Zur Ausgabe
Artikel 29 / 48

Briefe

AUF GLATTEM EIS
aus DER SPIEGEL 11/1960

AUF GLATTEM EIS

Auch Sie haben leider nicht den Mut, Franz Ningel auf den ersten Platz, also auf die Titelseite zu setzen. Der Kilius-Bäumler-Artikel singt das berechtigte Loblied auf Franz Ningel und treibt Geschichtsforschung im Eiskunstlauf. Nur weil Ihnen Ningel als Titelbild nicht zugkräftig genug erschien, mußten die Eislauf-Mannequins Kilius/ Bäumler herhalten. Damit begaben Sie sich auf das Niveau der Garmischer Preisrichter.

Dillenburg (Hessen) W. EULER-SCHMIDT

Sowohl Marika Kilius als auch Franz Ningel gehören von Anbeginn ihrer sportlichen Laufbahn dem Frankfurter Roll- und Eissport-Club e. V. in Treue, Zuverlässigkeit und Kameradschaft an. Diese Treue zu halten war nicht immer einfach. Als langjähriger erster Vorsitzender dieses Clubs glaube ich, ein gerechtes Urteil über die jungen Aktiven fällen zu können: Franz Ningel ist mit seinen 23 Jahren sehr ruhig, nahezu verschlossen, strebsam im Beruf wie im Sport, überdurchschnittlich gutmütig und mit vielen Hemmungen behaftet; zweifelsohne ist er im Paarlauf ein »Kopf«, der sich durch künstlerische Begabung und Eigenwilligkeit auszeichnet. Seine Küren werden sowohl musikalisch als auch läuferisch von ihm selbst entwickelt. Marika Kilius, 17 Jahre, ist ein Teenager im guten Sinne dieses Begriffes. Sie ist lebhaft, unbeschwert, grundsätzlich Optimistin, ein rechter Widdertyp und bislang durchaus natürlich geblieben. Noch immer freut sie sich

wie ein Kind über einen gelungenen Bubenstreich bei Schullehrer oder Trainer.

Eine Diskrepanz zwischen diesen beiden jungen Menschen tritt nur dann auf, wenn sie von dritter Seite hervorgerufen wird. Auch bei den Garmischer Europameisterschaften der Skandale als solche dürften sie in die Geschichte des Sports eingehen - war es ein gewisser Kreis von Leuten, wie er sich stets mit mehr, meistens aber mit weniger Berechtigung um die junge Läuferin schart, der wesentlichen. Anteil an der Vergiftung der Atmosphäre trug. - Übrigens ist Frau Kilius nicht auf Kosten des DEV nach Squaw Valley gereist. Der DEV stellte nämlich für die weiblichen Jugendlichen keine Begleitpersonen gleichen Geschlechts zur Verfügung. Und wer hätte wohl eine so springlebendige, kaum 17jährige Tochter wie Marika für einen Monat ohne entsprechende Aufsicht nach Übersee geschickt?

Frankfurt HERBERT ECKARDT

Ihre Eislaufgeschichte - ein Musterbeispiel dafür, wie man ein diffiziles Thema anschaulich darstellen kann. Nur eines hat mich gestört: Sie bringen einen hervorragenden Aufsatz von Dr. Freimut Stein, dem, wie es bei Ihnen schlicht heißt, »Preisrichter«. Ja, meine Herren, war Ihnen denn nicht bekannt, daß Stein einer der erfolgreichsten

deutschen Eiskunstläufer gewesen ist? Dreimal errang er die deutsche Eislaufmeisterschaft, und auch auf Rollschuhen erwies er sich als Meister: zwei Welt - und zwei Europameisterschaften. Das hätten Sie Ihren Lesern nicht verschweigen sollen, denn vielleicht wurde ja der Eisprofessor, wie man Stein in München nennt, nur deswegen - guter - Preisrichter, weil er sich wegen der zweifelhaften Bewertungen als Läufer keine Chancen mehr ausrechnete.

München MALTE REBSAHM

Grausam Ihre Behauptung, Hans-Jürgen Bäumler habe sich vor seinem Zusammengehen mit Marika Kilius als Clown betätigt. Bäumler war der beste und jederzeit auch am höchsten eingestufte Kürläufer der Bundesrepublik, der lediglich in der Pflicht an Gutzeit und Schnelldorfer scheiterte. Ich dachte bisher, der SPIEGEL würde sein Material sorgfältiger testen.

Frankfurt WILLY HOHMANN

Sie schließen Ihre Eislaufstory mit einem Zitat aus der Stuttgarter »Sport Illustrierten«. Die Prognose dieses Blattes - Sieg der Kanadier Wagner/ Paul - war bekanntlich richtig, nicht aber der Unterton: Wagner/Paul liefen in Squaw Valley die mit Abstand beste Kür, so daß von einer Gleichwertigkeit unseres Meisterpaares Kilius/Bäumler diesmal wirklich keine Rede sein konnte. Von Ningel/Göbl ganz zu schweigen.

Hamburg 22 ALFRED LANGER

Stein

Zur Ausgabe
Artikel 29 / 48
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.