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DEUTSCHLAND Atommüll: »Die Grenze ist erreicht«

Bestochene Kernkraft-Manager und geschmierte Kontrolleure haben für den größten Skandal in der Geschichte der deutschen Atomindustrie gesorgt. Ihre illegalen Schiebereien mit falsch deklariertem Atommüll zeigen: Selbst der hochgiftige Bombenstoff Plutonium, angeblich Milligramm für Milligramm scharf überwacht, kann der internationalen Kontrolle entzogen werden. Der Verlust an Vertrauen in die Sicherheit der Kerntechnologie, fürchten Beamte des Bonner Umweltministers Töpfer, ist »kaum abzuschätzen«. *
aus DER SPIEGEL 53/1987

In Washington traf CDU-Bundesumweltminister Klaus Töpfer nur auf freundliche Gesprächspartner. Der stellvertretende Energieminister William F. Martin lobte die deutschen Anstrengungen, mit dem Atommüll fertig zu werden. Und Lee Thomas, Chef der amerikanischen Umweltschutzbehörde, bewies sogar Detailkenntnis. In höchsten Tönen pries er die niedersächsische Erzgrube Konrad, die gerade als Endlager für schwach- und mittelaktiven Atomabfall hergerichtet wird.

Das transatlantische Lob versetzt den Minister, der deutsche Fortschritte bei der Entsorgung sonst eher skeptisch beurteilt, in Hochstimmung. »Auf diesem Feld sind die ja noch weniger weit als wir«, staunte er abends in der deutschen Botschaft und lud seine Gastgeber zum Lernen nach Deutschland ein.

Zurück in Bonn mußte Töpfer in der Weihnachtswoche als erstes begreifen, daß er beim Umgang mit Atommüll selbst noch nicht ausgelernt hat. Was sein Ministerium während der Amerikareise des Chefs nur mühsam über die tatsächlichen Entsorgungs-Methoden der deutschen Atomindustrie herausgefunden hatte, kommentierte der Minister als »ungeheuerliche Schlamperei«. Töpfer: »Die Grenze dessen ist erreicht, was man sich bieten lassen kann.«

Rechtzeitig zur Heimkehr des Ministers hatten die Chefs der Hanauer Atomfirma Transnuklear (TN), die 80 Prozent aller Transport strahlenden Gutes in der Bundesrepublik abwickelt, in dürren Worten »Unkorrektheiten bei der Entsorgung deutscher Kernkraftwerke« eingestanden. Reaktorbetreiber, die radioaktive Abfälle in Belgien behandeln ließen, hätten »nicht ihre eigenen, sondern belgische Abfälle« zur Zwischenlagerung zurückbekommen. Es handele sich, so die Offenbarung von TN, um etwa 350 Fässer.

Das karge Kommunique löste schlagartig eine Lawine von Ermittlungen aus. Experten der Landeskriminalämter, von Töpfer in Marsch gesetzt, inspizierten sämtliche Lager mit strahlendem Abfall, Staatsanwälte durchforsteten Transportlisten, Beamte des Bundesumweltministeriums düsten nach Belgien.

Aus den 350 vermeintlich vertauschten Fässern waren letzte Woche 1089 geworden, und Transnuklear mußte einräumen, es könnten »genausogut 1200 bis 1400 werden«. Scheibchenweise erschlossen sich dem Umweltministerium und der Hanauer Staatsanwaltschaft immer neue Einzelheiten, die sich zum größten Skandal in der Geschichte der deutschen Atomindustrie verdichteten.

Hinter den »Unkorrektheiten« beim Umgang mit »schwach- und mittelaktiven Abfällen« verbargen sich *___Hunderte von Transporten zwischen Deutschland und ____dem belgischen Atomforschungszentrum Mol (siehe Kasten ____Seite 20), deren Ladung stärker strahlte, als die ____Papiere aussagten - der Müll steht nun unbehandelt in ____Belgien; *___Hunderte von Gegentransporten in die Bundesrepublik, ____die angeblich behandelten deutschen Atommüll brachten, ____mit denen in Wirklichkeit aber die Belgier ihren Abfall ____loswurden; *___Schmiergelder über insgesamt 21 Millionen Mark, mit ____denen Transnuklear fast alle Beteiligten des illegalen ____Abfallkreislaufs bestochen hatte; *___eine noch unbekannte Menge der Strahlstoffe Plutonium ____und Kobalt, angeblich aus dem belgischen Reaktor BR-3, ____die jetzt, mit belgischem Abfall vermischt, als ____deutscher Müll in Deutschland lagert; *___eine Partie plutoniumversuchtes Material aus einem ____deutschen Reaktor, die von Transnuklear mit ____leichtaktivem Abfall vermischt und heimlich nach ____Belgien verschoben worden sein soll.

Der Ernstfall, der nach den Versicherungen der Internationale der Atomindustrie gar nicht eintreten kann, ist da: Sogar Plutonium, der Stoff, aus dem die Bombe ist, konnte von internationalen Geschäftsmachern der Kontrolle entzogen werden. Der beispiellose Umweltskandal hat das gesamte Entsorgungskonzept erst mal zunichte gemacht.

Ausgerechnet die Unternehmen, die sich verpflichtet hatten, gemeinsam mit der Regierung und in aller Sorgfalt dafür zu sorgen, daß der Atomabfall für mehr als 20000 Jahre der Biosphäre entzogen wird, machten mit dem gefährlichen Gut Schiebergeschäfte wie Schrotthändler in der Nachkriegszeit. Der Vertrauensverlust, meinen Beamte aus Töpfers Ministerium, sei »kaum abzuschätzen«.

Der ehemalige grüne Umweltminister Joschka Fischer aus Hessen forderte umgehend einen Untersuchungsausschuß. Die »kriminelle Dimension« der »Verfilzung« weise eindeutig »Parallelen zu dem Fall Barschel in Kiel« auf.

Nachdem Töpfer am Montag vor Weihnachten den Umweltausschuß des Bundestages über die »Unregelmäßigkeiten« informiert hatte, sprach der SPD-Abgeordnete Harald Schäfer von »Mafia-Methoden« bei Transnuklear. CDU-MdB Paul Laufs forderte »mehr Kontrollen« der Transporte, und auch der Freidemokrat Gerhart Baum, ehemals Bundesinnenminister, konzentrierte sich allein auf die Zustände bei Transnuklear: Erneute »Zuverlässigkeitsprüfungen des Personals« müßten her.

Die Prüfung der im Atomgesetz vorgeschriebenen besonderen »Zuverlässigkeit« der TN-Bediensteten hatte Töpfer längst angeordnet, zudem hatte er dem Unternehmen sofort sämtliche Transportgenehmigungen entzogen. Doch am Ende könnte sich der Kernkraftbefürworter Töpfer dazu gezwungen sehen, nicht nur Transnuklear von Amts wegen dichtzumachen. Denn die deutsch-belgische Atom-Connection, die strahlende Abfälle aus Deutschland heimlich auf belgischen Lagerplätzen verschwinden ließ, konnte nur funktionieren, weil die meisten deutschen Reaktorgesellschaften mitmischten.

Längst stellt sich Staatsanwälten in Belgien und Deutschland sowie einer eigens eingesetzten Untersuchungskommission _(Im August beim Besuch des ) _(Atom-Zwischenlagers Gorleben. )

des Brüsseler Energieministeriums die Entsorgung deutscher Kernkraftwerke von »leicht- und mittelaktiven Abfällen« als eine »Maschinerie zur permanenten Geldvermehrung« dar, so ein belgischer Ermittler. Und der Brüsseler Energie-Staatssekretär Firmin Aerts faßte die bisherigen Erkenntnisse zusammen: Die Umgehung sämtlicher Sicherheitsvorschriften sei »durch Schmiergelder erkauft«.

Nach eigenem Eingeständnis von Transnuklear sind in den vergangenen fünf Jahren allein bei diesem Unternehmen, das zu zwei Dritteln der Hanauer Kernkraft-Firma Nukem und zu einem Drittel der französischen Nukem-Tochter Transnucleaire gehört, rund 21 Millionen Mark auf Bestechungskonten geflossen und in der Atomindustrie verteilt worden - rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes. Der größte Teil der Geldes, 15 Millionen Mark, war durch Scheingeschäfte in Belgien gewaschen worden.

Dennoch verbuchte TN erkleckliche Gewinne. Das zeigt, welch exorbitant überhöhten Preise das Unternehmen für seine Dienstleistungen in Rechnung stellte. Ein Staatsanwalt in Hanau fragte sich schon lange, wieso die angeblich hart kalkulierende Atomindustrie »anstandslos bereit war, solche Mondpreise zu zahlen«.

Als der SPIEGEL im April erstmals über »Korruption im Kernkraftwerk« (18/1987) berichtete, beeilten sich Atomaufseher und Industrie mit der Versicherung, daß »Sicherheitsfragen nie tangiert waren«, so TN-Geschäftsführer Hans-Joachim Fischer. Der Manager, der bereits nach kurzer Amtszeit selber auf die ersten »Unregelmäßigkeiten« in den Kassen der Firma gestoßen war und die Staatsanwaltschaft informiert hatte,

wiegelte ab: Nur »falsch verstandenes Firmeninteresse« hatte Mitarbeiter bewogen, Personen bei unseren Kunden Sach- beziehungsweise Geldzuwendungen« anzubieten, um dem Unternehmen dauerhaft Aufträge zu sichern.

Auf der Suche nach dem Verbleib von zunächst sechs Millionen Mark Schmiergeldern - mehr war damals noch nicht bekannt - enthüllte sich den Strafverfolgern ein überraschendes Sittenbild der deutschen Atomindustrie: Mehr als hundert Mitarbeiter von Kraftwerksbetreibern hatten die Hand aufgehalten, sich mal mit neuen Autos beschenken, mal bei Bordellbesuchen freihalten lassen. TN lieferte aus einer schwarzen Kasse Küchen und Fernseher, gebündeltes Bares und auch schon mal die Querflöte für den Musikfreund.

Daß großes Geld mit dem - vergleichweise billigen - Transport von »leicht- und mittelaktiven Abfällen« verdient wurde, verblüffte die Ermittler. Denn von den gering verstrahlten Überbleibseln aus der Arbeit in Reaktorkernen - Handschuhe, Getränkedosen, Filter und leicht kontaminierte Flüssigkeiten - waren teure »Sicherheitsbelange nicht berührt«, wie TN zu Protokoll gab.

Noch unverständlicher erschien den Staatsanwälten im Frühjahr, daß der Kreis der Schmiergeldempfänger so groß war. Von den »Akquisitionserleichterungen«, wie die Bestechungsgelder TN-intern firmierten, hatten nicht nur jene Bediensteten profitiert, die in den Hauptverwaltungen der deutschen Stromkonzerne die Verträge und Preise mit Transnuklear aushandeln mußten. Auch die Strahlenschutz- und Sicherheitsbeauftragten vieler deutscher Kernkraftwerke standen auf der Schmiergeldliste von Transnuklear, obwohl sie keine Entscheidungsbefugnis über die Geschäfte mit den Entsorgern hatten.

TN versicherte, die Kontrolleure im Sicherheitsbereich der Reaktoren seien nur »aus Gründen der Klimapflege« (Fischer) bedacht worden. Dem Bonner Atomministerium des Christdemokraten Töpfer genügte diese Erklärung. Der Verdacht, daß Transnuklear gegen Geld und Geschenke die gefährlichen Transporte an allen Sicherheitskontrollen vorbeischmuggeln konnte, wurde zunächst nicht untersucht.

Die christdemokratischen Bonner Atomaufseher wollten sich nicht ihr Bild von der menschenfreundlichen Atomindustrie zerstören lassen, die ihre Gewinne verschenkt, wie es der entlassene TN-Manager Hans Holtz stets verbreitet hatte: »Wir machen keine Fernsehwerbung, wir schütten das Geld lieber direkt an unsere Kunden aus.«

Holtz nahm sich in der Woche vor Weihnachten in der Hanauer Justizvollzugsanstalt das Leben. Ihm war vorgeworfen worden, er habe aus dem Belgien-Geschäft der Transnuklear 15 Millionen der insgesamt 21 Millionen Mark Bestechungsgeld herausgewaschen.

Damit paßte den Strafverfolgern plötzlich ins Bild, warum auch Strahlenschützer in den Reaktoren am Geldsegen teilhatten: Die Kontrolleure mußten mit ihrer Unterschrift beglaubigen, daß der Inhalt der Abfall-Transporte nach und von Belgien mit den Ladepapieren übereinstimmte - was offenkundig oft nicht der Fall war.

Aber auch die deutschen Kernkraftwerksbetreiber, Arbeitgeber der Bestochenen, profitierten von den belgischen TN-Geschäften. Die nämlich ersparten den Atomunternehmen hohe Kosten für die Entsorgung.

Denn die Bundesrepublik verfügt noch immer nicht über Endlager für radioaktive Abfälle. Bis zu deren Inbetriebnahme, frühestens 1995, müssen die leicht verstrahlten Abfälle eingekapselt ("konditioniert") und in Zwischenlagern bei den Reaktorgesellschaften aufgehoben werden. Sind deren Lager voll, gehen die Fässer ins Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben - über die gewaltigen Kosten der sicheren Aufbewahrung von Atommüll will die Betreibergesellschaft, voll im Besitz der deutschen Elektrizitätswirtschaft, vorsichtshalber »nicht reden«.

Als das Lager Gorleben vor drei Jahren eröffnet wurde, rechneten die Betreiber

damit, daß schon in den ersten drei Monaten mehr als 3000 Fässer voll strahlenden Abfalls anrollen würden. Doch bis heute sind gerade 1586 Fässer in der riesigen Lagerhalle gestapelt.

Der wundersame Schwund ist mit eine Folge der TN-Geschäfte. Die Spediteure hatten Anfang der achtziger Jahre mit dem belgischen Atomforschungszentrum Mol einen Vertrag geschlossen. Der Kontrakt verpflichtete das belgische Staatsunternehmen, innerhalb von vier Jahren bis zu 6500 Kubikmeter leicht- und mittelaktive Abfälle aus deutschen Reaktoren zu konditionieren und zurückzuschicken.

Auf ein Fünftel des Volumens, so pries Transnuklear seine Möglichkeiten mit Mol, könne der deutsche Abfall in Belgien reduziert werden - durch Verbrennen, Verdampfen und Pressen der Abfälle.

Weil sie riesige Kostenersparnisse erhofften, prüften die deutschen Kernkraftunternehmen das Mol-Geschäft nicht weiter nach. Keine Gesellschaft wollte zur Kenntnis nehmen, daß die belgischen Anlagen, die allesamt aus den frühen sechziger Jahren stammen, selbst nach Darstellung der amtlichen Belgischen Atomenergiekommission »völlig veraltet« sind.

Transport auf Transport rollte aus deutschen Reaktoren nach Belgien, der Abfallkreislauf war bestens geschmiert: Strahlenschutzbeauftragte, von TN bestochen, fertigten die Fuhren großzügig ab. Ebenso großzügig wurden die Stoffe von der Abfallabteilung des staatlichen Atomforschungszentrums in Mol angenommen, die mit den Strahlenabfällen in Wahrheit gar nichts anzufangen wußte - auch deren Chefs waren von TN geschmiert, abwechselnd mit Autos und Bargeld. Die Bestochenen, der Abteilungsleiter und sein Vertreter, wurden im Herbst entlassen.

Auch der größte Teil des Schmiergeldes kam über Belgien in die schwarzen Kassen von Transnuklear. Absender war die Firma Smet-Jet, ein TN-Tochterunternehmen, das die deutschen Abfälle in Mol sortierte. Hanauer Staatsanwälte fanden heraus, daß Smet-Jet lediglich Leistungen von »allenfalls acht Millionen Mark« erbracht, der Muttergesellschaft aber »circa 24 Millionen Mark« in Rechnung gestellt hatte. Die zahlte anstandslos, erhielt aber im »Kick-back«, so ein Ermittler, das zu viel Gezahlte zurück.

»Alle deutschen Abfälle«, meint Hermann Spriet, neuer Abfallchef in Mol, »hatten eine zu hohe Strahlung«, konnten vielfach in Belgien nicht konditioniert werden. Tatsächlich nutzten deutsche Atomtechniker offenbar die Belgien-Connection, um schwer zu beseitigende Abfälle elegant loszuwerden.

So räumte Sönke Abrecht, Technischer Leiter des Kernkraftwerks Würgassen, vergangene Woche ein, aus seinem Reaktor sei »Coreschrott«, also »hochradioaktive Teile« aus dem Reaktorkern, »nach Mol gelangt«. Der Techniker gab dabei unumwunden zu, mit dem Kernforschungszentrum Mol, das die heiße Fracht entsorgen sollte, habe aus Würgassen »niemand Kontakt gehabt«, einzig »Transnuklear war unser Ansprechpartner«.

Derlei Praktiken geben neue Hinweise auf die mögliche Herkunft des Plutoniums, das derzeit, aus Belgien kommend, in den Zwischenlagern deutscher Kernkraftwerke ruht. Bislang vermutet die belgische Regierung noch, wie sie Umweltminister Töpfer übermittelte, es handele sich dabei um »Abfälle aus einer im Jahre 1977 durchgeführten Dekontamination des Primärkreislaufs« beim belgischen Reaktor BR-3, neben dem Kernforschungszentrum Mol gelegen.

Doch seit vergangener Woche spricht viel dafür, daß die deutsche Atomindustrie selber das Plutonium in den Abfall gemischt hat. Den ersten Hinweis gab, ohne Not, TN-Geschäftsführer Günther Lurf in einem Interview.

Allen Sicherheitsexperten sträubten sich die Haare, als sie von Lurf hörten, es können »natürlich vorkommen«, daß Plutonium-Mengen ("Alpha-Abfälle") in den leichtaktiven Müll gelangen, und zwar, »wenn Brennelementschäden im Reator aufgetreten sind«.

Derartige Verniedlichung ließ einen ehemaligen TN-Mitarbeiter nicht mehr ruhen. Exakt einen solchen Fall, in dem TN stark plutoniumverseuchte Reste aus einem Brennstabschaden ("alpha-kontaminiertes Material") verschoben hatte, konnte der Mitarbeiter bezeugen.

Ein Frankfurter Anwalt, der sich zuvor von der Identität und der Sachkunde des TN-Mitarbeiters überzeugt hatte, gab in dessen Namen eine folgenschwere Erklärung ab: _____« Ich habe 1984 im Nuklearpark Hanau gearbeitet. Damals » _____« war ich Zeuge einer Besprechung in der Abteilung » _____« Radioaktive Abfälle der Firma Transnuklear. » _____« Dort wurde über die Beseitigung von » _____« Alphakontaminiertem Material aus einem deutschen » _____« Kernkraftwerk gesprochen, ohne hierzu die erforderliche » _____« behördliche Genehmigung einzuholen. Am Ende der » _____« Besprechung wurde der Vorschlag gutgeheißen, dieses » _____« Material einfach wie herkömmliche Mischabfälle zu » _____« deklarieren und dann mit den üblichen Transporten in die » _____« belgische Verbrennungsanlage nach Mol zu schicken. » _____« Mir ist bekannt, daß hierzu anschließend eine » _____« entsprechende Absprache zwischen Herrn Bretag von » _____« Transnuklear mit dem Leiter der Verbrennungsanlage in Mol » _____« getroffen wurde. Auf dem Dienstweg wurde mir ferner » _____« bekannt, daß die Transporte wie vorgeschlagen in der » _____« falsch deklarierten Form abgewickelt wurden. Dabei » _____« entsprachen die Begleitpapiere nicht dem wahren » _____« Tatbestand, denn in ihnen fehlte jeder Hinweis auf die » _____« Kontamination. »

Auf dem Lagerplatz von Mol stapeln sich noch heute 180 Container mit Strahlabfall aus Deutschland, der in Belgien »gar nicht behandelt werden konnte« (Spriet). Zurückgesandt erhielten die deutschen Kraftwerke statt dessen, mit falscher Deklaration, zumeist weniger strahlenden Müll aus Belgien.

Eine überraschende Erklärung dafür, warum die deutschen Atomexperten mit Strahlenmessungen nicht sofort auf den Schwindel stießen, fand die Untersuchungskommission des Brüsseler Energieministeriums. War die Gesamtstrahlung des belgischen Mülls, der in die Bundesrepublik gehen sollte, niedriger

als die der vorangegangenen deutschen Lieferung, wurden die Fässer so lange in den benachbarten Atomreaktor BR-3 geschoben, bis die Werte übereinstimmten. »Bei dieser Geschichte«, meint Kabinettchef Jef van Wildemeersch vom Energieministerium, sei eben »alles möglich«.

Aber der neue Mol-Manager Spriet mag die Kollegen in der Bundesrepublik nicht ohne weiteres aus der Verantwortung entlassen: »Die deutschen Kernkraftwerke hätten auf die Reste gar nicht reinfallen dürfen, wenn sie ordentlich gearbeitet hätten.« Die Lieferungen aus Belgien, so Spriet, hätten eine »ganz anderen Nuklid-Zusammensetzung« gehabt als die »vergifteten Geschenke« (Energieministerium) aus Deutschland.

Der ursprüngliche Plan der Bonner Atomaufseher, zumindest die mit Plutonium verseuchten Fässer einfach noch Mol zurückzuschicken und damit das Problem vom Hals zu kriegen, taugt aus zwei Gründen nicht.

Zum einen ist der Inhalt etlicher Fässer mit radioaktiven Abfällen nach Erkenntnissen der Hanauer Staatsanwaltschaft »unzureichend konditioniert« worden. »Indem lediglich Zementpulver auf die Oberfläche gestreut wurde«, ermittelten die Strafverfolger, »blieben Feuchtigkeitsreste in den Behältnissen«, die Gase entwickeln. Fässer blähen sich zum Teil auf, drohen zu explodieren. Ein Arbeiter in Mol wurde beim Aufschleifen einer solchen Tonne bereits schwer verletzt.

Zum anderen gibt es, zumindest für die plutoniumverseuchten Fässer, keinen Spediteur in Deutschland. Der einzige, der den Bombenstoff transportieren darf, ist die Firma Transnuklear - und die hat derzeit keine Genehmigung.

Lange wird Atomminister Töpfer den Transportstopp nicht durchhalten können. Beinahe täglich kommen an den Grenzen vertraglich vereinbarte Plutonium-Lieferungen an, die niemand abnehmen kann.

Das Problem ist dem Bund nicht ganz neu. Vor neun Jahren stauten sich einmal in Frankreich 600 Kilogramm Plutonium, das die Bundesrepublik vertraglich abnehmen mußte, aber mangels geeigneter Lager nicht ins Land holen konnte.

Das Bonner Innenministerium, seinerzeit noch für die Atomaufsicht zuständig, und die Hanauer Nuklearbetriebe einigten sich damals darauf, den gefährlichen Stoff heimlich in einem Nachbarland zu deponieren, ohne dessen Regierung zu informieren. Der Gefahr »diplomatischer Verwicklungen«, so steht es in einem Besprechungsprotokoll vom Oktober 1978, waren sich Atomaufseher und -manager dabei bewußt.

Den heimlichen Transport des Plutoniums ins ungenehmigte Zwischenlager besorgte damals die Firma Transnuklear. Die hintergangene Regierung war die des Königreichs Belgien.

Im August beim Besuch des Atom-Zwischenlagers Gorleben.

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