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Briefe

Auf ins nächste Desaster!
aus DER SPIEGEL 43/2009

Auf ins nächste Desaster!

Nr. 41/2009, Finanzkrise: SPIEGEL-Gespräch mit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann über neue Regeln für seine Branche, Schuld und Selbstzweifel

Traurig, dass Herr Ackermann noch immer keine Selbstzweifel hegt. Leichtsinn wird man den Bankern also nicht austreiben. Es muss dafür gesorgt werden, dass keine Bank mehr durch ihren Zusammenbruch künftig die gesamte Marktwirtschaft ins Wanken bringt. Hierhin führt nur eine Größenbegrenzung der Banken. Das widerspricht aber wiederum dem riesen Ego der Großbanker à la Ackermann. Also auf ins nächste Desaster!

HIRSCHBERG A. D. BERGSTR. PETER GÖHRIG

Kann oder möchte dieser Protagonist der irrationalen Profitmaximierung nicht begreifen, was diese Welt ruiniert? Verfügt er über einen letzten Hauch von Moral? Übernimmt er auch Verantwortung für sein Handeln? Alle diese Fragen können mit Nein beantwortet werden.

BERLIN CHRISTIAN KEPPLINGER

Ackermanns Beharren auf klarer Regelsetzung durch den Staat kann gar nicht oft genug wiederholt werden, denn zu Recht weist er darauf hin, dass Leute, die im marktwirtschaftlichen Wettbewerb stehen, nicht durch moralische Appelle lenkbar sind. (Regulierte) Gier ist gut, denn ohne diesen Antrieb wäre Deutschland am Boden und nicht da, wo 60 Jahre Pioniergeist es hingebracht hat.

FRANKFURT AM MAIN MARTIN KRIEGER

Auf die Frage nach Begrenzungen der Boni kommen von Ackermann eher lehrbuchartige Allgemeinplätze wie der Hinweis, Bezüge wie Preise in der Marktwirtschaft nicht zu regulieren, um ihre Lenkungsfunktion zu gewährleisten. Waren nicht gerade die exzessiven Boni (gigantische Vergütung bei Nullhaftung) eine mitentscheidende Triebfeder für das Finanzdesaster?

HILDEN (NRDRH.-WESTF.) KLAUS KÖSTER

Ich stimme Herrn Dr. Ackermann zu, dass Anreizsysteme benötigt werden, weil kein vernünftiger Mensch erwarten kann, dass Banker für ein reguläres Gehalt den Finger krumm machen oder den Grips anstrengen. Sie sind schließlich keine Lehrer oder Facharbeiter. Zur Verstärkung des Stimulus sollten Boni allerdings ausschließlich in Form von »faulen« Wertpapieren gezahlt werden. Geschickte Banker können sicher sehr bald den Wert dieser Papiere steigern, sobald sie diese im eigenen Depot haben. Damit wäre die Finanzkrise einstweilen behoben.

MARBURG (HESSEN) WERNER SLENCZKA

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