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Aus für Raumgleiter »Hermes«?

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aus DER SPIEGEL 44/1987

Der französische Staatspräsident Francois Mitterrand klagte am Mittwoch voriger Woche eine Zusage von Bundeskanzler Helmut Kohl ein. Die Deutschen, forderte Mitterrand beim Besuch des Windkanals der Kölner Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt, müßten sich endlich entscheiden, bei allen europäischen Raumfahrtprojekten mitzumachen. Mitterrands Gastgeber, Forschungsminister Heinz Riesenhuber, reagierte nicht. Intern ist nämlich bereits entschieden, daß Bonn die von Paris dringend gewünschte Zusage einer Beteiligung am Raumgleiter »Hermes« verweigern wird. Riesenhuber fehlen die erforderlichen Milliarden. Er wird deshalb auf der Sitzung der europäischen Raumfahrtminister am 9./10. November vorschlagen, lediglich ein paar Millionen in ein »Technologievorbereitungsprogramm« zu stecken und erst 1991 über Hermes zu entscheiden.

Auch über »Columbus«, den europäischen Beitrag zur geplanten, ständig bemannten Raumstation der Amerikaner, kann auf der Minister-Tagung entgegen der ursprünglichen Planung nicht entschieden werden. Die Gespräche mit Washington sind festgefahren.

Die Amerikaner beharren darauf, die kommerzielle und wissenschaftliche Ausbeute zu kontrollieren. Sie wollen den Europäern im Management nur karge Mitbestimmungsrechte einräumen

und, was die Europäer ablehnen, die Raumstation auch für die SDI-Forschung nutzen

Im November ist nur die Zusage wahrscheinlich, sich an der Entwicklung der »Ariane 5«-Trägerrakete zu beteiligen. Mit dieser Rakete sollte der nun praktisch abgelehnte Raumgleiter Hermes zur Raumstation befördert werden.

Experten bezweifeln, daß »Ariane 5« ohne »Hermes« Sinn hat. Um Satelliten in Umlaufbahnen zu schießen, lautet die interne Kritik, genüge auch eine verbesserte »Ariane 4«, die viel billiger als die für bemannte Flüge ausgestattete »Ariane 5« zu haben sei!

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