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SEEBÄDER-DIENST Auf sieben Meeren

aus DER SPIEGEL 10/1964

Nur zwei Sommer lang fuhr das Seebäderschiff »Wappen von Hamburg« im Helgoland-Dienst der Hamburger Hafen-Dampfschiffahrt AG (Hadag). Es ist noch immer das modernste Schiff seiner Art. Dennoch wurde es jetzt ins Ausland verkauft.

Der Handel endete für die stadtstaateigene Hadag, die nach dem Krieg den früher von der Hamburg-Amerika -Linie betriebenen Nordseebäder-Dienst wiederaufgenommen hat, mit Gewinn: Die zwei Jahre alte »Wappen von Hamburg« wurde für zwölf Millionen Mark gebaut und nun für 10,5 Millionen verkauft. Buchmäßiger Profit: eine Million Mark.

Zum drittenmal ist es Hadag-Alleinvorstand Arend Wulff damit gelungen, eine repräsentative Einheit seiner Flotte so günstig loszuschlagen, daß er mit dem Erlös ein noch komfortableres, schnelleres und größeres Schiff finanzieren kann.

Die erste »Wappen von Hamburg« war bei der Hamburger Werft Blohm & Voß in Auftrag gegeben worden. Sie wurde 1955 in Dienst gestellt und kostete 5,8 Millionen. 1960 verkaufte Hadag -Chef Wulff sie an den griechischen Reeder Nomikos, Piräus, für 4,36 Millionen. Buchmäßiger Gewinn: eine Million Mark.

Das auf der Hamburger Norderwerft gebaute »Wappen«-Schwesterschiff »Bunte Kuh« kostete die Hadag 8,5 Millionen Mark. Es wurde 1957 übernommen und vier Jahre später, 1961, für fast sechs Millionen an die griechische Sun-Linie abgegeben. Die Hadag verdiente an dem Handel 500 000 Mark.

Wulff ließ Ersatz-Schiffe bauen, die »qualitative Spitzenklasse« darstellten: Die zweite, jetzt nach Schweden verkaufte »Wappen von Hamburg« ist für die Fahrt »auf allen sieben Weltmeeren« zugelassen. Sie hat ausfahrbare Stabilisatoren, die das Schlingern dämpfen sollen, 50 klimatisierte Doppelkabinen und ein Bugstrahlruder, das ihr außergewöhnliche Manövrierfähigkeit verleiht. Das 1962 in Dienst genommene Schiff hat 3820 BRT, fährt 21 Seemeilen und faßt 1800 Tagesgäste. Werft: Blohm & Voß.

Der »Bunte Kuh«-Ersatz »Helgoland« (Howaldtswerke Hamburg), Baujahr 1963, ist kleiner (3000 BRT, 19,5 Seemeilen, 1500 Gäste) und billiger (10,4 Millionen Mark) als die zweite »Wappen von Hamburg«. Doch Hadag-Wulff hält das Schiff für »das Modernste, was wir anzubieten haben«.

Um den Ankauf der zweiten »Wappen von Hamburg« hatten sich insgesamt sechs ausländische Reeder beworben. Der schwedische Reeder Sten A. Olsson, der das Schiff bereits für diesen Winter gechartert hat, erhielt den Zuschlag.

Hadag-Chef Wulff hat schon einen Neubau in Auftrag gegeben, der zum Saisonbeginn 1965 in Dienst gestellt werden soll. Es wird das dritte Hadag -Schiff sein, das den Namen »Wappen von Hamburg« trägt.

Wulff: 'Jeder Fahrgast findet es schön mit dem neuesten und größten Schiff zu fahren.«

Das Interesse an Wulffs weißen Wunderschiffen ist durch den »Wappen« -Handel womöglich noch größer geworden. Verrät der Hadag-Direktor: »Wir haben auch für die 'Helgoland' schon eine Kaufanfrage.«

Verkaufte »Wappen von Hamburg": Mit drei gebrauchten Schiffen zweieinhalb Millionen Mark verdient

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