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»Aus Chile hört man nur Gutes«

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aus DER SPIEGEL 33/1986

Die Fronten im Streit um die rechte Chile-Politik der Bundesrepublik werden immer verwirrender. Ausgerechnet der liberale AA-Vorsteher, Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, berief einen Konservativen zum neuen Missionschef in Santiago.

Die Ernennung von Horst Kullak-Ublick, einem Befürworter der Pinochet-Diktatur, dürfte den CDU-Generalsekretär Heiner Geißler verärgern, der - verkehrte Welt - der Deutschen Botschaft in Chile mangelnde Kontakte zur demokratischen Opposition vorgeworfen hat. Vertrauliche Aufzeichnungen belegen, daß der bisherige Lateinamerika-Beauftragte des Auswärtigen Amtes die Schuld für Gewalt und Terror in Chile vor allem der von Geißler und seinen CDU-Freunden unterstützten demokratischen Opposition anlastet.

In einem verschlüsselten Bericht, den Kullak-Ublick 1984 von einer Dienstreise nach Santiago ans AA kabelte, bezeichnete es Genschers Lateinamerika-Beauftragter als »falsch«, Diktator Pinochet »Machtbesessenheit vorzuwerfen.«

Gabriel Valdes, der von Geißler favorisierte Chef der Christdemokraten, scheint Genschers Beamten wegen »fintenreichen Taktierens« und »politischer Wortbrüche« dagegen eine »Belastung« für den Demokratisierungsprozeß zu sein.

Kullak-Ublick nutzte die Chile-Reise Ende 1984, um in Paraguay eine Einladung des Bonner Kanzlers an Diktator Alfredo Stroessner zu überreichen. Der Genscher-Diplomat erholte sich auf der Estancia des Stroessner-Sprosses Gustavo - wegen familiärer Bindungen; Kullak-Ublicks Ehefrau ist mit der Stroessner-Sippe weitläufig verwandt. Die Botschafters-Gattin hat denn auch keine Mühe mit dem neuen Einsatzland ihres Mannes: »Aus Chile hört man ja nur Gutes.«

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