Zur Ausgabe
Artikel 59 / 128
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Indien Aufrüstung mit Atomraketen

aus DER SPIEGEL 24/1994

Während Washington und die Vereinten Nationen dem nuklearen Schwellenstaat Nordkorea mit einem Embargo drohen, rüsten die tatsächlichen Atommächte Pakistan und Indien weiter auf. Die indische Armee hat zwei Kurzstreckenraketen vom Typ Prithvi erprobt, um sie für die Serienherstellung freizugeben. Die Prithvi (deutsch: Erde) kann auf Selbstfahrlafetten transportiert werden und besitzt, wie die russische Scud, einen Flüssigstoffantrieb. Die einstufige Rakete - Reichweite: bis zu 250 Kilometer - könnte von der Wüste Thar aus Pakistans größte Stadt Karatschi treffen. Erheblich größer ist die Reichweite der indischen Mittelstreckenrakete Agni (Feuer), die im Februar bei einem Flugtest zu den Nikobaren-Inseln 2500 Kilometer zurücklegte. Der Dauerstreit der Subkontinent-Nachbarn um Kaschmir, um das Atomprogramm und die Raketenrüstung - Pakistan stellt den indischen Projektilen die Kurzstreckenraketen Hatf 2 und M-11 entgegen - zwingt die Erzfeinde zu immer größeren Verteidigungsausgaben. Pakistan zweigt über ein Drittel des Haushaltsbudgets ans Militär ab, während Indien den Rüstungsetat in diesem Jahr um ein Fünftel steigern will. Daß die Raketen mit Atomsprengköpfen bestückt werden könnten, ist an der Nutzlast der indischen Flugkörper erkennbar. Sie beträgt jeweils eine Tonne - genug, um einen atomaren Gefechtskopf ins Ziel zu bringen. Das Arsenal beider Länder ist beachtlich: Pakistan besitzt derzeit mutmaßlich 20, Indien wohl an die 40 nukleare Sprengsätze.

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 59 / 128
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.