16 Monate Haft Iran lässt Deutschen Donald Klein frei

Endlich in Freiheit: Iran hat Donald Klein aus dem Gefängnis entlassen. Das gab Außenminister Steinmeier am Abend bekannt. Der Pfälzer war 2005 bei einem Angelausflug festgenommen worden - und musste 16 Monate in Iran in Haft bleiben.


Berlin - Die Verhaftung Kleins und die lange Haftdauer hätten die deutsch-iranischen Beziehungen erheblich belastet, sagte Frank-Walter-Steinmeier. Umso mehr freue er sich, dass es nun zu der Freilassung gekommen sei. Die Befürchtungen und Belastungen, die Klein in der Haft ausgestanden habe, seien kaum vorstellbar. "Ich denke, es ist zum großen Teil auf den Zuspruch seiner Frau und seiner Familie zurückzuführen, dass er trotzdem während seiner vielmonatigen Haftzeit die Hoffnung nicht verloren hat", sagte Steinmeier über den 52-jährigen Steinmetz und zweifachen Vater aus dem rheinland-pfälzischen Lambsheim bei Ludwighafen.

Donald Klein: Nach mehr als einem Jahr Haft in Iran ist der Deutsche wieder auf freiem Fuß
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Donald Klein: Nach mehr als einem Jahr Haft in Iran ist der Deutsche wieder auf freiem Fuß

Auch der rheiland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck äußerte sich erleichtert über die Freilassung Kleins. "Es war ein mühsamer Prozess. Aber mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller Beteiligten ist es gelungen, dass er jetzt freigelassen wurde", sagte Beck in Mainz.

Kleins Anwalt Klaus Kübler lobte die deutsche Verhandlungsführung in dem Fall seines Mandanten: Den Ausschlag für die Freilassung habe "sicherlich auch die Hartnäckigkeit gegeben, mit der sich die Bundesregierung auf allen Ebenen eingesetzt hat", sagte Kübler.

Klein befindet sich den Angaben des Auswärtigen Amtes zufolge in der deutschen Botschaft in Teheran und soll so schnell wie möglich nach Deutschland zurückkehren. Über den genauen Zeitpunkt seiner Rückkehr gebe es noch keine genauen Angaben. Klein benötige noch ein Ausreisevisum. Über seinen Gesundheitszustand gebe es noch keine neuen Angaben.

Klein und der Franzose Stephane Lherbier waren am 29. November 2005 beim Hochsee-Angeln festgenommen und wegen illegalen Eindringens in iranische Hoheitsgewässer zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Lherbier war Ende Februar begnadigt worden.

Nach SPIEGEL-Informationen hatte Bundespräsident Horst Köhler kurz vor Weihnachten ein Gnadengesuch an den obersten iranischen Führer, Ajatollah Ali Chamenei, mit der Bitte um vorzeitige Entlassung Kleins gerichtet. Regulär hätte Kleins Haft Ende Mai geendet.

Nach einer Neuverhandlung durch ein Berufungsgericht, das im Januar 2006 die Haftstrafen gegen Klein und Lherbier bestätigt hatte, wurde Klein in das berüchtigte Erwin-Gefängnis in Teheran verlegt.

In dieser Haftanstalt war Klein mit mehr als zehn Häftlingen in einer ungefähr 20 Quadratmeter großen Zelle untergebracht. Vertreter der deutschen Botschaft besuchten ihn regelmäßig. Außerdem konnte er fast täglich mit seiner Frau telefonieren. Einmal in der Woche kam ein evangelischer Pfarrer, der ihm Bücher mitbrachte.

Die Grünen-Politiker Volker Beck und Fritz Kuhn besuchten Klein Ende Januar im Gefängnis. Bei dem rund einstündigen Gespräch seien allerdings iranische Vertreter anwesend gewesen, berichtete Beck. Klein habe damals ein bisschen die Hoffnung verloren gehabt und nichts mehr gegessen. Dadurch habe der 53-Jährige stark abgenommen, dann habe er sich aber wieder gefangen, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen.

Seine Haftbedingungen empfand Klein laut Beck als korrekt. Der Deutsche sei sowohl von der Gefängnisleitung als auch seinen Mithäftlingen zuvorkommend behandelt worden. Er selbst habe ihm einen Roman von Donna Leon mitgebracht, aber besondere Wünsche habe der Hobbyangler nicht geäußert. Becks Erinnerungen zufolge sagte Klein damals: "Was mir wirklich fehlt, ist die Freiheit."

Die iranische Seite hatte bei früheren Verhandlungen Forderungen nach Freilassung des in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilten Attentäters Kazem Darabi geäußert, diese Forderung später aber offenbar wieder fallen gelassen. Darabi war laut Berliner Urteilsspruch Drahtzieher des Anschlags auf das Restaurant "Mykonos" in Berlin, bei dem 1992 im Auftrag Irans vier iranisch-kurdische Oppositionelle liquidiert wurden.

hen/Reuters/AP/dpa/AFP



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