16 Monate Haft Große Erleichterung nach der Freilassung Donald Kleins

Knapp 16 Monate saß Donald Klein in einem iranischen Gefängnis, jetzt darf der Pfälzer endlich nach Deutschland zurückkehren - es fehlt nur noch das Ausreisevisum. Freunde und Verwandte sind erleichtert.


Berlin - Die Freilassung Kleins hat in seinem Heimatort zu Freudenausbrüchen geführt. "Ich bin überglücklich", sagte der erste Vorsitzende des Lambsheimer Sportangler-Vereins, Horst Christmann. Ein Anglerkollege habe ihn angerufen, weil er im Fernsehen von der Freilassung des Pfälzers erfahren habe.

Freilassung nach 15 Monaten in iranischer Haft: Donald Klein
AFP

Freilassung nach 15 Monaten in iranischer Haft: Donald Klein

Klein und sein französischer Begleiter Stéphane Lherbier waren im November 2005 bei einem Angeltrip mit ihrem Boot in iranische Gewässer geraten. Ein Gericht verurteilte die Männer später wegen illegalen Grenzübertritts zu 18 Monaten Haft. Wann genau Klein nach Hause zurückkehrt, ist bislang unklar. Der 53-Jährige müsse zunächst auf ein Ausreisevisum warten, hieß es.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte gestern Abend bekannt gegeben, Klein sei aus dem Gefängnis in Teheran entlassen worden. Der Bildhauer und Steinmetz aus Lambsheim bei Ludwigshafen befinde sich in sicherer Obhut der deutschen Botschaft. Kleins Begleiter Lherbier war bereits am 25. Februar vorzeitig freigelassen worden. Regulär hätte die Strafe der beiden Ende Mai geendet.

Kleins Anwalt Klaus Kübler sagte nach der Freilassung: "Es ist eine große Freude und eine große Erleichterung für seine Familie und ihn." Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sicherte dem Pfälzer nach Angaben der Mainzer Staatskanzlei weitere Hilfen zu. Bis zur Freilassung Kleins sei es ein "mühsamer Prozess" gewesen, sagte Beck.

Steinmeier sagte, er habe bereits mit Klein sowie mit dessen Ehefrau telefoniert. In den vergangenen Wochen und Monaten hätten sich viele um die Freilassung des Deutschen bemüht. Auch Bundespräsident Horst Köhler hatte nach SPIEGEL-Informationen sich mit einem Gnadengesuch an den obersten iranischen Führer Ajatollah Ali Chamenei gewandt.

Die iranische Seite hatte bei früheren Verhandlungen Forderungen nach Freilassung des in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilten Attentäters Kazem Darabi geäußert, diese Forderung später aber offenbar wieder fallen gelassen. Darabi war laut Berliner Urteilsspruch Drahtzieher des Anschlags auf das Restaurant "Mykonos" in Berlin, bei dem 1992 im Auftrag Irans vier iranisch-kurdische Oppositionelle liquidiert wurden.

Steinmeier erklärte weiter, Verhaftung und Haftdauer von Klein seien "eine erhebliche Belastung" für die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Iran gewesen. Nach einer Neuverhandlung durch ein Berufungsgericht, das im Januar 2006 die Haftstrafen gegen Klein und Lherbier bestätigt hatte, wurde Klein in das berüchtigte Erwin-Gefängnis in Teheran verlegt.

In dieser Haftanstalt war Klein mit mehr als zehn Häftlingen in einer ungefähr 20 Quadratmeter großen Zelle untergebracht. Vertreter der deutschen Botschaft besuchten ihn regelmäßig. Außerdem konnte er fast täglich mit seiner Frau telefonieren. Einmal in der Woche kam ein evangelischer Pfarrer, der ihm Bücher mitbrachte.

"Ich denke, es ist zum großen Teil auf den Zuspruch seiner Frau und seiner Familie zurückzuführen, dass er während seiner vielmonatigen Haftzeit die Hoffnung nicht verloren hat," sagte Steinmeier. Er hoffe, dass Klein "nun sehr schnell zu seiner Familie zurückkehrt und dort die Ruhe findet, die ihn über die durchlittenen Monate im Iran hinwegkommen lässt".

ler/dpa/Reuters/AP/AFP/ddp



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