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»Aufwand für Veröffentlichungen«

aus DER SPIEGEL 45/1976

Ein Grieche besucht die »Welt«. Das Ergebnis steht in seinem »streng vertraulichen« Bericht an das Athener Generalsekretariat für Presse und Information von 1973:

Zunächst sprach ich mehrere Stunden lang mit unserem Freund, Herrn Meyer-Ranke, der ab 15. Februar 1973 den Posten eines stellvertretenden Chefredakteurs der »Bild«-Zeitung, der Tageszeitung mit der größten Auflage (3,8 Millionen) übernehmen soll.

Unsere Unterredung drehte sich um folgende Fragen:

1. Möglichkeiten der Herausstellung des schöpferischen Werkes unserer Regierung.

2. Die Berichte des »Welt«-Korrespondenten in Rom, Herrn Meichsner, über Griechenland.

3. Die Berichterstattung über den Besuch des deutschen Außenministers in Griechenland seitens der »Welt« (nicht Herr Meichsner).

4. Die journalistische Behandlung des Falles, daß der Scheel-Besuch abgesagt wird.

5. Vermittlung für uns nützlicher Kontakte.

Zu 1.: Herr Meyer-Ranke betonte, es sei nachteilig, daß es in Hamburg keine griechischen Presse-Beauftragten gebe, da in Hamburg die meisten deutschen Publikationen erscheinen.

Zu 2.: Damit befaßten wir uns sehr eingehend, insbesondere nach den zwei Griechenland-Besuchen von Herrn Meichsner in der zweiten Januarhälfte. Darin schildert der Genannte seine Eindrücke nach Gesprächen, die er in der Plaka mit einem ehemaligen Politiker hatte, der in Opposition zur Regierung steht. Es wurde festgestellt, daß es nicht angehe, wenn ein Korrespondent mit Sitz in Rom zwei- oder dreimal im Jahr Athen besucht und dann mehrapaltige Berichte darüber schreibt. Der Standpunkt des Unterzeichneten in dieser Frage wurde voll akzeptiert.

Anschließend erörterten wir die Berichterstattung über den kommenden Scheel-Besuch in Athen. Um zu verhindern, daß wieder Herr Meichsner aus Rom kommt, schlug Herr Meyer-Ranke vor, der stellvertretende Chefredakteur Dr. Ruehl solle aus diesem Anlaß nach Athen reisen**.

So berichtet es der Mitarbeiter des Athener Generalsekretariats für Presse und Information, Nikolaos Manolakis, in seinem »Informationsbericht über Kontakte und Gespräche in Westdeutschland vom 17.1.-7.2.1973«.

Das Dokument ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie der Abgesandte einer Diktatur die freie Presse eines demokratischen Landes einschätzt -- und wie er von ihr empfangen wird.

* Im Pressezentrum im Athener Hotel »Grande Bretagne«

** Zum Scheel-Besuch kam es nicht: Er wurde mehrmals verschoben, dann stürzte Junta-Chef Papadopoulos.

Zwischen viel name-dropping und dem Gehabe eines penetranten Vertreters liest sich der Bericht zuweilen wie ein Agentenreport. Der Bote aus der Levante streut aber auch Einladungen aus wie ein Weihnachtsmann.

Da »erbot« sich der »bekannte Wirtschaftsredakteur Dr. P. C. Martin« (laut einem früheren Manolakis-Report »ein Bewunderer der Leistungen unserer Regierung") »u. a. zur Herstellung von Kontakten mit der neuen WDR-Fernseh-Chefredakteurin Dr. Julia Dingwort-Nusseck« und »will sich bemühen, daß sie noch vor Amtsantritt unser Land besucht« (Manolakis).

Da rechtfertigen sich Redakteure, warum sie, obwohl sie die Gastfreundschaft der Dienststelle des Herrn Manolakis in Athen genossen, nicht das Erwartete über das Gastland ins Blatt brachten:

Bei meinem Besuch im »Allgemeinen Sonntagsblatt« hatte ich ein Gespräch mit Herrn Nils von der Heyde, der unser Gast war. Nach seinem Besuch hat er nichts über Griechenland geschrieben, weil er, wie er sagte, nur noch Mitarbeiter der Zeitung gewesen sei.

Da wird der Wehrexperte der »Frankfurter Allgemeinen«, Adelbert Weinstein« zum »größten Militärjournalisten der Welt« befördert. Und als »Schlußfolgerung« empfiehlt der Berichterstatter, »mehr Mittel« für »Aktivitäten zur Unterrichtung der deutschen öffentlichen Meinung einzusetzen«.

Noch mehr? Als dieser Manolakis in Sachen Junta-Propaganda Anfang 1973 seine Kontakte in Deutschland abklapperte, waren längst Millionen Mark für solche Aktivitäten geflossen: für Zwecke, die im politischen PR-Geschäft als branchenüblich gelten, aber auch für Dienste, die kaum anders zu bezeichnen sind als Bakschisch-Journalismus.

»Aufwand für Veröffentlichungen« war der Terminus, unter dem Lob für die Junta in Nachrichten und Kommentaren honoriert wurde. Für die entsprechenden Anweisungen an die Presse-Attachés sowie für Honorar-Auszahlungen hatte das Athener Informationsamt Formblätter, in die nur noch die Namen der Empfänger einzusetzen waren.

Zur Affäre wurde die jahrelang geübte Praxis über zwei Jahre nach ihrem Ende. Am 5. September 1976 nannte der griechische Journalist Pavlos Bakojannis in der liberalen Athener Zeitung »To Vima« Namen von deutschen Journalisten, die auf einer 1972 er Honorar-Liste des damaligen griechischen Presserats in Bonn, Emmanouil Assariotis, aufgezählt waren. Der SPIEGEL brachte die Namen in einer Fußnote zu einer Geschichte über seltsame Kontakte des Franz Josef Strauß zu Rechten in Griechenland.

1000 Mark -- das waren »kleine Krümel«.

Die Genannten hatten gegen die »Vima«-Veröffentlichung nichts unternommen. Dem SPIEGEL schickten sie Gegendarstellungen. ZDF-Löwenthal fand in seinem »Magazin« die Story »abenteuerlich«. Sein Adlatus Friedrich Mönckmeier schimpfte im ZDF-Magazin vierzehn Tage später: »SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein sollte sich schämen, mit solchen Methoden arbeiten zu lassen.«

Voreilig. Zwar, die Empfänger bestritten mit unterschiedlicher Verve, die auf dem Abrechnungszettel der Griechen aufgeführten je 1000 Mark erhalten zu haben. Aber solche Honorare, ob gezahlt oder nicht, waren laut Aussage eines für die deutsche Presse zuständigen Beamten des Athener Presseministeriums aus jenen Jahren allenfalls »kleine Krümel«.

Die Kampagne des Obristenregimes, vermittels Gefälligkeiten Lobpreisungen ihrer Diktatur in der ausländischen Presse anzuregen, ist in der neueren Geschichte politischer Berichterstattung ziemlich beispiellos -- auch wenn Bakschisch-Journalismus an sich nichts Neues ist. Es gibt ihn, seit Zeitungen gedruckt werden.

In einer Untersuchung »Zwischen Betreuung und Bestechung«, die das »manager magazin« ("mm") veröffentlichte, prägte ein PR-Chef den Begriff des »Schleichjournalisten« -- im Anklang an die Schleichwerbung -- für Schreiber, die sieh mit »Geschenken und materiellen Vorteilen« zu »günstiger Berichterstattung« überreden lassen.

»mm": »Unter Journalisten selbst gilt eine Skala, die ihre durch Bestechungen am meisten gefährdeten Kollegen in dieser Reihenfolge nennt: Reise-, Motor-, Wirtschaftsjournalisten.«

Ein Scheck im Handschuhfach des Testwagens, ein Familienurlaub auf Rechnung des Reiseveranstalters, goldene Manschettenknöpfe vom Reeder oder originelle Einfälle wie das samt Gespielin offerierte Doppelbett im französischen Schloß, das eine Luftlinie anbot, sind in der Branche je nach Berufsauffassung freudig akzeptierte oder ärgerlich zurückgewiesene Aspekte des Arbeitslebens.

Ferdinand Simoneit. ehemaliger Chefredakteur von »Capital«, heute bei »auto, motor und sport«, früher lange Jahre Wirtschaftskorrespondent des SPIEGEL in Düsseldorf, rahmte sich einen Blankoscheck als Büro-Schmuck ein, mit dem ein Manager von Chrysler bei einer PR-Veranstaltung insgesamt acht geladene Journalisten bedacht hatte.

Anfangs eine schlechte Presse.

Auch im politischen Bereich ist die Verfilzung zwischen Geld und Meinung nichts Neues. Regierungen kauften oder subventionierten immer Zeitungen -- auch im Ausland.

Das NS-Regime bezahlte Blätter, die in Österreich den Anschluß vorbereiteten. Ein amerikanischer »Kongreß für die Freiheit der Kultur«, der später als Partner des Geheimdienstes CIA enttarnt wurde, überzog halb Europa mit Intellektuellen-Zeitschriften: dem »Monat« in Deutschland, »Forum« in Österreich, »Encounter« in England, »Preuves« in Frankreich.

Die DDR ließ sich das alte »Konkret« in den 60er Jahren Hunderttausende kosten, wie Gründer und Eigner Klaus Rainer Röhl nachträglich in seiner Autobiographie selber enthüllte, nachdem er es jahrelang abgestritten hatte.

Daß Meinung preiswert zu haben sei, glauben auch heute noch vor allem autoritäre Regierungen. Ein jugoslawischer Korrespondent schlug seiner Regierung in aller Offenheit vor, negative Berichte der Auslandspresse über sein Land durch Bestechung namhafter Journalisten zu korrigieren.

»In den Redaktionen der verschiedenen Zeitungen in der Bundesrepublik wartet man nun gespannt auf die ersten Überweisungen aus Belgrad«, scherzte der »Rheinische Merkur« -- der 1974, unmittelbar vor dem Ende der abgewirtschafteten Griechen-Junta. dem »Wirtschaftspartner Griechenland« eine sechsseitige PR-Beilage widmete.

Die Geheimdienstoffiziere und Troupiers aus dem zweiten Glied der griechischen Streitkräfte, die sich am 21. April 1967 nächtens mit ein paar Panzern an die Macht gewalzt hatten, ernteten anfangs weltweit miese Schlagzeilen.

Gegen eine Million gut Weiler für die Kameraden.

Schließlich war es nicht eine ferne Bananenrepublik, die jählings mittels Bajonetten regiert wurde, es war »die Wiege der Demokratie«, der »Ursprung der europäischen Zivilisation«.

So hieß, was die Putschisten selbst als »Revolution« priesen, auch in der »Welt« damals noch schlicht »Staatsstreich«. Die »Neue Zürcher Zeitung« nannte es eine »Militärdiktatur«, in den Augen der »Zeit« litt Hellas unterm »Soldatenstiefel«.

»Die Eindrücke des Auslands sind falsch«, dekretierte, zwei Wochen nach dem Putsch. der Panzer-General Pattakos in einem SPIEGEL-Gespräch. Die Richtigstellung dieses falschen Eindrucks ließen sich die Kameraden, die nach eigenem Bekunden gegen die Korruption angetreten waren, teuer sein.

Anfang 1968 berief der Generaldirektor im Informationsministerium, Apostolides, eine Konferenz der griechischen Presse-Attachés nach Paris ein.

Er wies sie offen an, Journalisten zu bestechen, um eine regimefreundliche Berichterstattung zu erreichen. Ein Konferenzteilnehmer bezeugt das Zitat: »Geld haben wir genug. Wir können alle kaufen!«

Im Umgang mit ausländischen Medien noch holprig, bedienten sich die Propagandisten der Militärs zunächst ausländischer PR-Firmen wie Maurice Fraser in London.

Für zunächst eine Million Mark sollte Fraser, mit einer Griechin verheiratet, in England, Frankreich, Deutschland und Skandinavien gut Wetter für die Kameraden in Athen machen. Binnen weniger Monate flog der Brite 78 Gäste. darunter 45 Journalisten, aus Westeuropa gratis nach Griechenland, damit sie sich dort auf Kosten der Junta ein »eigenes Bild« von deren Vorzügen machen konnten.

23 Parlamentsabgeordnete zählten zu den PR-Urlaubern -- sechs aus der Bundesrepublik. sechs französische, elf britische. Auf Regimekosten fuhren auch Ehefrauen oder Söhne mit, von Junta-Kommandeur Papadopoulos freudig empfangen. Der Obrist zu den deutschen Bundestagsabgeordneten Hays, Toussaint, Stecker (CDU) sowie Zoglmann, Ertl, Kubitza von der FDP (die SPD hatte dankend abgelehnt): »Griechen und Deutsche sind das Salz der freien Welt:«

Die Hochstimmung verflog, als deutsche Korrespondenten die Werbe-Reisenden peinlich befragten. Zwei der MdBs verließen die Pressekonferenz im Athener Hotel »King George vorzeitig und beleidigt, nachdem Journalisten von »Korrumpierung« gesprochen hatten.

In Skandinavien gelang Fraser ein Glanzstück für seine Auftraggeber. Er brachte seinen Mann in Stockholm als Urlaubsvertreter für die englischsprachige Nachrichtenseite der angesehenen liberalen »Dagens Nyheter« unter -- und der schmuggelte munter Pro-Junta-News ins Blatt. Das entschuldigte sich bei ihren Lesern für die Panne.

Die fruchtbare Zusammenarbeit Frasers mit den Militärs ging noch im selben Jahr zu Ende, als die britische Presse dubiose Praktiken des PR-Mannes aufdeckte (der heutige Athener Informationsstaatssekretär Lambrias, damals Exil-Journalist in London, half dabei). Labour-MPs, die nach einer Fraser-Tour voll des Lobes über die Regierungstruppe in Athen waren, verloren wenig später ihre Sitze.

Fortan betreuten die Athener Propagandisten ihre Journalisten selber. Geld hatten sie in der Tat genug.

Neben den offiziellen Etats des Informationsamtes und anderer Regierungsstellen standen dem Staatssekretär für Presse und Information jährlich mindestens vier Millionen Drachmen -- damals über 500 000 Mark -- aus schwarzen Fonds zur Verfügung, die er nirgendwo abzurechnen brauchte. (Allein in der Bundesrepublik stiegen beispielsweise die Gesamtausgaben griechischer Regierungsstellen und Diplomaten zwischen 1971 und 1974 von 2,4 auf 5.2 Millionen Dollar, und zwielichtiger PR-Aufwand war nicht der geringste Posten in diesen Budgets.)

Deutschland war für die Griechen in Europa der wichtigste Acker: als Nato-Verbündeter, als Handelspartner, Kapitalmarkt und Bindeglied zum Gemeinsamen Markt.

In Deutschland wohnte die Masse der griechischen Gastarbeiter, die in der Mehrheit juntafeindlich waren. Aus Deutschland kam Kritik, die den Obristen auch zu Hause weh tat: der Griechische Dienst der Deutschen Welle, den Millionen Griechen hörten wie Deutsche während des Krieges die BBC, die griechischen Gastarbeitersendungen des Bayerischen Rundfunks und die Fernseh-Abende für Ausländer des Dritten WDR-Programms, beeinflußt von den Regime-Gegnern Pavlos Bakojannis und Basil Mathiopoulos.

Deutsche Touristen und deutsche Investoren blieben für die griechische Wirtschaft lebenswichtig.

Also schütteten die hellenischen PR-Sendboten ihr Füllhorn gezielt über deutsche Medien aus -- und bald waren in Deutschlands rechter Presselandschaft die tumben Obristen zu Rettern des Abendlandes geworden.

Die Gefälligkeiten, mit denen die Griechen ihr Ziel zu erreichen suchten, gliedert ein Athener Informationsbeamter aus jenen Jahren, der für deutsche Journalisten zuständig war ("Unsere besten Gäste"), in drei Arten: > Barzahlungen, meist in verschlossenem Umschlag, in Gegenwart eines * Zoglmann-Sohn Sepp Jörg, MdB Kubitza, MdB Stecker, Dolmetscherin, Regierungssprecher Stamatopoulos. MdB Toussaint, MdB Huys, MdB Zoglmann, PR-Agent Fraser, MdB Ertl.

zweiten Beamten persönlich überreicht, im Regelfall ohne Quittung; bestimmte Journalisten wurden regelmäßig besoldet, die Überweisungen als Übersetzungs-, Beratungs- oder Nachdruckhonorare getarnt, einmal auch als Entlohnung für den Posten eines »Ehrenkorrespondenten« der hellenischen Nachrichtenagentur Ana; der bekam derart 17 000 Mark, er ist verstorben, sein Name dem SPIEGEL bekannt;

* bezahlte PR-Beilagen in Zeitungen und Zeitschriften sowie Subventionen von Büchern und Broschüren in der Form, daß griechische Dienststellen zwischen 500 und 10 000 Exemplare der für sie erfreulichen Werke aufkauften. Beispiel: »Griechenland im Umbruch« von Erwin Erasmus Koch;

* Einladungen für Journalisten, zuweilen mit Angehörigen, meist als Informationsreisen getarnt, in Wahrheit, so der frühere Informationsbeamte Panayotis Zach, »Gratisurlaub mit Freiflug, Luxushotel für ein oder zwei Wochen, Wagen. wenn gewünscht mit Chauffeur, Ausflüge, teure Banketts -- alles inklusive«. Eingeschlossen waren selbst private Telephonate der Gäste mit den Lieben in Deutschland und Briefmarken für die Postkarten der Ausflügler. Gratis-Zeitungen während des Aufenthaltes.

Den Aufwand pro Einladung kalkulierte das Generalsekretariat auf 20 000 bis 60 000 Drachmen (damals je nach Kurs 2000 bis 8000 Mark), in Einzelfällen ließen sich die Griechen eine solche Gefälligkeit bis zu 10 000 Mark kosten.

Pingelig sorgten sich die Gastgeber dabei um Wohl und Wünsche des Gastes -- wie der folgende Voranschlag vom 21. Februar 1973 zur »Gewährung kompletter Gastfreundschaft« für einen deutschen Journalisten zeigt:

Der Gesamtaufwand wird sich auf Dr. 31 070 belaufen und sich wie folgt zusammensetzen:

1. Flugkarte Berlin-Athen-Berlin (Touristenklasse) Dr. 6 450,

2. Hotel-Verpflegung vier Tage in Athen (4x800) 3200,

3. 2 Flugkarten (Gast/Begleiter) Athen-Saloniki-Athen (2 x 980) 1 920

4. Hotel-Verpflegung 2 Tage in Saloniki für zwei Personen (2x2x500) 2000,-

5. Hotel-Verpflegung, ein Tag für zwei Personen in Kozani (2 x 300) 600,

6. 2 Flugkarten (Gast. Begleiter) Athen-Heraklion/Kreta-Athen (2 x 950) 1 900,

7. Hotel-Verpflegung ein Tag in Heraklion für zwei Personen (1 x 2 x 500) 1 000,

8. Hotel-Verpflegung für zwei Personen einen Tag in Tripolis 800,

9. Freundschaftliches Essen für sechs Personen (6 x 300) 1 800,

10. Ausflug nach Sounion mit Fremdenführer. Besuch der archäologischen Räume, Essen 1 000,

11. Besichtigung der Alu-Fabrik von Pechiney, Delphi mit Fremdenführer, Essen, Museumsbesuch und Altertümer 1 000,

12. Mietung eines Wagens für Fahrten auf Kreta und von Saloniki nach Kozani und zurück 4 000,

13. Mietung eines Wagens für den Fall, daß kein Wagen aus dem Fuhrpark des Generalsekretariats des Ministerpräsidenten bereitgestellt wird, für Fahrten in Athen, Reisen nach Sounion, Tripolis-Megalopolis, Delphi 5000,

14. Getränke bei Ankunft, Zeitungen während seines Aufenthaltes 600,

15. Geschenk aus den Beständen der Verwaltungsdirektion

Insgesamt Dr. 31 070, Änderungen vorbehalten je nach Interessen des Gastes.

Diese 31 000 Drachmen waren damals etwa DM 2800. Acht der zwölf im SPIEGEL Nr. 39/1976 genannten Journalisten genossen, teils mehrmals, solche griechische Gastfreundschaft. Sollte von den übrigen vier jemand ohne Grund in die griechischen Listen geraten sein, so wird der SPIEGEL sich bei ihm entschuldigen.

Nach einer Liste der Athener Generaldirektion für Presse und Information, Direktion für Massenmedien, Abteilung für die Unterrichtung der Ausländer, aus noch vorhandenen Akten zusammengestellt (viele Akten jener Zeit waren von den Junta-Beamten vernichtet oder mit nach Hause genommen worden), wurde

nachstehenden deutschen Journalisten seitens des Presse-Generalsekretariats Gastfreundschaft wie folgt gewährt:

1. Peter Meyer-Ranke: im Mai 1972 und vom 30. 10-6.11.1973

2. Joachim Kannicht: vom 16.-23. 11. 1973

3. Werner Kallmerten: vom 20.-28. 4. 1972

4. Paul Pucher: vom 25. 8.-2. 9. 1971

5. Wolfgang Höpker: vom 29. 1.-4.2. 1968, vom 25. 5.-4. 6. 1972, vom 1.-6. 6. 1974

6. Karl-Ludwig Bayer: vom 12.-19.11.1973

7. Carl-H. Pierk: vom 17.-24. 4. 1972

8. Peter Hornung: vom 7.-11.10. 1969, vom 19-25. 10. 1972 und vom 18.-25. 10. 1973.

Für den deutschen Journalisten Herrn Winfried Martini liegt im Archiv unserer Dienststelle eine genehmigte Befürwortung für Gastfreundschaft in Griechenland vom Februar 1973 vor. Es gibt keine Unterlagen darüber, ob er tatsächlich in unserem Land war*.

* Winfried Martini erklärte dem SPIEGEL, er sei nicht in Griechenland gewesen und habe von der Einladung nichts gewußt.

Gezeichnet ist das Dokument, das dem Athener SPIEGEL-Büro übergeben wurde, »im Auftrag des Ministers« von Generalsekretär Karras.

Minister Panayotis Lambrias selbst, Vertrauter des Regierungschefs Karamanlis, läßt keinen Zweifel daran, daß diese Art von Gastfreundschaft für ihn nicht innerhalb üblicher journalistischer Gepflogenheiten liegt. Lambrias: »Wer sich in einer solchen Zeit von solchen Leuten einladen läßt, der macht sich suspekt, auch für weitere Gefälligkeilen empfänglich zu sein.

Teilweise fielen schon bei diesen Einladungen Gefälligkeiten an, die beim besten Willen nicht mehr unter journalistischem Informationsbedürfnis unterzubringen sind. Denn manche Gratisgäste ließen sich von -- ungeladenen -- Angehörigen begleiten. Sie stellten ihre Gastgeber vor Probleme.

Im August 1971 etwa mußte die Auslandspresseabteilung des Athener Informations-Generalsekretariats eine »Zusatzbefürwortung über die Gewährung kompletter Gastfreundschaft an die Gattin des deutschen Chefredakteurs Dr. Paul Pucher« ausstellen. Das liest sich so:

Im Anschluß an unsere schriftliche Befürwortung vom 19. 8. 71 über die Gewährung kompletter Gastfreundschaft an Dr. Paul Pucher, deutschen Chefredakteur der angesehenen deutschen Zeitung »Münchner Merkur«, befürworten wir de Gewährung kompletter Gastfreundschaft auch an die Gattin von Dr. Pucher, nach. dem er bei seiner Ankunft von ihr begleitet war und damit unsere Dienststelle vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Unser Pressebüro in Bonn, das uns dar. über nicht unterrichtet hatte, befürwortet nach einer telephonischen Verständigung ebenfalls eine derartige Gastfreundschaft. Die Höhe des zusätzlichen Aufwandes wird sich auf Dr. 4500,- belaufen und setzt sich wie folgt zusammen:

1. Komplette Gastfreundschaft von acht Tagen (Hotel, Verpflegung usw.) Dr. 4000,

2. Tagesausflug nach Argolis (mit Essen) Dr. 500, gesamt Dr. 4500,

4500 Drachmen waren damals 520 Mark.

Unermüdlich wie Arzneimittelvertreter die Arztpraxen suchten die Junta-Boten bundesdeutsche Redaktionen auf und riefen zur Reise nach Hellas.

Den Werbern folgten erlauchte Namen wie »FAZ«-Mitherausgeber Bruno Dechamps, aber auch den Griechen eher lästige Mit-Esser, mit denen sie sich dann auf Amtswegen um halbe Flugkarten stritten.

Beispiel: Am 17. 10. 1970 kanzelte die Athener Generaldirektion für Presse unter Protokoll Nr. 35816-M die Presseabteilung der griechischen Botschaft in Bonn ob eines deutschen Gastes ab.

Unter »Betrifft: Flugticket Athen -- München für Frau Kauck« schreibt das Amt: Sobald Herr Kauck in Athen eintraf, verlangte er von unserer Direktion, den Olympic Airways Anweisung zu erteilen, seiner Gattin ein Ticket Athen-München zum halben Preis auszustellen. Er behauptete, daß Herr Voliotis von der Presseabteilung in Bonn ihm vor seiner Abreise versichert hätte, er selbst würde ein kostenloses Ticket erster Klasse Athen-München erhalten, seine Gattin ein um 50 Prozent ermäßigtes »Economy-Ticket.

Für den Fall, daß wir seine Forderungen nicht erfüllten, drohte er in groben Worten, seine Reise sofort abzubrechen. Die Folgen dieses Schrittes hätte die griechische Regierung zu tragen ... Unsere Direktion hat Herrn Kauck klargemacht, daß zwar er selbst ein kostenloses Ticket Athen-München erhalten würde, eine 50-Prozent-Ermäßigung seitens der Olympic für seine Gattin jedoch nicht möglich sei, da dies gegen die lATA-Bestimmungen verstoße ... Herr Kauck erklärte darauf, er sei nicht imstande, das Rückflugticket seiner Gattin zu bezahlen. Er beharrte auf einer telephonischen Verbindung mit Herrn Voliotis in Bonn. Um die Presseabteilung in Bonn nicht in Verlegenheit zu bringen, gaben wir Herrn Kauck ein Darlehen, um ihm den Kauf eines Flugtickets Athen-München für seine Gattin zu ermöglichen ...

Wir haben von Herrn Kauck die schriftliche Zusicherung, daß er die ausstehende Summe in Höhe von DM 220,- an die Presseabteilung in Bonn zurückzahlen wird.

Tatsächlich verpflichtete sich »Quick«-Mitarbeiter Kauck (laut Impressum Ressortleiter für »Sozialreport") handschriftlich, die DM 220,"bis Ende des Monats Oktober 1970« an die Presseabteilung in Bonn zurückzuzahlen.

Das Presseamt teilte der Bonner Dienststelle noch mit, daß die Kosten der Aufenthalte in Athen und Kreta von Herrn Kauck und seiner Gemahlin »vollständig von unserem Büro gedeckt wurden«, und rüffelte dann die Gästevermittler an der Botschaft:

Anhand dieses Falles wollen wir Sie nochmals ernsthaft darauf hinweisen, unsere Anweisungen über »Einladungen ausländischer Journalisten und TV-Teams« strengstens zu befolgen (Weisungen N. 2642-M4-1011 -- 15. 5. 1968 usw.). Fernseh-Teams waren den Gastgebern besonders wertvoll, vor allem, wenn sie sich von dem Besuch erhoffen durften, kritische Programme zu konterkarieren -- wie etwa die Gastarbeitersendungen des Dritten WDR-Programms.

Dort wirkte Junta-Gegner Basil Mathiopoulos, der während des Athener Putsches mit deutschen Fernsehleuten in Griechenland gewesen war und das Land nur auf Intervention Willy Brandts wieder verlassen durfte.

»Getarnt wohlwollende Einstellung.«

Botschafter Delivanis selbst informierte sein Außenamt regelmäßig über die störenden Aktivitäten des Exil-Griechen -- wie in einem Telex Nr. 03-37 am 28.5.1969:

Die regelmäßige Fernsehsendung des Dritten WDR-Programms um 19.10 Uhr für die Griechen wurde heute von Mathiopoulos unterbrochen, um Melina Mercouri das Wort zu erteilen. Sie übermittelte eine Botschaft von Theodorakis und rief die Griechen zu aktivem Widerstand auf. Das diesbezügliche Tonband schicken wir Ihnen zu. Ich bin der Auffassung, daß dies ein Anlaß ist, auf das schärfste bei der deutschen Botschaft in Athen zu protestieren.

Proteste brachten wenig. Daher mühten sich die Griechen um die Gunst anderer WDR-Mitarbeiter etwa des Aufnahmeleiters Bernhard List, der Beiträge für die Gastarbeiterprogramme organisiert.

Schon 1969 -- am 20. 9. -- schlug Botschafter Delivanis in einem chiffrierten Telegramm (Protokoll Nr. x/1295) seiner Regierung vor.

unseren wertvollen Mitarbeiter und Freund Bernd List, zuständigen Direktor für die Gastarbeitersendungen des Dritten Fernsehprogramms im WDR, samt seinem Team, bestehend aus drei Mitarbeitern, nach Athen einzuladen. Es ist notwendig, eine Reserve von vielen Farbfilmen über Griechenland zusammenzustellen ... Herr List muß für die Durchführung seiner wichtigen Arbeit volle Unterstützung und jede mögliche Erleichterung vorfinden*.

Die Zusammenarbeit gedieh. Am 18. 4. 1970 teilte Presserat Panayotopoulos seinem Ministerium »vertraulich« mit:

Herr List hat überhaupt keine Bedenken dagegen, Filme zu zeigen, die ihm aus Griechenland geschickt werden. Für eine entsprechende Genehmigung sei aber nicht er, sondern Herr Porck, der zur Zeit Urlaub machte, zuständig. Sollte jedoch Herr Porck nicht selbst eine Entscheidung treffen wollen, sondern sie seinen Vorgesetzten, dem bekannten anti-griechisch eingestellten Herrn Werner Höfe, überlassen, dann bestünde keine Hoffnung, die Sendungen in unserem Sinne zu beeinflussen. Man sollte daher den Aufenthalt von Herrn List und seinem Team in Griechenland auf unsere Kosten verlängern lassen, als kleine Aufmerksamkeit für seine Verdienste um uns.

Und im Telex Nr. 390 vom 10. Mai 1972 teilt das Pressebüro der Botschaft

* List ist nicht Direktor, sondern Aufnahmeleiter und freier Journalist.

** Baldur Bockhoff war als Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Athen gewesen, bis die Junta ihn Anfang 1969 auswies.

der Zentrale »z. Hdn. Herrn Manolakis« mit, daß

Herr List, wenn nicht die Kosten für die Flugkarten des gesamten List-Teams (Düsseldorf-Athen und zurück) erstattet würden, gar nicht nach Griechenland kommen will, wie er uns erklärt hat. Normale Journalisten-Bräuche oder Bakschisch-Journalismus?

So gefällig die Junta zugänglichen Presseleuten gegenüber war, so harsch ging sie mit Berichterstattern um, die sich nichts schenken ließen und das Regime kritisierten. ARD-Korrespondent Edmund Gruber etwa wurde im August 1971 bei seiner Ankunft auf dem Athener Flughafen festgehalten und durfte erst fünf Stunden später nach Intervention der deutschen Botschaft ins Land. Im Presseministerium wurde er von Staatssekretär Stamatopoulos belehrt, er habe in einem früheren Bericht die Regierung beleidigt, weil er sie »Junta« genannt hatte. Gruber war auch in der Folge stetiges Objekt verschiedener hellenischer Ämter.

»Geheim -- besonders dringend« forderte die Generaldirektion für Presse unter Protokoll Nr. Ep-484-M-4-386 von der Presseabteilung der griechischen Botschaft im Bonn

betreffend Sendungen des deutscher. Journalisten Edmund Gruber, die, voll von Verleumdungen und Lügen über Griechenland, im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurden, entsprechende Informationen über ihn und seine Sendungen. Teilen Sie uns bitte mit, ob es zweckmäßig ist, Maßnahmen gegen ihn zu treffen.

Auch zum ZDF legten die Griechen Drähte.

»Welt«-Besucher Manolakis berichtet in seinem Reisebericht »73: In Berlin hatte ich ein Gespräch mit den Mitarbeiter des ZDF, Herrn Ernst Martin, und seiner Frau. Dabei wurde die Tatsache betont, daß seine zwei Fernseh filme, die gezeigt werden sollen, wegen der Bedeutung der Sendung, in der sie laufen werden (ZDF-Magazin), eine getarnt wohlwollende Einstellung haben müßten.

Dies ist die einseitige, nicht überprüfte Darstellung des Manolakis, der immer ein wenig atemlos hinter seinen Schützlingen herhechelte. Die Griechen gebärdeten sich bei jeder Veröffentlichung, bei jedem Journalisten, den sie für positive Berichterstattung an Land zogen, als hinge daran die Existenz des Staates.

»Künftig Anzeigen für diese Zeitung.«

Ob die »Deutsche Tagespost« was Nettes über die Kameraden im fernen Athen berichtete oder die »Frankfurter Rundschau« sich an ihnen rieb, stets tickerte nicht nur der jeweilige Presse-Attachté alles an seine Dienststelle in Athen. Der Botschafter telexte dasselbe noch mal ans Außenamt.

Und wenn irgendwo in Aachen oder Braunschweig über Griechenland diskutiert wurde, feierten die Diplomaten in Telegrammen den »Sieg« der Ihren, die »Vernichtung der Junta-Feinde«.

Beispiele: Apostolos Kontis, Beamter der Informationsabteilung an der Griechenbotschaft in Bonn, berichtete über Dienstreisen im April 1969 seinen Vorgesetzten und den zuständigen Athener Dienststellen:

Am 24. und 25. April begleitete ich unseren bekannten Herrn Koch zu zwei Diskussionen über die politische Lage in Griechenland an den Universitäten Köln und Aachen. Herrn Koch, der das bekannte Buch Griechenland im Umbruch geschrieben hat, gelang es trotz der Reaktion der Anarchisten« und der uns feindlich gesinnten Journalisten, die Gruppe Bockhoff-Mathiopoulos ungeachtet ihrer verzweifelten Bemühungen, die Regierung Griechenlands zu diffamieren, lächerlich zu machen**.

Kontis bereiste ständig die Redaktionen quer durch Deutschland. Mal empfahl er, »Herrn Horst, verantwortlich für die politische Redaktion der »Bild«-Zeitung, nach Griechenland zu laden. weil wir hoffen, daß die Reise sich zu unseren Gunsten auswirken wird«, mal machte er schnell den Anzeigen-Vermittler. Unter Protokoll Nr. 450/ cc vom 28. 3. 1969 berichtet er:

Anschließend besuchte ich die bekannte Zeitung »Christ und Welt«, mit der wir zusammenarbeiten. Ich sprach mit den Redaktionsmitgliedern Paul C. Martin und Hans Georg von Studnitz. Herr von Studnitz protestierte dagegen, daß die Leitung des Büros der griechischen Fremdenverkehrszentrale EOT in Frankfurt der »Christ und Welt« keine Fremdenverkehrsinserate gegeben habe, In einem Telephongespräch mit EOT in Frankfurt wurde mir zugesagt, daß man künftig auch dieser Zeitung Fremdenverkehrsanzeigen geben werde. Ferner sprachen wir über das April-Blatt, in dem Griechenland Erwähnung finden wird.

Griechenland fand Erwähnung. Unter der Überschrift »Besseres Investitionsklima« lobte »Christ und Welt« am 4. April 1969 die »wirtschaftlichen Erfolge« und verriet den Lesern, daß »die Athener Börse zu einem Geheimtip für den internationalen Anleger geworden« sei. Und auch die Anzeigen kamen ab Juli: Eine Serie »Ferienschlager der Saison 69« und »Urlaub des Jahres« 1970 von der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt.

»Auch Deutschland braucht einen Wechsel.«

Im Juni 1969 besuchte der Reisende Kontis liebe Freunde in der deutschen Presselandschaft -- und schrieb danach auf:

Interessant war mein Besuch bei der bekannten, zu uns stehenden Zeitung von Bundesfinanzminister Herrn Strauß, »Bayernkurier«. Der Geschäftsführende Redakteur, Herr Lee M. Bensch, würdigte mit Genugtuung die Errungenschaften unserer nationalen Regierung im Sozial- und Wirtschaftssektor.

Zuweilen wurde selbst dem Besucher unheimlich ob der Begeisterung, die er bei deutschen Gesinnungsgenossen für die Kameraden in seiner Heimat antraf. Kontis:

Schließlich besuchte ich, die bekannte rechte nationalistische Zeitung Deutsche National-Zeitung« und sprach mit dem leitenden Redakteur, Herrn Giel, der, wie er mir sagte, der CSU von Herrn Strauß angehört.

Es ist überflüssig, daran zu erinnern, daß diese Zeitung ein Sprachrohr der NPD ist, die als Ersatz der alten Nazi-Partei angesehen wird. Ohne Zweifel »bewundern« sie die politische Lage in Griechenland, die nationale Regierung und alle Führer der Revolution. Er, Giel, sagte mir, so einen Wechsel würde endlich einmal auch Deutschland brauchen.

Er ist bereit, uns »Ordnungstrupps« für unsere Veranstaltungen in Deutschland zur Verfügung zu stellen und Aufklärungspropaganda zu unseren Gunsten zu betreiben.

Ich habe mir das alles recht zurückhaltend angehört, ohne darauf zu antworten. Ich beschränkte mich darauf, den freundschaftlichen Charakter meines Besuches zu unterstreichen.

Unermüdlich waren die beamteten Griechen hinter ihren Exil-Landsleuten her, die ihre juntafeindliche Meinung über deutsche Medien verbreiteten.

Presseattaché Panayotopoulos bedauerte nach einem Besuch beim Bayerischen Rundfunk unter Protokoll Nr. E 154 am 30. 1. 1969 ("Streng vertraulich") über den BR-Redakteur Pavlos Bakojannis:

Leider hat dieser Mensch einen solchen Ruf erlangt, daß ihn alle Griechen in Deutschland hören. Es ist zu spät, um ihn völlig zu ignorieren.

Obgleich Bakojannis auf ihn »keinen besonderen Eindruck« machte -- »sein Aussehen ist lässig, er ist von kleiner Statur und hat keine Ausstrahlung« -, kam Panayotopoulos

zur Ansicht, daß, wenn es eine Möglichkeit gibt, diesen nicht unwichtigen Menschen zu gewinnen, dies nur noch durch eine Einladung nach Griechenland erreicht werden kann.

Der Ansicht konnten sich seine Athener Vorgesetzten offenkundig nicht anschließen. Denn Bakojannis hatte Gefälligkeiten stets abgelehnt: Als der griechische Theater-Agent Papachristou 1970 ihm für eine Programmankündigung im Bayerischen Rundfunk 500 Mark per Scheck an seine Privatadresse schickte, retournierte Bakojannis das Geld mit einem entsprechenden Brief des BR-Sendeleiters Gerhard Bogner ("Die Sendungen des Bayerischen Rundfunks und die Tätigkeit seiner Mitarbeiter sind aus den Gebühren der Hörer bezahlt und bedürfen keiner weiteren finanziellen Zuwendung") an den Absender.

Der Grieche im Bayernfunk hatte schon 1968 das Angebot aus Athen zurückgewiesen, gegen eine Summe von 200 000 Mark seine Stellung in München aufzugeben oder auf Junta-Kurs zu gehen (so wie der Athener SPIEGEL-Korrespondent Tsatsaronis auf eine »Verdoppelung« seines Einkommens verzichtete, die ihm ein amtlicher Besucher für den Fall versprochen hatte, daß er seine Arbeit für den SPIEGEL einstelle).

Ohnehin erhielten die spendierfreudigen Hellenen nicht immer einen reellen Gegenwert für ihre Investitionen. Viele der in Athener Presseamts-Broschüren stolz gesammelten Freundlichkeiten über den Vorsitzenden Papadopoulos und seine Kameraden kamen ·aus Publikationen, die hierzulande in keinem Pressehandbuch aufzutun sind.

Wenn beispielsweise ein »Orient-Kurier"« Frankfurt, in Griechenland »einen neuen Wind, den des wirtschaftlichen Aufschwunges und der gesellschaftlichen Entwicklung« wehen ließ. dann spürte den außer in der Bonner Griechenbotschaft wohl kaum einer.

Aber auch die Erfolge der teuren PR-Aktion konnten sich sehen lassen. In von Botschaft und Presseamt besonders betreuten Publikationen gedieh der anfängliche Putsch rasch zur »Revolution«, gerieten die Artikel immer »günstiger«, je öfter die Autoren geladen waren. So freute sich der presseamtliche Betreuer eines deutschen Gastes laut »Informationsnotiz« vom 14. 4. 1973:

Herr Hans-Jürgen Mahnke von der »Welt« kam hier an, um den seit 1971 bis heute erzielten wirtschaftlichen Fortschritt unseres Landes in Augenschein zu nehmen und Artikel darüber zu schreiben.

Obiger hatte Griechenland im Mai 1971 besucht und einen sehr günstigen Artikel in der »Welt« veröffentlicht. Anschließend wurde er von unserer Dienststelle für sieben Tage im September 1971 eingeladen. Während seines jetzigen Aufenthaltes äußerte er seine Absicht, Griechenland mit seiner Gattin zur Zeit der Internationalen Messe Saloniki (als Gast unserer Dienststelle) wieder zu besuchen.

Freilich wollten die Gastgeber ganz sichergehen. In einem Brief an das Pressebüro bei der Botschaft in Bonn mahnte das Athener Generalsekretariat sechs Wochen nach der gewährten Gastfreundschaft:

Wir bitten Sie, uns sobald wie möglich die diesbezüglichen Veröffentlichungen zuzusenden, um die Akte von Herrn Mahnke in unserem Archiv auf dem laufenden zu halten.

Flink waren die Junta-Freunde zur Hand, wenn es darum ging, ihre Gönner gegen Kritiker zu verteidigen.

Als Günter Graß Anfang 1972 in Athen in einem vielbejubelten Vortrag Demokratie forderte, sprangen alle Freunde in die Bresche: »Eine blecherne Trommelei«, verurteilte Carl-H. Pierk in der »Deutschen Tagespost« den »Schrift- und Schausteller« Graß am 24. März. Vom 17. bis 24. April durfte er dann die »komplette Gastfreundschaft« der Athener genießen.

Danach betätigte er sich im »Regensburger Bistumsblatt« als Fremdenverkehrswerber. Unter »Sonne -- Säulen -- Strand: Griechenland« beruhigte er vielleicht zögernde deutsche Griechenland-Urlauber:

Der Tourist, der keine rosarote Brille trägt und die Zerrbilder vieler Meinungsmacher hierzulande nicht für bare Münze hält, wird in Griechenland vergeblich nach Indizien »brutaler Diktatur« suchen. Auch »My« -- Meyer-Ranke (mit dem der Junta-Bote Manolakis per Du und »lieber Peter« verkehrte) -- verteidigte seine hellenischen Freunde:

Das Ereignis wäre Sensation: Der SPD-verpflichtete Schriftsteller Günter Grass hat in Prag auf einer Versammlung die Okkupation durch die Sowjettruppen vom August 1968 scharf verurteilt -- aber leider sprach Grass nicht in Prag, wohin die CSSR-Regierung ihn nicht einreisen läßt, sondern in Athen.

Auch Meyer-Ranke genoß im Mai danach griechische Gastfreundschaft.

Der vorwitzige Graß ließ auch den Paul Pucher nicht ruhen. Unter der Zeile »Die Freiheit des Dichters« ereiferte sich Pucher:

Daß er nun gar Willy Brandt Bericht hat erstatten dürfen, ist allerdings zuviel des Guten. Wer wie Grass behauptet, in Athen regiere eine »Offiziersclique, die mit Unterstützung der USA zur Macht gelangt ist«, versteht zu wenig von der Sache, als daß er überhaupt mitreden dürfte.

Am leichtesten hatten es die Griechen, wie stets, mit den guten Freunden vom »Bayernkurier«. Denen war Grassens Athen-Pauke schlicht ein »Skandal«, der »Ausrutscher eines ausgeschriebenen Schriftstellers, eines politischen Gelegenheits-Redners« der die Selbstkontrolle verloren hat. -- » so Peter Hornung, der im folgenden Oktober wieder mal Gast in Athen war.

Hornung sprang ohnehin, wenn man den Griechen glaubt, sofort an, wenn sie auf den Knopf drückten; er unterwarf sich laut Bericht seiner Betreuer auch schon mal freiwilliger Vorzensur. Zu einer Bewirtungs-Abrechnung vom 31. Oktober 1969 schreibt Presseattaché Panayotopoulos »vertraulich": Abendessen für Herrn Peter Hornung vom »Bayernkurier« im Restaurant »Sankt Hubertus« in München, am 21. 10. 1969, DM 34,20. An diesem Abend versprach mir Herr Hornung, daß seine künftigen Beiträge über Griechenland noch positiver ausfallen würden. Er gab mir einen seiner nächsten Artikel für den »Bayernkurier« zu lesen. Ich billigte ihn. Im »Bayernkurier« durfte auch Folios Gouras nach Herzenslust fabulieren. Gouras ist heute Chef der griechischen Junta-Nachfolgepartei »Chrike«, Spezi von Strauß seit der SPIEGEL-Affäre 1962.

Damals hatte Gouras, Student an der TH Karlsruhe, dem bedrängten Verteidigungsminister ein Sympathie-Telegramm geschickt. Strauß machte den Griechen zum Ehrenmitglied der CSU. Im »Bayernkurier« schrieb Gouras am 22. Juni 1968:

Die Revolution hat es jedoch erreicht, die Nation vor dem Fall in den Abgrund zu retten und ihre Unterjochung unter den unmenschlichen roten Totalitarismus zu verhindern: ein mühevoller Kampf, der aber erfolgreich durchgeführt wurde. Das ist der Grund, warum diese Tat als Markstein in der neueren politischen Geschich te des Lande gefeiert wird.

»Kommunist levantinischer Herkunft.«

Verständlich, daß dem »Bayernkurier« auch das schmähliche Ende der Junta im Juli 1974 gegen den Strich ging -- obwohl doch damit der Konservative Karamanlis, der sich von Strauß »Freund« nennen lassen muß, an die Macht kam. Peter Hornungs Willkommensgruß:

Aus dem Untergrund kommt der rote Mob hervor, schreit »Demokratie« und bereitet den sowjetischen Vasallenstaat einer Volksdemokratie vor.

Klar, daß solchen Geistern alle, die sich mit dem politischen Bakschisch-Journalismus der Junta-Jahre befassen, nur Kommunisten sein können.

Einen »kommunistischen Journalisten levantinischer Herkunft« hatte Franz Josef Strauß den Pavlos Bakojannis genannt, als dieser Straußens Griechenland-Kumpanei und die Vergünstigungen für Journalisten enthüllte. Fortan war Bakojannis auch in den Augen der »Welt« ein »marxistischer Journalist«.

Um Verifizierung mühte sich bisher der Münchner Verfassungsschutz, der die Bakojannis-Bekannten abklappert, vergebens.

Bakojannis ist Sohn eines orthodoxen Priesters aus dem mittelgriechischen Gebirgsdorf Velota. Er studierte in Athen, Tübingen und Konstanz politische Wissenschaften, in München Volkswirtschaft. Seine Dissertation »Militärherrschaft in Griechenland« wurde 1972 im Kohlhammer-Verlag veröffentlicht.

An der Münchner Universität hatte Bakojannis just an jenem Institut für politische Wissenschaften einen Lehrauftrag. das damals der heutige bayrische Kultusminister Hans Maier leitete.

Elf Jahre lang war der Grieche dann Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, wo er die Sendungen für griechische Gastarbeiter verantwortete. Oftmals wurde er dafür von kommunistischen Regierungen angegriffen, er wagte keine Reise in den Ostblock.

Nach dem Sturz der Junta machte der Konservative Karamanlis den Heimkehrer Bakojannis bis zu den ersten Wahlen zum stellvertretenden Intendanten des griechischen Staatsrundfunks EIRT. Seither schreibt er für konservative und liberale Zeitungen.

So ist es wohl nichts mit dem kommunistischen Levantiner. Aber es gab auch deutsche Journalisten, die dem Bakschisch-Journalismus eine Abfuhr erteilten.

Presse-Diplomat Kontis hatte (Protokoll Nr. E/236) am 13. 11. 1969 den »Welt«-Außenpolitiker Dieter Cycon seiner Dienststelle als alten Bekannten und »einen der konservativsten deutschen Journalisten« empfohlen. Prompt erhielt er Order, Cycon einzuladen.

Er bekam einen Korb -- wie er ein paar Wochen später berichtet: Am 17. Dezember 1969 besuchte ich Herrn Cycon und sondierte bei ihm, ob er bereit wäre, eine Einladung nach Griechen. land anzunehmen. Er sagte mir, daß er in der Regel keine Einladung zu Reisen auf Kosten einer ausländischen Regierung annehme. Außerdem entsende die Leitung der Zeitung »Die Welt« ihre Korrespondenten ins Ausland nur auf eigene Kosten.

Goldene Worte -- to whom it may concern.

Die »Welt« des Journalisten Dieter Cycon, aber eben auch der Journalisten Peter Meyer-Ranke und Hans-Jürgen Mahnke, sah in der SPIEGEL-Fußnote eine »pure Unwahrheit«, schrieb von Unverfrorenen und Frechheit. Meyer-Ranke, der noch nicht einmal einen Widerruf verlangt, genoß zweimal, insgesamt zwei Wochen lang, die »Gastfreundschaft« der Junta.

Die »Deutsche Zeitung -- Christ und Welt« schreibt, die verantwortliche Leitung des SPIEGEL lasse sich »von puerilen Vorstellungen über ihre öffentliche Wirkung leiten«; eben jene Zeitung, der Dr. Wolfgang Höpker als prominentes Redaktionsmitglied angehört und deren Journalist Hans Georg von Studnitz auch schon einmal den Anzeigenwerber spielte. Höpker genoß dreimal, insgesamt drei Wochen lang, die »Gastfreundschaft« der Junta.

Ludolf Herrmann, der Chefredakteur von »Deutsche Zeitung -- Christ und Welt« fordert dazu auf, die Presse solle sich anläßlich des Falles Höpker endlich über den SPIEGEL »ihre kritischen Gedanken machen«.

Joachim Kannicht, Chef vom Dienst der »Stuttgarter Nachrichten«, genoß nach den zweifellos lückenhaften Akten der Junta-Nachfolger nur einmal Bakschisch-Freundschaft der Junta. Seine Zeitung wirft dem SPIEGEL zwar auch Verletzung der Sorgfaltspflicht und Diffamierung vor, räumt aber ein: »Natürlich hätte es sein können, daß es sich bei der abgelichteten Abrechnung um eine Reise-Abgeltung einer Griechenlandreise handeln könnte, zu der die genannten Journalisten von der damaligen Regierung hätten eingeladen worden sein können. Das wäre ein durchaus normaler Vorgang, wie er etwa bei Reisen in den Ostblock oder in die Vereinigten Staaten üblich ist und gegen den niemand etwas haben kann.«

Ein normaler Vorgang ist dies wohl nicht nach den Grundsätzen des Deutschen Presserates, sondern nur nach denen der »Stuttgarter Nachrichten«. Daß Kannicht, wie Meyer-Ranke, wie Dr. Höpker strafrechtliche Schritte unternommen hätten, ist dem SPIEGEL bisher nicht bekannt.

Am heftigsten aufgepustet hat sich Dr. Paul Pucher, Chefredakteur des gewiß wohlsituierten »Münchner Merkur«, in seinem eigenen Blatt und in eigener Sache. Der SPIEGEL habe ihn, man denke, als einen Mann hingestellt. der Geld für Artikel genommen habe.

»Geld für Artikel« hat dieser Chefredakteur vielleicht wirklich nicht genommen, weil er das Griechenland der Junta ohnehin für förderungswürdig hielt. Nur muß er seinen Lesern und dem Deutschen Presserat (Pucher: Augstein ist »als Journalist nicht mehr satisfaktionsfähig") dann wohl erklären, warum die Junta-Griechen sich wegen der Spesen für die von ihm nach Griechenland gebrachte Frau Pucher etwas einfallen lassen mußten. Auch Frau Pucher hat nicht »Geld für Artikel« bekommen, trotzdem, es ging auch in ihrem Fall um Bakschisch-Journalismus.

»Für Verleumdung«, kündigte Pucher in seinem Blatt an, »ist die Justiz zuständig.« Wegen Verleumdung habe er bei der Staatsanwaltschaft München Strafanzeige erstattet.

Die Fußnote, in der auch Paul Pucher aufgeführt wurde, erschien im SPIEGEL vom 20. 9. 1976. Bis heute hat der SPIEGEL trotz reger Nachforschungen von einer Strafanzeige des Dr. Paul Pucher, sei es in München oder in Hamburg, nichts in Erfahrung bringen können. Auch Dr. Paul Pucher hat bislang keinen Widerruf verlangt, sowenig wie Peter Meyer-Ranke respektive der Axel Springer Verlag. Vielleicht muß die westdeutsche Presse sich wirklich »ihre kritischen Gedanken machen«?

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