Zur Ausgabe
Artikel 50 / 80
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Aufbruch zur letzten Grenze

SPIEGEL-Redakteurin Ariane Barth über den Wilden Westen am Amazonas (II) *
aus DER SPIEGEL 41/1983

Auf einem Floß, die Baumstämme fest mit Lianen verbunden, überdacht von Palmblättern, kam er mit Frau und zwei Kindern den Fluß herab. Fünf Tage war er unterwegs, die härtesten Tage seines Lebens, denn die Strömung trug schnell, und er brauchte all seine Kraft, mit dem Ruder dagegenzuhalten, damit die Reise nicht irgendwo auf einer der Sandbänke oder der schwimmenden Inseln endete.

Wie betäubt sahen seine Kinder zum erstenmal elektrisches Licht erglühen, er hatte sein Ziel erreicht: Iquitos, die Großstadt, deren einstige Pracht aus der Zeit der Kautschuk-Barone von den letzten Kolonialfassaden bricht, während eine hohe Betonruine in der feuchten Schwüle vergraut und niemals die vorgesehene Sozialbehörde werden wird.

Iquitos, das für mich »Fitzcarraldos«-Kulissenstadt ist: Sein Schiff »Molly Aida« dümpelt, am Ufer festgemacht, vor sich hin, sein Kapitän »Orinoco-Paul«, Wirt im Restaurant »Tropical«, tischt köstlichen Fisch, im Hause seiner Mätresse Molly residiert das US-Holz-Handelsunternehmen Imdelsa, dessen Beauftragter in breitem Amerikanisch erklärt, er wisse wohl, daß die Gebühren zur Wiederaufforstung, die er an den peruanischen Staat abführt, wer weiß wem, nur nicht dem Urwald zugute kämen.

Aus der verkommenen, doch irgendwie charmanten Stadt am Amazonas, wie des Prestige wegens einer der Zuflüsse zum Urstrom genannt wurde, flüchten US-Pauschalreisende schnell per Schiff zur »Jungle-bound-tour« in eine der komfortablen Lodges, wo zu ihrer Unterhaltung Yagua-Indianer im Bastrock gleich Zootieren gehalten werden. Reisende Süchtige allerdings bleiben.

Während sich in Iquitos ein Neureichtum von Kokain bildet, wächst unten am Fluß im Unrat, den steigende und wieder fallende Fluten hinterlassen, der Pfuhl der Armen, wächst auf Pfählen in die braune Brühe hinaus, worin sich Kinder baden und Frauen Wäsche waschen, dampfende Kloake, aus der das Wasser zum Trinken und der Fisch für die tägliche Nahrung kommt. Und trotzdem bricht quirlige Lebenslust immer wieder durch.

Hier unten am Amazonas hat der Flößer festgemacht, denn auf dem Markt von Iquitos kann er als Träger von Bananenstauden um die 7000 Soles am Tag verdienen, etwa 10 Mark, und das ist für ihn soviel Geld, wie seinesgleichen auf der Chacra, der kleinen Pflanzung im Urwald, niemals zu erwirtschaften vermag.

Walter heißt er, mit Nachnamen Tamani, stammt her aus dem Gemisch von Weißen und Indianern, das an den Flußufern Amazoniens in viel hundertjähriger Abgeschiedenheit entstand. Man fischt vom Einbaum aus, man nährt sich von Mais und Reis, Yukka und Bananen, bekommt manchmal durch Arbeit für ein Holzfällerunternehmen ein bißchen Geld auf die Hand: So wollte einer, der stark und jung war wie Tamani, nicht länger leben. Oft habe er, wie er erzählt, gesät, aber nicht geerntet, weil die Überschwemmung alles forttrug. Wurde er aber in einem guten Jahr von Überschuß beschert, konnte er seine Ernte nicht zum Markt bringen, die Entfernungen waren zu groß, der Fahrpreis in einem der Flußboote zu hoch.

So kommt es, daß das alte Amazonien Iquitos kaum zu ernähren vermag, und käme nicht die Hercules jeden Tag aus der Hauptstadt Lima vollbeladen mit Lebensmitteln und schleppte nicht im Linienverkehr beinahe jeder Passagier Bündel von Obst und Gemüse ein, in der Stadt ohne Straßenverbindung ins übrige Peru würde Hungersnot ausbrechen.

So kommt es auch, daß die Städte des alten Amazoniens einen Sog auf die Menschen ausüben, die irgendwo im Urwald in einer Hütte geboren wurden. Hütten derselben Art wachsen überall am Rande der Zivilisation zusammen zu Labyrinthen voller Unheil, voller Krankheit und Kriminalität, doch auch voller Hoffnung, voller Überschwang, und das Elend will so dringend und findet so schwer hinaus aus den glaslosen Fensterlöchern, durch die schwaches Licht auf ein Gedränge menschlicher Existenz in Freud und Leid fällt.

Verrückte Welt, zugleich zieht der Dschungel Ströme von Menschen an. Sie kommen von der Sierra herab und aus den südamerikanischen Dürregebieten, aus den Favelas der Küstenstädte und den mechanisierten Agrargebieten der

Großgrundbesitzer. Die Ströme der Armut kreuzen sich mit den Strömen des Kapitals, und in den Feuern der heftigsten Kolonisation, die je über Amazonien herfiel, vergeht der Regenwald Stück um Stück.

Wo die Natur längst schon gezügelt wurde und die Tannen im sauren Regen der Hochindustrialisierung stehen, ist man höchst alarmiert von dem Geschehen in dem noch immer größten Regenwald der Erde. US-Wissenschaftler warnten, daß sich die »grüne Hölle zur roten Wüste« verwandeln könnte. Aus dem World Wildlife Fund wie aus dem botanischen Garten New Yorks wurde aufgerufen zur Rettung des Schatzes an Arten, den man genau noch nicht kennt, sondern nur vage schätzen kann: bei den Pflanzen auf über hunderttausend, bei den Vögeln auf über dreitausend, bei den Fischen auf über zweitausend, bei den Säugern auf über sechshundert und bei den Gliedertieren nach neuesten Hochrechnungen auf über dreißig Millionen.

Der Welt diesen einzigartigen Gen-Pool zu erhalten und damit auch »all diese Schönheit«, darum hat sich in Plön der inzwischen emeritierte Professor Harald Sioli, langjähriger Leiter der Tropenökologie am Max-Planck-Institut, ganz besonders bemüht. Der »Conquista da ultima fronteira«, der Eroberung der letzten Grenze, hielt er entgegen, Amazonien könne agronomische Gier nicht verkraften, sondern nur das sanfte System der Nutzung, wie es Indianer seit erdenklicher Zeit betrieben und Alteingesessene von ihnen übernommen haben.

Sioli im Sinn, stolpere ich über die Felder der Yagua, die an den Ufern des kleinen Flüßchens Mazan, abseits vom touristischen Schaugeschäft siedeln, und würde mich über das Chaos wundern, wenn ich nicht über seine ökologische Bedeutung wissenschaftliche Abhandlungen gelesen hätte.

Die Indianer haben auf ihrer jüngsten Rodung Bäume und Blätter zur Bedeckung des Bodens liegenlassen, aber in das Gewirr Yams, süße Kartoffeln und Maniok gepflanzt. Wenn sie schließlich ihre Brände legen, vorsichtig, damit kein Feuersturm entsteht, werden die neuen Kulturen mit ihrem Geflecht von Wurzeln und Knollen die fruchtbare Asche davor bewahren, vom Regen fortgespült zu werden.

Auf dem Feld, das sich schon im Stadium nach dem Feuer befindet, wachsen, zwischen angekohltem Holz, Mais und Bohnen. Papaya und Bananen sind gerade neu gesetzt. Wo Stauden und Bäume schon Früchte tragen, beginnt der Dschungel bereits wieder zurückzukehren, denn länger als zwei, drei Jahre wird der schnell erschöpfte Boden nicht

für den Ackerbau genutzt. Ein wenig wird das neue Wachstum des Waldes gesteuert durch Ansiedlung verschiedener Wildpflanzen, deren Samen, Beeren und Wurzeln für den Menschen nutzbar sind, oder aber Tiere anziehen, so daß die Jagdgründe reichhaltiger werden.

Aus der Rodung führt mich ein Yagua-Jäger in die Wildnis urtümlicher Bäume, die vor einer Generation einmal ein Feld war. Aber nur ein Indianer oder ein qualifizierter Biologe vermag den geringfügigen Unterschied zwischen Primär- und Sekundär-Wald zu erkennen. Mit dem alten System der »Nadelstiche«, so hat Sioli immer wieder geschrieben, könne Amazonien unbegrenzt überleben.

So schonend die Wirtschaftsweise der Indianer auch sein mag für die Natur, Jaime Santa, Ältester seiner Yagua-Sippe, der vor mir mit dem Blasrohr das Wild anschleicht, ist ein Fürst in Lumpen. Die Zivilisation der Kleider, die bis hierher vorgedrungen ist, läßt sich der archaischen Kultur nur schwer abringen.

Tage sind die Kanus, beladen mit ein paar Bananenstauden, unterwegs auf dem Fluß bis zur Mündung in Mazan, wo die Leute ihre Tage damit zubringen, am Ufer zu stehen und zu warten, daß etwas geschieht. Die Ankunft eines Bootes ist das Geschehnis in dem Ort von ein paar hundert Einwohnern, der sich dem Umstand verdankt, daß der Napo seine letzte Schleife ganz nahe an den Amazonas herangezogen hat und der Weg nach Iquitos über die Landbrücke um die 100 Kilomerter kürzer wird. Man lebt in Mazan vom Tragen. Wenn auch keine Schiffe wie Fitzcarraldos »Molly Aida«, aber doch Kähne und Motoren werden über den Berg zwischen den Flüssen geschleppt, vornehmlich aber Bananenstauden.

Mit über hundert Kilo auf dem Buckel rennt so ein Träger los, keine Schuhe an den Füßen, und ist er nach zwei Stunden schnellen Laufens zurück, steht er wieder da am Ufer in der allgemeinen Lethargie.

Die Leute von Mazan haben es noch nicht einmal zu einem Steg hinab zum Wasser gebracht. Die Lasten müssen in Balanceakten über den schlüpfrigen Steilhang geschleppt werden. Auf dem Weg über den Berg sinken die Träger manchmal knietief im Schlamm ein. Eine Straße könnte statt dessen sein, wenigstens Verkehr mit Ochsenkarren, Handel könnte sein, damit es Sinn macht, auf den Chacras der Umgebung Überschüsse für Iquitos zu produzieren und nicht bloß ein paar Bananenstauden, könnte, könnte vieles sein. Aber die Leute von Mazan stehen da und schauen auf den Fluß.

Mazan ist überall im alten Amazonien, und der Geist selbst noch in den Löchern der Asphaltstraßen von Manaus zu finden. Doch gegen die alte Apathie trumpft neue Dynamik auf, eine Skyline von Hochhäusern erhebt sich über den hölzernen Pfahlbauten. Die brasilianische Stadt boomt auf die Million zu, das Zentrum Amazoniens von morgen.

Vom Indianerdorf war Manaus mit seiner marmornen Oper glanzvoller noch als Iquitos im Kautschukrausch aufgestiegen und in den zwanziger Jahren tief gesunken, nachdem der Engländer Henry Wickham den Samen der Hevea brasiliensis gut versteckt in Körben herausgeschmuggelt hatte und aus den im botanischen Garten Londons herangezogenen Pflanzen Plantagen in den britischen Kolonien Asiens geworden waren. Dort war die Gummimilch wesentlich billiger zu

gewinnen als von den weit auseinanderstehenden Wildbäumen des Urwaldes.

In Manaus verfielen die Paläste, und daß sich heutzutage, zuweilen direkt neben einer Ruine, Hochhaus für Hochhaus höher um höher erhebt und in einem der letzten Prachtbauten, himmelblau restauriert, die Kranken einquartiert wurden, ist Folge einer künstlichen Wiedergeburt durch Erklärung zur Freihandelszone.

Steuerliche Standortvorteile machten aus dem Rio Negro, kurz bevor sich seine Schwarzwasser mit den Weißwassern des Solimoes zum Amazonas vereinen, einen Industriekanal mit der dafür typischen Landschaft von Fabriken, Tanklagern und Anlegern hochseetüchtiger Schiffe, während am anderen Ufer schwarz und schweigend der Wald steht. Eine Absurdität hält die Stadt in Atem.

Was sie gar nicht verbrauchen kann, wird eingeflogen, die offenen Hallenläden sind berstend voll von Fernsehern und Kameras, Stereoanlagen und Elektrogeräten, Taschenrechnern und Digitaluhren. Die ebenso eingeflogenen Käufer aus ganz Brasilien schleppen die Waren, für 300 Dollar zollfrei, im Ameisenhandel wieder hinaus.

Während in Iquitos das Holiday Inn, abgestoßen von seiner Kette, schon modrig riechend alsbaldigen Verfall ankündigt, entfaltete sich auf gerodeter Landzunge von Manaus das Luxushotel Tropical: Lebende Reiher auf künstlicher Insel hinter Schaufenstern der Empfangshalle, Affenkäfige draußen im Park und ein indianisch gestyltes Mädchen hinter der Schwimmbadbar, stets voll von lautem Volk, das hemdsärmlig die Kellner scheucht, während der befrackte Oberkellner seine beflissenen Diener macht. Kaum ist der deutsche Schwarm aus dem Haus, trifft schon die Schweizer Gruppe ein, Japaner immerdar und erst recht begüterte Brasilianer, die Unmengen von Paketen mit sich führen.

Man pflegt zwischen den Einkäufen eine Tagestour in den Dschungel-Parcours des Tropical am anderen Ufer zu machen, nebst Vorführanzapfung eines Gummibaumes. Wie exotische Blumen im verschlungenen Unterholz: Filmpackungen, Bierdosen, Papierbecher. Merkwürdig Animalisches steigt aus tiefer Menschenseele auf: Allgemeines Brüllen in den Wald.

Der zivilisierte Mensch hat sich gewöhnt, dem Dschungel gegnerisch entgegenzutreten. Manaus hat seine Natur bis zu Unkenntlichkeit vertrieben. Kaum ein Straßenbaum konnte sich halten, aber zwei Flecken Wildnis wurden doch konserviert. In einem übt das »Batalhao da Selva« Dschungel-Krieg, im anderen könnte sich die Zukunft des Regenwaldes doch noch wenden. Pavillons mit

röhrenden Klimakästen zwischen hohen Bäumen und Geschling beherbergen das nationale Forschungsinstitut Inpa, _(Instituto Nacional de Pesquisas da ) _(Amazonia. )

das den Auftrag hat, zum Nutzen der Menschen Amazoniens beizutragen, so daß sich das Stromland selbst versorgen kann.

»Wir versuchen erst einmal, den Wald zu verstehen«, sagt der Forschungsleiter Herbert Schubart, ein moderater Mann in den Fünfzigern, der sein Haus mit 200 Wissenschaftlern auf eine ökologische Linie gebracht hat: »Wir hörten das Echo dieser Zeit, all die Aufschreie in der Welt, daß hier der Regenwald verschwindet, Herr Sioli und die anderen Mahner waren sehr nützlich für uns.«

Nützlich auch ein junger US-Heißsporn in seinem Institut, der mit komplizierten Formeln darlegte, daß »die meisten Teile Amazoniens bis Ende des Jahrhunderts entwaldet würden und einige, wie Rondonia, schon in diesem Jahrzehnt«, sofern »exponentielle Trends« bei den Rodungen anhielten. Wie verblüffend solche Trends verlaufen, verdeutlicht die Legende von einem Klugen, der sich, scheinbar bescheiden, von seinem König ein Weizenkorn auf dem ersten Feld eines Schachbretts mit jeweiliger Verdoppelung auf jedem folgenden Feld wünscht und schließlich große Verlegenheit erzeugt, denn die Weltweizenernte reicht dafür nicht aus.

Im brasilianischen Amazonien, 4,9 Millionen Quadratkilometer, ging es ähnlich zu: Zwischen 1960 und 1975 wurden etwa zehntausend Quadratkilometer Dschungel pro Jahr gerodet, ein Nichts gegen die Illusion unendlicher Größe. Dann aber zeigte 1978 eine Vermessung vom Satelliten Skylab aus, daß gigantische Feuer in jenem Jahr 100 000 Quadratkilometer entwaldet hatten, eine Fläche so groß wie die DDR. Es ist jedoch kaum zu erwarten, daß es im Regenwald so weitergeht wie auf dem Schachbrett.

Aus den ein bis zwei Millionen Kleinsiedlern, die auf dem 100 Kilometer breiten Staatsstreifen rechts wie links der Transamazonica eine neue Zukunft finden sollten, sind einige zehntausend geworden, verstreute Häuflein verunsicherter Leute. »Die Böden sind im großen und ganzen sehr arm, nicht so homogen, wie allgemein angenommen wurde, sondern sehr unterschiedlich, wie die Indianer an verschiedenen Pflanzen erkennen können, nicht aber die Siedler, die große Schwierigkeiten bei der Landwirtschaft haben": Schubart spricht anteilnehmend von den großen sozialen Problemen als Folgelast einer politischen Euphorie, um dann auf den nächsten »Denkfehler« zu sprechen zu kommen: riesige Rinderfarmen des Großkapitals, die nach der gescheiterten Kleinkolonisation staatlich gefördert wurden.

»Auf arme Böden muß Viehzucht, das ist so ein Lehrsatz, über dem vergessen wurde, was die Theorie schon wußte«, sagt Schubart: »Daß sich in Amazoniens sauren Böden die Phosphate, unabdingbar zur Ernährung von Pflanzen und Tieren, statt dessen mit Eisen und Aluminium unwiederbringbar verbinden, hat die Praxis leider bewiesen.«

Angesichts dieses Mißerfolgs sieht er Chancen, daß große Areale Wald als unantastbare Bioreserven definiert werden. Landwirtschaft, vielversprechend auch die Zucht von Wasserbüffeln, sollte nach seiner Ansicht auf dem Schwemmland an den Flußufern betrieben werden, den Varzeas, die nur zwei Prozent Amazoniens ausmachen, aber in der Größe immerhin zweimal den Niederlanden entsprechen.

Der Schlamm ist im Gegensatz zur Terra firme, dem festen Boden des Hochwaldes, außerordentlich fruchtbar. Das Steigen wie Fallen des Wasserstandes könnte mit modernen Methoden sorgfältig vorausberechnet werden.

Die an Inpa entliehenen Forscher vom Plöner Max-Planck-Institut mahnen allerdings, mit der Kolonisierung der Varzeas vorsichtig zu sein, weil sich da die Kinderstube vieler Fischarten befindet und mit ihnen der Reichtum der Flüsse allzu schnell vergehen könnte. Um Manaus, unterhalb Industrie, oberhalb Badebetrieb, sind die Gewässer längst überfischt.

Daß der Welt größtes Süßwasserreservoir, größer noch als Mississippi, Nil und Gelber Fluß zusammengenommen, dereinst durch Fischzucht dabei hilft, den Eiweißmangel der Erdbevölkerung zu beheben, diese kühne Hoffnung schwappt in den Hängetuchteichen des Instituts, wo immer wieder die Frischwasserzufuhr ausfällt. Das Ziel, Treber entsafteter Früchte, Rückstände der Bierbrauerei und Abfälle der Hühnerschlachtung neben Blumen und Blättern des Waldes im Fischfutter zu verwenden, ist allerdings erstrebenswert, aber die Versuche gestalten sich langwierig.

Daß sich mit dem Edelholz des Urwaldes Brasiliens Auslandsschuld von über 90 Milliarden Dollar verzinsen läßt, auch dieser Wunsch aus Regierungskreisen ist äußerst schwierig zu erfüllen. Bisher werden nur 0,02 Prozent des Waldes von der Holzwirtschaft genutzt, die bloß an 40 der schätzungsweise 4000 Baumarten interessiert ist. Dabei bieten sich mindestens 400 Arten an, deren Eigenschaften gerade bei Inpa katalogisiert werden, darunter eisenharte Hölzer für Maschinenteile, die keine Funken schlagen sollen, oder fettige Stämme, deren ausgepreßtes Öl einen Motor laufen läßt. Gesucht und mit großer Sicherheit zu finden ist geeignetes Holz für Tennisschläger und Musikinstrumente, das für die entsprechende Industrie in Manaus groteskerweise noch aus dem fernen Europa eingeführt werden muß.

Eine Verwertung vieler verschiedener Holzarten würde ermöglichen, den Wald in Streifen zu ernten, schmal genug, daß sie vom Regenwasser mit Samen überschwemmt werden und schnell wieder zuwachsen wie Rodungen der Indianer. So eine Nutzung wäre sicherlich sinnvoller, als gewaltige Mengen von Kohlenstoff in Feuern zum Himmel zu schicken und damit den Glashauseffekt auf der Erde zu verstärken.

»Kommt gar nicht in Frage, unsere Bäume auszuverkaufen": Knapp über Dreißig ist er, dynamisch, und dazu hat er in seinem Gebiet Entscheidungsgewalt, der Chef des Forstinstituts IBDF) _(Instituto Brasileiro de Desenvolvimento ) _(Florestal. )

in Manaus. Paulo Grieger bremst bei der Vergabe von Lizenzen für den Holzeinschlag, wie er irgend kann. »Es ist ein Bumm gekommen«, sagt er im Deutsch seiner Oma über Ökoschock und Ölkrise und haut mit einer Faust in die andere Hand: »Wir müssen umdenken und studieren, studieren.«

Eine gute halbe Stunde von der Stadt entfernt hat er 15 000 Hektar Urwald zum Experimentieren. Bisher 10, später einmal 200 Wissenschaftler sollen feststellen, wie sich Pekari, Paka und Capybara, wohlschmeckende Wildtiere, vermehren lassen. Grieger erscheint es nur logisch, tierisches Eiweiß mit der riesigen Biomasse zu erzeugen, anstatt auf deren Asche magere Weiden für Rinder anzulegen. Was ihm vorschwebt, soll alles billig vom kleinen Mann nachzumachen sein, zum Beispiel Bäche mit Sandsäcken zu kleinen Seen zu stauen, worin sich das Capybara, ein Wasserschwein, besonders wohl fühlt, wenn es auch noch an den Ufern seine bevorzugte Pflanzennahrung findet.

Auf dem Gelände versucht sich Grieger mit »ökologischen Straßen«, die mäandernd unter dem Blätterdach des Waldes hindurchführen, geschützt gegen Sonne und Regen. Der federnde Grund voller Kleinlebewesen bewährt sich womöglich, »studieren, studieren«, besser als die herkömmlichen Sandtrassen, die tot und schnurgerade durch einen breiten Rodungsgürtel führen und entweder aus Schlamm oder Staub bestehen.

Auch »ökologisches Wohnen« will Grieger anregen: Während bei der typischen Kampfhaltung gegen den Wald die Hütte den Elementen ausgeliefert auf einer Lichtung steht, könnten bei entgegengesetzter Gesinnung bestimmte Bäume

das Kleinklima günstig beeinflussen und stets einen leichten Luftzug herbeifächeln, während als Insektizide geeignete Pflanzen einen lebenden Schutzwall gegen Ungeziefer bilden.

»Ökologische Ernährung« aus dem Wald gehört in Griegers Zukunftsmodell. Sein Dschungelbauer, einerseits mit der Wildtierzucht an die Geldwirtschaft angebunden, andererseits mit vielen Bedürfnissen autark, soll ein ausgesprochen stolzes Leben führen können in Einklang mit Gesellschaft und Natur.

Kein Bauernstolz: Einer niedergedrückten, abgearbeiteten Gemeinde hält der Reverendo Benjamin Glienke in einem Holzschuppen an der Transamazonica den Gottesdienst. Wir waren uns beim Warten auf eine Fähre begegnet, und hocherfreut nutzte der Pastor die Gelegenheit, sein »Hundsbuckel-Deutsch« aufzufrischen.

Emigrant der zweiten Generation hatte Glienke den Blumenauern, einer großen deutschen Kolonie im Süden Brasiliens, das Evangelium gebracht und war schließlich, ein bißchen gelangweilt und vollschlank vom guten Essen geworden, um Versetzung nach Amazonien eingekommen. Welches Ausmaß seine neue Diözese hat, »schätze, ein paarmal so groß wie die Bundesrepublik«, muß er erst einmal erkunden und reisend seine Schafe zählen.

Wo die Transamazonica die Asphaltstraße von Manaus kreuzt (bevor sie im Nichts verendet, da die Weiterführung nach Peru unterblieb), in Humaita, einer Kleinstadt, die ihre Vergessenheit beklagt, nicht nur, weil das Fernsehen drei Tage nach dem Weltgeschehen aus der Kassette kommt, in diesem Ort voll der üblichen Lethargie, warteten Pfarrkinder mit einem Kleinlaster auf den brieflich angekündigten Pastor.

Ich durfte mit aufsteigen, und nachdem wir über den Madeira gesetzt waren, fuhren wir, auf der Ladefläche stehend und mit weichen Knien die Stöße der löchrigen Transamazonica ausbalancierend, vorbei an vergrauten Holzhütten, eine nicht viel anders als die nächste, entlang an buschigem Grün, hier und da Palmen, dazwischen aufragend in Feuern erstorbene Baumriesen, manchmal eine Bananenpflanzung oder eine Reiskultur und immer wieder nackte Flächen erodierten Bodens. Weit im Hintergrund, zuweilen gar nicht mehr auszumachen, der Regenwald.

Wiederholt mußten wir absteigen und zu Fuß durch den Schlamm waten. Dabei ist die Straße noch in gutem Zustand für die Regenzeit, wie die Leute auf dem Wagen hervorhoben. Oft zeigten sie auf Stellen, wo der Verkehr in manchen schweren Jahren monatelang nur mit Kanus aufrechtzuerhalten war, und sie erzählten von der Mühe, die sie hatten, einen von ihnen, dem ein Ast auf den Kopf gefallen war, über die Wasser-Land-Brücke nach Humaita zu bringen: Völlig meschugge sei der im Krankenhaus angekommen, festbinden müssen haben sie ihn, und nie wieder sei der so richtig geworden.

Zwei Dutzend Siedler mit frisch gekämmten Kindern in ärmlichem Sonntagsstaat erwarteten den Pastor mit vielen

Entschuldigungen, daß sie nur so wenige von den etwa 150 deutschstämmigen Emigranten aus der Umgebung waren, aber man habe ja nicht gewußt, ob der Pastor tatsächlich durchkommen würde, und für eine schnelle Benachrichtigung seien die Entfernungen zwischen ihnen einfach zu groß. Von manchem aus Blumenau wurde Glienke wiedererkannt: »Ihre Frau, war das nicht so eine Fette?« »Die ist noch fetter geworden«, leutselig drückte Reverendo Glienke entgegengestreckte Hände, um sich dann ein wenig abseits zu stellen und über seine verstaubte Reisekleidung den Talar aus seinem Koffer anzulegen.

Unter einem Wellblechdach predigt der Pfarrer von enttäuschter Hoffnung, predigt von den Werken der Menschen, die manchmal trotz aller Mühen nicht gelingen würden und dennoch ein gottgefällig Werk wären. Die Gemeinde hängt an den Lippen des Gottesmannes und stimmt zwischendurch zaghaften Gesang an. Zum Schluß tauft der Pastor ein totenblasses Kind, das über ein Jahr alt ist und den Kopf schwer halten kann. Seine abgezehrte Mutter erzählt, sie habe ständig Malaria gehabt, schon während der Schwangerschaft, und dann im Fieber auch nicht richtig stillen können, wie hätte da der Bub gedeihen sollen.

Der Taufpate, ein zäher Jüngling mit schon verfallenen Zähnen, zeigt dem Pastor stolz eine Jaguarhaut vor. Das Tier wenigstens hatte er bezwungen, ohne Heldenmut, weil ihm einfach nichts anderes übrigblieb: Ganz dicht beim Haus habe er die Bestie herumschleichen hören, schlotternd vor Angst, wie er sagt, sei er nachts mit dem Gewehr hinausgegangen, und als er über sich im Baum die Tieraugen leuchten sah, habe er vor Zittern kaum abdrücken können. Zerlöchert von vielen Schüssen ist das Fell.

Die Taufpatin serviert gezuckerte Avocados, die ersten aus der ersten Ernte, auf die sie ihre letzte Hoffnung setzt. Die Pflanzen hatte Lori Brissow, Anfang Vierzig, aber abgewirtschaftet wie eine ältere Frau, von ihrem Land in Südbrasilien mitgebracht, 16 Hektar bloß, zu wenig, um in einer Gegend voller maschineller Großlandwirtschaft auf einen grünen Zweig zu kommen. Wie viele andere aus der deutschen Kolonie war ihr Mann Ewaldo nach einem Fernsehaufruf zur Besiedlung der Transamazonica vorausgegangen. Ganz begeistert hatte er von der Urwuchskraft auf der versprochenen Erde berichtet, und voller Erwartung war sie ihm nachgefolgt. Sieben Jahre der Enttäuschung ist das jetzt her.

Wie hätten sie denn wissen können, daß die strotzenden Baumdome auf Sand gebaut und die Böden da am ärmsten waren, wo sich die Matte der Wurzeln am dichtesten ausgebildet hatte; wie nur ahnen können, daß die wilde Fruchtbarkeit, die sie bestaunten, nicht von den Nährstoffen der Erde herrührte sondern aus einem in sich geschlossenen Kreislauf des Vergehens und Entstehens.

Ihn zu vernichten, gingen sie rasch ans Werk. Bäume und Unterholz fielen, riesige Feuer brannten, die Rodung, auf

der sie sich eine blühende Farm erträumten, konnte gar nicht groß genug sein. Niemand hatte sie vor dem Verhängnis der Regen gewarnt. Während die stürzenden Himmelsfluten vom Wald in 30 bis 50 kleinen Kreisläufen umgesetzt werden, bis sich nur noch schwache Rinnsale in die Flüsse verlaufen, bildeten sich auf nackter Erde reißende Ströme, und die trugen die dünne Krume und das bißchen fruchtbare Asche im Nu davon.

Unzähligen muß es ergangen sein wie diesem Bauernpaar, denn die Wissenschaft registrierte ganz allgemein, daß die Flüsse Amazoniens zur Regenzeit nicht nur eine höhere Sedimentlast führen, sondern auch mehr Wasser, je mehr Wald zur Verdampfung fehlt. Fassungslos standen die Brissows vor ihrem Land, das in der Sonne betonhart aufgetrocknet war. An Ernte war nicht zu denken, Ewaldo Brissow ernährte seine Familie, drei Kinder, indem er Lasten auf der Transamazonica transportierte, bis sein Wagen vor Rost auseinanderfiel.

Von Fehlschlag zu Fehlschlag kamen die Leute von Transamazonica Nummer 1097 mit ihrem Boden schließlich so zurecht, daß aus Saatgut auf Kredit etwas Reis wuchs. Auch die zwei Dutzend Schweine, magere Tiere, blieben wenigstens am Leben, während dem Nachbarn seine drei Stück Rindvieh in drei Tagen eingingen.

Ihr Land künstlich zu düngen, können sie sich nicht leisten, und der Regen trüge ja doch das meiste schnell wieder davon. Aber mit Hühnerdreck wäre ihr armer Boden zu verbessern, nur er gibt den Mais für das Federvieh einfach nicht her. Wenigstens die Avocados sind reif, das Problem ist allerdings, daß der Markt von Humaita sie nicht kennt.

»Das Leben hier draußen«, sagt Lori Brissow, »das Leben ist zu hart.« Ein Schwager von einem Baum totgeschlagen, ein anderer gehbehindert, seit er auf eine Schlange trat, und dann die vielen Spinnenbisse, die sich langwierig auseitern, jeden Abend die Schwärme schwarzer Mosquitos mit der Malaria-Bedrohung, ganz abgesehen von den vielen Pusteln, Bläschen und schorfigen Hautausschlägen.

Dabei ist die deutsche Kolonie noch verschont geblieben von schlimmeren Übeln, etwa dem Blutungsfieber von Altamira, einer rätselhaften, nicht selten tödlichen Krankheit, die nach dem Ort an der Transamazonica benannt wurde; oder der mit besonderen Wanzen auf dieser Straße eingeschleppten Chagas-Infektion, die meist zum Herztod führt oder zumindest zu Lähmung und Verblödung; oder der von Nagetieren übertragenen Leptospirose mit Hirnhautreizung und Leberentzündung.

Viele Leute sind von der Transamazonica schon wieder weggezogen, und auch Lori Brissow siedelte mit den Kindern nach Humaita über. Der große Junge schafft auf der Präfektur, das älteste Mädchen auf der Bank. Ohne den Verdienst der Kinder wäre die Landwirtschaft, die der Vater an der Transamazonica mühsam hält, schon zusammengebrochen.

»Den Eltern den Tod, den Kindern die Not, den Enkeln das Brot« - diese Pionierdevise wird in der deutschen Urwaldkolonie oft zitiert. Wie die anderen ist Ewaldo Brissow, inzwischen Ende Vierzig, festverwurzelt auf seinem Land, das sein einziges Kapital darstellt und doch keinen Verkehrswert hat, denn wo jeder verkaufen möchte, sind Käufer nicht zu finden. Da er nicht auf und davon kann, will er wenigstens ein Erbe an Boden schaffen. 100 Hektar, den Hektar zu 40 Cruzeiros (seinerzeit 30

Pfennig) erhielt er bereits als Einstand von der Staatsbehörde für Kolonisation und Agrarreform Incra. _(Instituto Nacional de Colonizacao e ) _(Reforma Agraria. )

Da er Anspruch auf das Land hat, von dem er erwiesenermaßen einen bestimmten Anteil rodete, brach er weitere 500 Hektar Dschungel an. Der verbriefte Besitz ist ihm in Aussicht gestellt. Also macht er sich an die Arbeit, durch Fällen und Brennen noch 2500 Hektar zu gewinnen. Berauscht von einem Denken in derartigen Flächen für die Enkel vermögen die Brissows, die von 16 Hektar kamen, durchzuhalten. Der Wald wird beschädigt, allein um eines Besitztitels willen, auch wenn mit dem Land gar nichts anzufangen ist.

Die Straße, dieses große Werk staatlicher Inbesitznahme eines vakanten Territoriums, zieht kleine Kreise sinnloser Zerstörung nach sich. Sollten nicht die Menschen vor dem Wald und der Wald vor den Menschen gerettet werden?

Eine Straße wie die Transamazonica hat aus einem Urwaldareal von der Größe etwa der Bundesrepublik den jüngsten brasilianischen Staat gemacht: Rondonia. Es war einst Pfründe einiger weniger, die Lizenzen zum Anzapfen von Gummibäumen oder zum Sammeln von Paranüssen hielten. Noch 1950 verloren sich um die 30 000 Einwohner in dem weiten Land. 1970, nachdem endlich eine Straße aus dem Süden diese Einöde erschlossen hatte, waren immerhin schon über 100 000 Menschen da.

Die Halter alter Lizenzen mußten den größten Teil ihres Waldes abtreten, sofern in Straßennähe gelegen, wurde er in Parzellen von 100 Hektar aufgeteilt. Rondonia sollte das Land der Landlosen aus Brasiliens Armutsgebieten werden. Und sie kamen. Im letzten Jahrzehnt verfünffachte sich die Bevölkerung, obwohl mancher Pulk von Neubürgern auf dem Unding von einem Fahrweg Wochen, wenn nicht Monate unterwegs und auf abgeworfene Überlebenshilfe von Flugzeugen angewiesen war.

Die Raten der Rodungen steigerten sich exponentiell. Allerdings muß dem Land wenigstens die nach brasilianischem Gesetz vorgeschriebene Hälfte des Urwaldes erhalten bleiben. Die kritische Grenze ist längst noch nicht erreicht. So treffen denn jeden Monat Trecks von Tausenden ein, angezogen von dem Sog des jungen Rondonia-Stolzes, seit diesem Jahr ein richtiger Bundesstaat zu sein.

Porto Velho, die Hauptstadt, war einst Endstation der Eisenbahnlinie, die Brasilien Anfang des Jahrhunderts zur Entschädigung Boliviens für Landannexion baute, damit der Kautschuk aus dem Grenzgebiet zum Madeira gebracht und von dort weiter nach Manaus verschifft werden konnte. Alle hundert Bahnschwellen ein Menschenleben, insgesamt 6208 Opfer, hat diese schwierige Linie durch Dschungelsümpfe und über Stromschnellen gekostet. Die Straße hat die Bahn verdrängt. Ihre Modernisierung lohnte nicht mehr. Jetzt gammeln die alten Coupe-Wagen und die Dampfloks 1136 und 10 608 der Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft vor einem Museum. Nur an Wochenenden fährt ein Zug ein paar Kilometer in die Erinnerung.

Von Porto Velho aus war das riesige Territorium als eine Art Latifundie der brasilianischen Zentralregierung recht und schlecht verwaltet worden. Zwei Richter repräsentierten das Gesetz, wenn ihnen denn überhaupt Täter von Dschungel-Patrouillen zugeführt und nicht schon auf der Flucht erschossen wurden. Seit das Land ein Bundesstaat ist, traten 26 neue Richter ihr Amt an. Der Gerichtspräsident

Fuad Darwich, ein älterer Herr, will zur Krönung seines Lebens Rondonia mit »der besten Gerichtsbarkeit Brasiliens« bescheren. Den großen Saal der Strafkammer ließ er blutrot ausschlagen, die Gestaltung des reich verzierten Gestühls aus Urwaldholz überwachte er persönlich, er brachte eine Sammlung außergewöhnlich hübscher Sekretärinnen in Rocktracht zusammen und verbot für weibliches Publikum ganz allgemein die Hosen.

Man will schließlich bürgerlichen Staat herzeigen gegen die auslaufende Banditenära. »Totales Chaos, Grausamkeit und Korruption« würden die Siedler statt des erhofften »El Dorado« in Rondonia vorfinden: Martins de Carvalho, derart als Anwalt der Armen von »International Herald Tribune« vor vier Jahren zitiert, finde ich nicht mehr vor. Er wurde von Pistoleiros erschossen, die den Besitzer vom Hotel Florestal, wo ich karg und nicht billig wohne, als ihren Auftraggeber nannten. Der Advokat hatte kurz vor seiner Ermordung eine Verfügung erreicht, daß Kleinsiedler auf ihr Land, das auch der Hotelier beanspruchte, zurückkehren durften.

»Wie durch Magie laufen alle Beteiligten des Verbrechens frei herum«, sagt Anwalt Olympio Begnini Filho, Mitte Fünfzig, der mit ebensolchem sozialen Impetus wie sein einziger Kollege an die 100 Fälle von Landstreitigkeiten bearbeitet. Manchmal kann er gar nichts tun wie in dem Fall, als die Polizei auf Antrag der Indianerbehörde Funai _(Fundacao Nacional do Indio. )

150 Familien, die auf Reservatsgebiet gesiedelt hatten, mit Lastwagen fortschaffte und ihre Häuser niederwalzte. Seine Mandanten, mutmaßt der Anwalt, seien von der Räumung so verängstigt worden, daß sie nie wieder bei ihm erschienen: »Wer weiß, was aus ihnen geworden ist.« Andererseits mache das Recht, wie der Advokat durchaus anerkennt, Fortschritte in dem jungen Urwaldstaat.

Zwar geht bei »O Guapore«, einem Zeitungsbetrieb, wie aus einem Western stilisiert (Auflage: 600 Exemplare), regelmäßig das Licht aus, wenn Chefredakteur Ronaldo Rocha mit seiner Ein-Mann-Redaktion gerade einen Skandal in Rondonia, etwa Korruption bei der Polizei oder Verfütterung von Schulspeisung an Bürokraten-Schweine, aufdecken will: »Wir können nicht erscheinen, und das Fernsehen bringt den Fall in Schönfärberei.« Als er gegen das Wasserwerk zu Felde zog, kam kein Tropfen mehr aus seiner Leitung, und er mußte sich einen Brunnen bohren.

Während er von seinen Kämpfen gegen die Obrigkeit erzählt, wird in seinem Büro gerade ein Kästchen installiert, das den Gebührenzähler des Telephons ausschalten soll. So revanchiert sich Rocha, ein jungenhafter Vierziger, für manche Schikane und spricht umsonst mit Sao Paulo, erfragt die Preise für Rüben und Tomaten, Kohl und Salat, um dagegen zu wettern, daß in Porto Velho das Gemüse doppelt bis zehnmal so teuer ist.

Bevor der Bus aus der Hauptstadt abfährt in das neue Land, vertreibe ich mir noch ein wenig Zeit in einem schmuddeligen, doch

quirligen Eckcafe, bekannt für den Umschlag des jüngsten Gerüchts, und werde unvermittelt mit deutscher Vergangenheit konfrontiert. Er nennt sich Georg Rempf, verwittert für seine 60 Jahre, schiebt er zwischen seinen Zahnruinen Lobpreisungen des Großdeutschen Reichs hindurch: »Einer von Hitlers Millionen Söhnen, das bin ich, das Eiserne Kreuz im Nachttisch und Wilhelm Tell obendrauf.« Der Krieg, Stalingrad, ist sein großes Thema: »Ein unanständiger Kosak hat mich totgeschossen, nur hernach war er toter.«

Als Deutschland in Schutt und Asche lag, hat er sich in den Urwald abgesetzt. Was er so brauchte, um sich seine Plantage aufzubauen, schleppte er auf dem Buckel von

Porto Velho die 30 Kilometer hinaus: »Ich taps und taps, und oben ist Blitz und Donner und unten Schlamm, oft war es so. Ihr Jungen, ihr kennt ja keinen Kampf mehr. Mädel, komm mal hinaus, zu mir und meiner Frau, im Wald, da kannst du lernen, was Kampf noch ist.«

Meine Richtung ist eine andere. Ich fahre auf der Straße gen Süden: Die Ländereien, Kaffee und Kakao, Mais und Reis, Bohnen und Maniok, Bananen und Orangen blühen im Vergleich zur Trostlosigkeit an der Transamazonica. Rondonia, und das macht den Unterschied, zeichnet sich aus durch eine in Amazonien selten gute Bodenqualität. So sind entlang der Straße lauter neue Kleinstädte entstanden, und die Leute im Bus, die mit Säcken und Werkzeugen, Stacheldrahtrollen und Autoersatzteilen zwischen Stadt und Land unterwegs sind, erzählen gern, wie hier und hier und hier noch nichts war, als sie vor ein paar Jahren ankamen.

Das neue Rondonia ist, da es an Sand und an Steinen mangelt, vor allem aus Urwaldholz gebaut. Während draußen an der Front der Kolonisation noch vergraute Bretterhütten stehen, hat der sich bildende städtische Mittelstand seine Häuser farbig angemalt. Die Aufkäufer der Ernten weisen mit großgemalter Schrift auf sich hin wie all die anderen Geschäftsleute. Ob Apotheker, Friseur oder Elektriker, man wirbt in dieser einfachen, auffälligen Weise. Das bunte Durcheinander der Fassaden voller Vordächer und Eingänge, diese ungezügelte Kolonisationsarchitektur: Eines Tages, von der Prosperität überholt, wird man die letzten Stücke wehmütig konservieren wie in den Freilichtmuseen des Wilden Westen von Nordamerika. Hier aber ist der Anfang der Städte noch Gegenwart und doch schon von der modernen Zeit durchdrungen, so daß die Mercedes-Werkstätten wie die Pferdeställe aussehen, neben manchem angebundenen Gaul ein VW geparkt ist und zwischen Schwertransportern Gespanne verkehren.

Zwei Tage fahre ich im Bus, der manchmal einen steckengebliebenen Laster aus dem Schlamm zieht oder aber, selber festgefahren, von einer Straßenbaumaschine freigeschleppt wird, bis Ouro Preto, etwa auf halber Strecke auf der Straße durch Rondonia. Incra, die Behörde für Kolonisation, von der sich die Brissows an die Transamazonica gelockt und dann im Stich gelassen fühlen, hat an diesem Ort mustergültige Arbeit geleistet.

»Ohne Incra wären wir verloren gewesen, Incra löste alle unsere Probleme«, sagt Ionice Oliveira, eine strahlende Frau von Mitte Vierzig, die zu Beginn der siebziger Jahre mit Mann und neun Kindern aus dem von Maschinen arbeitslos gewordenen Landarbeiterproletariat des Südens in den Urwald gekommen war, ohne Geld. Sie haben vier Jahre gerodet und manchmal gehungert, wenn der Incra-Wagen mit Nahrungsmitteln nicht durchkommen konnte bei den damals noch viel schlechteren Straßenverhältnissen.

Die Straße, sie hat die Familie ein Kind gekostet. Durch den Stoß einer Unebenheit war das 15jährige Mädchen von einem Laster gestürzt. Krankheiten, vor allem Malaria, machten der Familie zu schaffen. Aber da war auch der regelmäßig das Gebiet abfliegende Incra-Hubschrauber, der, heruntergewunken, Medikamente brachte. Allmählich wurde aus den 100 Hektar Dschungel eine Farm, wie auch aus den anderen 4400 Parzellen des Projektes Ouro Preto. Geschäftsleute zogen zu. Eine Kleinstadt bildete sich. Die Kinder konnten zur Schule gehen.

Auch nachdem ihr Mann vor fünf Jahren gestorben war, kam die Witwe Oliveira zurecht. Dabei gehört sie nicht zu den vielen Siedlern, die bereits stattliche Ernten einbringen. Sie wirtschaftet vor allem für den Eigenbedarf. In ihrem Häuschen brennt auch kein Licht, und Wasser muß sie aus dem Brunnen schöpfen. Aber was noch nicht ist, wird schon werden. »Das Stück Land lohnt das Leben«, sagt die Witwe, »ohne das Land wäre ich mit den Kindern irgendwo in einer Favela heruntergekommen.«

Vor dieser Frau frage ich mich, wie weitgehend menschliche Schicksale ökologische Bedenken zurückweisen. Ob vielleicht das Rondonia der kleinen Leute das Brandopfer Wald wert sein sollte?

In Vilhena, der letzten Stadt des neuen Bundesstaates auf der Straße von Porto Velho nach Zentralbrasilien, tanzen Leute auf gerade hart gewordenem Asphalt. Aus der Schlamm-Staub-Piste wird, finanziert von der Weltbank, endlich ein ordentlicher Verkehrsweg.

Vilhena war im Jahre 1938, als der französische Ethnologe Claude Levi-Strauss da war, Posten einer Telegraphenlinie, deren Erbauer sich an dem Ort dereinst ein Chicago vorstellten. Levi-Strauss fand zwei Familien vor, die seit acht Jahren keine Verpflegung mehr erhalten, sich aber ein Rudel Rehe eingefangen hatten, durch dessen Dezimierung sie sich kärglich ernährten.

Vilhena ist die gemütlichste der neuen Holzstädte geworden, 60 000 Einwohner, die sich einigermaßen eingerichtet haben, obwohl die pulverisierte Erde von den Wegen alles rötlich-grau überzieht. Verständlich, daß sich Anwohner der Hauptstraße so über den Asphalt freuen.

Die Weltbank hat mit ihrem Kredit die Auflage verbunden, daß für verschiedene Stämme der Nambiquara-Indianer ein akzeptables Reservat garantiert wird.

Aber wenn erst einmal die Straße fertig ist und eine Kommission der Geldgeber

durchgereist sein wird, so sorgt sich der Vertreter der Indianerbehörde Funai, könnte geschehen, daß die vorgesehenen 360 000 Hektar für seine 350 Schützlinge doch nicht ordnungsgemäß vermessen werden.

Aimore da Silva, auf den Funai-Mann war ich gespannt: Auf seine Initiative hin hatte die Polizei die kleinen Siedler vertrieben. Dazu könne er vor seinem Gewissen voll stehen, sagt er, und außerdem habe er sich vergewissert, daß die Leute von Incra anderswo Land erhielten. Daß zwei Siedler dennoch zurückkehrten und von Indianern getötet wurden, liege außerhalb seiner Verantwortlichkeit.

Die Täter wurden nicht vor Gericht gestellt. Nach den »sehr guten Gesetzen«, wie da Silva meint, sind Indianer nicht strafmündig, haben andererseits aber keine Bürgerrechte. Als Mündel der Funai sind sie Genießer lebensumfassender Fürsorge oder Opfer grenzenloser Willkür, je nach Charakter ihrer beamteten Oberaufseher. Die rechtliche Möglichkeit, sich aus diesem Status zu emanzipieren, nimmt die Mehrheit der Waldmenschen nicht wahr. Auch kleine politische Kampfgruppen gebildeter Indianer sichern sich auf diese Weise rechtliche Freiräume von Kindern.

Für da Silva, Sohn eines Indianers, der erst bei der Armee lesen und schreiben lernte, ist keine Frage, auf welcher Seite er bedingungslos steht. Wie gegen die kleinen Siedler in Rondonia kämpft der vitale, doch melancholische Mann von Ende Dreißig jetzt gegen die Großmacht der Viehzüchter im angrenzenden Bundesstaat Mato Grosso, wo das Reservat der Nambiquara liegt.

Von den Verwaltern riesiger Fazendas waren die nomadisierenden Indianer ins Ödland abgedrängt worden. Nachdem ein verelendeter Zug schließlich wieder in fruchtbares Gebiet geführt worden war, entlaubte sich Wald durch Herbizid, Wasser wurde vergiftet, aus Flugzeugen fiel Samen eines schnellwachsenden Grases auf die Pflanzungen der Indianer. Nun fürchtet da Silva, daß die Fazendeiros, verfilzt mit Kapital und Politik, ihre Pressionen direkt in der Funai-Zentrale von Brasilia ansetzen.

Epidemien von Masern und Grippe, die durch Kontakt mit Weißen entstanden waren, hatten die Nambiquara bis auf wenige Horden ausgerottet, als sie der Ethnologe Levi-Strauss Ende der dreißiger Jahre studierte. In ihrem Nachtlager wirkten sie auf ihn, wie er in seinem berühmt gewordenen Buch »Traurige Tropen« beschrieb, als »von einer unerbittlichen Katastrophe zu Boden gedrückte Menschen, die sich nackt und zitternd um flackernde Feuer drängen«.

Da sie nicht einmal die Hängematte erfunden oder nachgemacht hatten, nannten sie andere Stämme Uaikaokore, die auf der Erde schlafen. Levi-Strauss fand bei den Nambiquara, »die zu den primitivsten Völkern der Welt gehören«,

eine erschreckend arme und formlose Materialkultur vor. Was die nomadisierenden Horden in ihren Kiepen mit sich führten, schien ihm »weniger das Resultat menschlicher Tätigkeit als vielmehr das Werk von Riesenameisen zu sein«.

Oft war Levi-Strauss, wenn die Männer schweigsam und müde ohne Jagdglück ins Lager zurückgekehrt waren, dabei bei »diesen diabolischen Puppenmahlzeiten«, die von den Frauen zusammengesammelt worden waren: ein paar Eidechsen und deren winzige Eier, eine Fledermaus, kleine Nüsse, eine Handvoll Heuschrecken. »Vergnügt verschlingen sie dieses Mahl, das nicht einmal ausreichen würde, den Hunger eines einzigen Weißen zu stillen, hier jedoch eine ganze Familie ernährt.«

45 Jahre sind seither vergangen, in einer Piper landen wir zwischen kniehohem Kraut auf der Piste des Nambiquara-Reservats. Ein Laster, auf dem lauter nackte Indianer stehen, kommt auf das Flugzeug zugerast. Der weiße Fahrer springt heraus, und mit Erleichterung, daß keiner kam, den es zu verweisen galt, begrüßt er seinen Funai-Kollegen da Silva, ohne den ich das Gebiet nicht hätte betreten dürfen.

Der Mann, der allein mit den Indianern lebt, Silbene de Almeida, Mitte Dreißig, ist einer von den sensiblen

Links-Intellektuellen, wie sie an und für sich in den westeuropäischen Metropolen zu Hause sind. In der Funai-Station hat er sich zwischen seinen Büchern der Weltliteratur eingerichtet, zwei Schreibmaschinen auf dem Tisch, Drucke von Chagall, van Gogh, Matisse an der Wand und passenderweise auch Rousseaus Dschungelbild, auf dem ein wildes Tier einen Menschen wie in Umarmung anspringt.

Wenn auch selber von der abendländischen Kultur geprägt, so erscheint ihm doch, je mehr er darüber nachdenkt, immer zweifelhafter, was sich denn lohnt, an die indianischen Menschen weiterzugeben. Obwohl er eine Hose trägt, hält er die Nambiquara nicht an, sich zu kleiden. Sie sehen noch immer so aus, wie von Levi-Strauss ausgemalt:

»Bei den gesunden Leuten bedeckt der Sand, in dem sie sich so gern wälzen, die Haut wie mit einem Puder und tönt sie mit einem samtenen Beige, das vor allem bei den jüngeren Frauen äußerst anziehend wirkt.«

Von ihrer Gewohnheit, auf der Erde zu schlafen, bringt Almeida seine Schützlinge allerdings behutsam ab. Er achtet auf ihre Gesundheit, hilft notfalls mit Medikamenten, fördert aber vor allem durch Landwirtschaft eine gute Ernährung. Es werden wieder Kinder geboren. Kein einziges fand er vor, als er vor neun Jahren anfing, sich um die Nambiquara zu kümmern. Jetzt hängt ihm selber ein Kleiner, dessen Mutter starb, an seiner Männerbrust und zwirbelt ständig an seinen Warzen herum, »ein komisches Gefühl«.

Mit den Nambiquara ist kein exotischer Staat zu machen wie mit den Stämmen in Brasiliens bekanntestem Reservat am Xingu, deren kunstvolle Bauten und prächtiger Federschmuck, deren expressive Tänze und phantasievolle Körperbemalung durchfotografiert wurden und in Weltmagazinen wie auf Postkarten des Tourismus davon kündeten, daß es eine vitale Gegenkultur zur westlichen Zivilisation geben kann.

Die Nambiquara aber zeichnet etwas aus, das schon Levi-Strauss faszinierte: »Ich hatte eine auf ihren einfachsten Ausdruck reduzierte Gesellschaft gesucht. Die der Nambiquara war so einfach, daß ich nur Menschen fand ... Von ihnen allen geht eine große Freundlichkeit aus, eine tiefe Sorglosigkeit, eine naive und bezaubernd animalische Zufriedenheit und, all diese Gefühle zusammenfassend, so etwas wie der rührendste und wahrhaftigste Ausdruck menschlicher Zärtlichkeit.«

So etwas Ähnliches ist noch heute in dem Reservat zu spüren, aber ich sehe auch die Zeichen menschlicher Brutalität in Gestalt von Kanistern, die man hier fand: »Tordon 101« von Dow Chemical, das Herbizid, das als Agent Orange von den USA im Vietnamkrieg eingesetzt wurde.

Im nächsten Heft

Bewaffnete Kämpfe um Boden - Priester gegen Großgrundbesitz - Die Fazenda von VW, ein Marlboro-Land - »Draußen im Urwald, da ist Himmel und Hölle«

[Grafiktext]

KOLUMBIEN ECUADOR Napo Mazan Iquitos Ucayali Lima PERU PAZIFIK VENE-ZUELA GUA-YANA SURINAM FRANZ. GUAYANA BRASILIEN Solimoes Negro Manaus Amazonas Belem Madeira TRANSAMAZONICA Altamira Humaita Porto Velho Xingu RON-DONIA BOLIVIEN Ouro Preto Vilhena MATO GROSSO Reservat der Nambiquara Xingu- Reservat Kilometer ATLANTIK zum Vergleich: Bundesrepublik

[GrafiktextEnde]

Instituto Nacional de Pesquisas da Amazonia.Instituto Brasileiro de Desenvolvimento Florestal.Instituto Nacional de Colonizacao e Reforma Agraria.Fundacao Nacional do Indio.

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 50 / 80
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.