaten hatte die in Kairo beheimatete Arabische Liga der irakischen Führung nahe gelegt, ihren Präsidenten Saddam Hussein zum Rücktritt zu bewegen, falls auf diese Weise ein US-Angriff im letzten Augenblick verhindert werden könnte. Ein finaler diplomatischer Vorstoß soll nun dem bedrohten Diktator den Abgang schmackhaft machen, mit der Zusicherung von Straffreiheit und Asyl in einem aufnahmewilligen Land. In Frage kommen da nicht nur arabische Staaten wie Saudi-Arabien, Ägypten oder Algerien. Auch die Russische Föderation, wirtschaftlich, militärisch und politisch dem Saddam-Regime schon zu Sowjetzeiten eng verbunden, gilt als möglicher Zufluchtsort. Moskau kritisiert nicht nur seit Monaten die amerikanischen Pläne für einen gewaltsamen Regimewechsel in Bagdad, sondern lehnt auch die Überstellung von Saddam an ein internationales Gericht ab. Auf der anderen Seite ist Präsident Wladimir Putin am unbedingten Machterhalt Saddams nicht länger zwingend interessiert: Der hatte nämlich erst kürzlich einen gigantischen Ölvertrag im Wert von vier Milliarden Dollar mit der russischen Firma Lukoil gekündigt. Die Verärgerung an der Moskwa war so groß, dass sogar erwogen wurde, die guten Beziehungen zum irakischen Militär für einen Putsch zu nutzen. Damit hätte man nicht nur Washington den Anlass für den geplanten Angriff genommen. Zugleich käme Moskau so in die Lage, Einfluss auf die Bestellung eines Saddam-Nachfolgers zu nehmen.

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