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ISRAEL Atomrüstung mit deutscher Hilfe

aus DER SPIEGEL 44/2000

Mit massiver finanzieller und technischer Unterstützung aus Deutschland arbeitet Israel offensichtlich am Aufbau einer Fähigkeit zum nuklearen Zweitschlag. Das im Zuge der jüngsten Nahost-Krise noch vor Abschluss der Crew-Trainings aus Deutschland nach Israel heimbefohlene U-Boot »Tekuma« - deutsch: Wiederauferstehung - soll nach Erkenntnissen aus dem Umfeld der deutschen Hersteller für den Atomwaffeneinsatz gegen Landziele umgerüstet werden. Damit wäre Jerusalem in der Lage, auch dann noch mit nuklearer Vernichtung zu antworten, wenn seine landgestützte Atomstreitmacht von Kurz- und Mittelstreckenraketen sowie Atombombern einem Überraschungsangriff zum Opfer fallen würde.

Bundeskanzler Helmut Kohl hatte im Golfkrieg 1991 dem Judenstaat Hilfe zugesagt. Ergebnis: der Vertrag über die Lieferung von drei Booten der »Dolphin«-Klasse. Die für je 300 Millionen Dollar auf der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft gebauten und von den Thyssen Nordseewerken ausgerüsteten Diesel-U-Boote wurden von Deutschland und Israel gemeinsam finanziert. Die Tauchboote, die länger als vier Wochen und weiter als 15 000 Kilometer fahren können, werden mit zehn Torpedos und »Harpoon«-Marschflugkörpern bestückt. Diese rund 130 Kilometer weit reichenden Anti-Schiffsflugkörper will die israelische Marine offenbar mit Atomsprengköpfen versehen und zum Einsatz gegen Landziele umrüsten.

Außerdem hat Israel bereits im Januar die USA um Lieferung von 50 »Tomahawk« Cruise Missiles gebeten. Washington lehnte den Wunsch nach dieser immerhin bis zu 2500 Kilometer weit reichenden Waffe im März vorerst ab. Jerusalem arbeitet jedoch längst an Marschflugkörpern aus heimischer Produktion - so wohl auch an einer für den Unterwasserstart abgewandelten Popeye-Cruise-Missile (Reichweite rund 350 Kilometer) der israelischen Rafael-Rüstungswerke. Die Waffe soll 2002 in Dienst gestellt werden und könnte dann an Bord der deutschen Delfine das strategische Gleichgewicht im Nahen Osten weiter zu Gunsten Israels verschieben. Eine parlamentarische Anfrage, ob eine Umrüstung für den Nukleareinsatz Grund sei für den Einbau übergroßer 650-Millimeter-Torpedorohre statt der üblichen 533 Millimeter, hatte das deutsche Verteidigungsministerium nur sybillinisch beantwortet: »Die Bundesregierung kann letztlich keine Bestückung ausschließen.«

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