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VIETNAM Aufschwung mit Schattenseiten

aus DER SPIEGEL 39/1999

Der viel versprechende Liberalisierungskurs ("Doi Moi") des einst strikt kommunistischen Landes stößt erstmals an Grenzen, die vietnamesische Erfolgsstory stockt. Von 1990 bis 1997 lag die jährliche Wachstumsrate bei fast neun Prozent. Vietnam, zuvor auf die Einfuhr von Nahrungsmitteln angewiesen, entwickelte sich zum zweitgrößten Reisexporteur der Welt. Außerdem stieg das Pro-Kopf-Einkommen um 250 Prozent auf 247 Dollar. Städter konnten ihre durchschnittlichen Jahreseinkünfte in den letzten fünf Jahren sogar um 370 Prozent auf 650 Dollar steigern. Galten bis 1986 zwei Drittel der Vietnamesen als arm, so sind es heute nach Schätzungen der Weltbank noch 37 Prozent. Allerdings flacht die Erfolgskurve inzwischen merklich ab, es zeigen sich erste Schattenseiten. Die Arbeitslosigkeit liegt jetzt bei 8, die Inflationsrate bei 9,2 Prozent. Experten glauben, dass sich das Wachstum künftig auf 3 Prozent im Jahr einpendeln wird, und nennen dafür drei Gründe: Die asiatischen Nachbarstaaten als wichtigste Handelspartner stecken noch in der Krise, Korruption und eine schwerfällige Bürokratie verschrecken ausländische Investoren, Machtkämpfe innerhalb der vietnamesischen KP behindern den weiteren Siegeszug der Marktwirtschaft.

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