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MODERNES LEBEN Ausbruch aus der Folterkammer

aus DER SPIEGEL 47/1992

Sadisten und Masochisten, die sich bisher meist im verborgenen abquälten, wollen die Fesseln der allgemeinen Moral abschütteln und ihre Lust am Schmerz öffentlich zeigen. In Mannheim werden sich die organisierten S/Mler am Buß- und Bettag in Leder und Ketten zu ihrem zweiten bundesweiten Gruppentreffen versammeln, und nichts liegt ihnen ferner, als für ihre Sünden um Vergebung zu bitten. Wer einfach nur büßen möchte, wird gewiß auf Verständnis und tatkräftige Unterstützung von Sados rechnen können. Doch im Mittelpunkt des Treffens der Initiativen, die sich »Quälgeister«, »Sündikalisten« oder einfach nur »SMbH« nennen, steht der Austausch von alltäglichen Erfahrungen. Ähnlich wie die Schwulen und Lesben in den siebziger Jahren heraus wollten aus der Schmuddelecke, haben es sich die S/Mler zum Ziel gesetzt, die Folterkammer zu verlassen. Es soll nichts Außergewöhnliches mehr daran sein, die Geliebte, wie im Pasolini-Film »Salo«, am Halsband öffentlich auszuführen.

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