Zur Ausgabe
Artikel 12 / 94
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

»Ausjätende Rassenpflege«

*
aus DER SPIEGEL 46/1986

Berlins christliberaler Senat verlor einen seiner geistigen Wegbereiter. Die auch überregional bekannte »Berliner Bürgergemeinschaft e.V.«, als konservative Kampfgemeinschaft 1981 von Ex-Senatoren wie Heinrich Lummer (CDU) und Hermann Oxfort (FDP) gegründet, »um den von SPD-Senaten verursachten Niedergang Berlins aufzuhalten«, mußte in den letzten Wochen fast zwei Drittel der Mitglieder abschreiben. Den Grund für den Auflösungsprozeß des Vereins, in dem rechte Professoren, Senatsfunktionäre und antikommunistische Durchhalte-Berliner gegen Ausgeflippte, Schein-Asylanten und für Durchsetzung des »Mehrheitswillens der Bürger« fochten, lieferten die Vorstandsherren selber.

Dem Vorsitzenden Günter Oeltze von Lobenthal, 75, einem promovierten Diplom-Volkswirt, werfen die Mitstreiter nicht nur eine alte Verurteilung wegen Betrugs in der Nachkriegszeit vor, sondern auch antisemitische Ergüsse. Das einstige NSDAP-Mitglied Oeltze von Lobenthal hatte eine NS-Broschüre »Arbeiter unterm Hakenkreuz« mitherausgegeben, in der die Autoren für »ausjätende und fördernde Rassenpflege«, gegen »geistige Verjudung« oder »Neger, Zigeuner und sonstige Bastarde« zu Felde zogen. Inzwischen trat eines der Gründungsmitglieder, der Ex-Sozialdemokrat Hermann Kreutzer, aus, und Oxfort ging auf Distanz.

Zu einer in der kommenden Woche in Berlin geplanten »Deutschlandpolitischen Tagung« - Leiter: Oeltze von Lobenthal und der Ministerpräsident a.D, und Ex-Marinestabsrichter Hans Filbinger - hagelt es Absagen. Der Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen Heinrich Windelen, dessen Ministerium die Veranstalter bezuschußt, machte seine Teilnahmezusage rückgängig, offiziell »aus Zeitgründen«.

Zur Ausgabe
Artikel 12 / 94
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.