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Gedenken in New York: Wie Wilders den 11. September missbraucht

Foto: Mark Lennihan/ AP

11. September Anti-islamische Proteste überschatten 9/11-Gedenken

Es war für die USA bislang der Tag der großen Einheit, doch die bekommt sichtbare Risse. Islamfeindliche Proteste störten das Gedenken an die Toten von 9/11. Während US-Präsident Obama zu Toleranz aufrief, provozierte in New York der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders mit Hetztiraden.

Bis zum vergangenen Jahr war der 11. September als Jahrestag der verheerenden Terroranschläge von New York und Washington ein Moment, der die USA über Glaubens- und Meinungsgrenzen hinweg zusammenstehen ließ. Zu gewaltig war das Ausmaß der Attentate mit fast 3000 Toten, zu präsent die Erinnerung an die zusammensinkenden Türme des World Trade Center, als es an einem Dienstagmorgen vor neun Jahren von zwei entführte Passagiermaschinen getroffen wurde.

Doch mit dieser Einigkeit war es am Samstag vorbei. Der neunte Jahrestag der Anschläge wurde von anti-islamischen Misstönen zwar nicht völlig überschattet, aber doch merklich gestört. Nach den Gedenkfeiern am Vormittag kam es in New York und Washington zu anti-islamischen Kundgebungen. In New York demonstrierten 2000 Menschen gegen ein neues islamisches Gemeindezentrum im südlichen Manhattan, in Washington schändeten fundamentale Christen Ausgaben des Koran.

Am Morgen hatte US-Präsident Barack Obama noch versucht, die Gräben der vergangenen Wochen zu schließen. Zum Jahrestag der Terroranschläge rief er seine Landsleute zu religiöser Toleranz auf. Die USA seien damals nicht vom Islam, sondern von al-Qaida angegriffen worden "Es war keine Religion, die uns an diesem Septembertag angegriffen hat. Es war al-Qaida, eine jämmerliche Bande von Männern, die Religion pervertiert", sagte Obama im Verteidigungsministerium, in das die Terroristen vor neun Jahren ebenfalls ein entführtes Flugzeuge lenkten.

Obama: "Niemals Krieg mit dem Islam"

Auch wenn es der Wunsch der Attentäter gewesen sei, das Land zu spalten, würden die USA "Hass und Vorurteilen" nicht nachgeben: "Als Amerikaner werden wir niemals im Krieg mit dem Islam sein." In einer Schweigeminute im Weißen Haus gedachte der Präsident um 8.46 Uhr Ortszeit, 14.46 Uhr deutscher Zeit, wie viele Bürger im ganzen Land der Opfer der Anschläge. Um diese Uhrzeit hatten die Terroristen das erste entführte Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center gesteuert.

Bei einer Gedenkveranstaltung am New Yorker Ground Zero, dem früheren Standort der Zwillingstürme, wurden feierlich die Namen der rund 3000 Opfer der Terroranschläge verlesen. Teilnehmer hielten Fotos ihrer toten Angehörigen in die Höhe und warfen Blumen in einen Brunnen, der derzeit an der Stelle der eingestürzten Türme als Teil der Gedenkstätte entsteht.

First Lady Michelle Obama nahm gemeinsam mit ihrer Vorgängerin Laura Bush in Pennsylvania an einer Gedenkfeier teil. Dort lobte sie den "Heldenmut" der Passagiere des vierten entführten Flugzeugs, das nur 20 Flugminuten von Washington entfernt auf ein Feld gestürzt war, nachdem die Insassen versucht hatten, das Cockpit zu stürmen.

Nach Ende der Trauerfeiern versammelten sich in New York rund 1500 Befürworter des Baus eines muslimischen Gemeindezentrums mit Moschee. Später kamen in unmittelbarer Nähe rund 2000 Demonstranten zusammen, um gegen den Bau zu protestieren. An der Demonstration der Moschee-Gegner beteiligte sich auch der niederländische Rechtspopulist und Islamgegner Geert Wilders.

Rechtspopulist Wilders sprach vor Moschee-Gegnern

"Wir dürfen denen, die uns unterwerfen wollen, nie die Gelegenheit dazu geben", sagte er in einer Ansprache. Die "New York Times" zitiert Wilders mit den Worten, der Islam sei eine intolerante "Macht der Finsternis".  Man müsse Grenzen aufzeigen, damit New York kein "neues Mekka" werde. Ein massives Polizeiaufgebot sorgte dafür, dass sich Moschee-Gegner und Befürworter des Baus nicht zu nahe kamen.

Die ursprünglich vom fundamentalistischen Pastor Terry Jones angekündigte Koran-Verbrennung im US-Bundesstaat Florida fand nicht statt. Dem Sender NBC sagt Jones in New York, die Verbrennung werde auch "niemals" stattfinden. Die Pläne hatten weltweit für Empörung gesorgt und Befürchtungen vor Racheaktionen gegen US-Soldaten im Ausland geschürt. Am Sitz der evangelikalen Gruppe in Gainesville, Florida, versammelten sich zahlreiche Anhänger und Gegner der Aktion. Polizisten kontrollierten Fahrzeuge bei der Anfahrt und hinderten einen Aktivisten daran, einen Koran anzuzünden.

In Washington zerriss indes eine kleine Gruppe von Christen Koran-Seiten vor dem Weißen Haus. Auch in New York sollen einzelne Teilnehmer der Demonstration gegen den Moschee-Neubau nahe Ground Zero Seiten aus dem heiligen Buch des Islam gerissen haben.

cht/AFP/rtr