25 Jahre Solidarnosc Gedenkfeier für den Kampf um die Freiheit

Solidaritätsbekundungen in Danzig: Bei der Zeremonie zum 25-jährigen Bestehen der polnischen Gewerkschaftsbewegung hat der frühere tschechische Präsident Havel eine Unterstützung der Oppositionsbewegungen in Weißrussland, Birma, Kuba und Nordkorea gefordert.


Danzig - Der ehemalige polnische Präsident Lech Walesa, der im August 1980 den Streik auf der Danziger Leninwerft angeführt hatte, rief dazu auf, die Chancen des historischen Sieges über den Kommunismus, der mit der Solidarnosc-Bewegung begann, nicht zu verspielen. Polen habe dem russischen Bären die Zähne gezogen, sagte er mit Blick auf die Ereignisse im Jahr 1989. "Er konnte die anderen nicht mehr beißen, die versuchten, ihre Völker in die Freiheit zu ziehen."

Bundespräsident Horst Köhler redete als erster Staatsgast nach Walesa und dem polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwasniewski. Er sprach sich für einen aufrichtigen Dialog zwischen Deutschen und Polen aus, der ganz im Zeichen der Versöhnung über die Vergangenheit geführt werden solle. Des Weiteren betonte Köhler die Bedeutung des Solidarnosc-Aufstandes für andere Staaten: "Die Polen haben am Ende nicht nur sich selbst befreit, sie haben einen Prozess von welthistorischer Bedeutung in Gang gesetzt, der bis heute weiterwirkt. Präsident Saakaschwili und Präsident Juschtschenko sind Zeugen dafür."

Der frühere tschechische Präsident und langjährige Regimegegner Vaclav Havel gemahnte zur Erinnerung an diejenigen Länder, in denen noch immer Dissidenten um Menschenrechte kämpften und die Menschen unfrei seien. "Solidarität heißt nicht nur Freiheit, sondern auch Verantwortung." Die Menschen in Weißrussland, Birma, Kuba oder Nordkorea bräuchten Zeichen klarer Unterstützung, forderte er.

Auch Papst Benedikt XVI. würdigte bei einer Generalaudienz in Rom Solidarnosc. "Ich danke der göttlichen Vorsehung für die Eingebung einer neuen Geisteshaltung, die diese Bewegung ins zeitgenössische Europa getragen hat," sagte er gegenüber polnischen Pilgern im Vatikan.

Der Erzbischof von Krakau, Stanislaw Dziwisz las die an die Festreden anschließende Messe und sagte, Benedikt XVI. gratuliere dem polnischen Volk. Mit Hilfe der Kirche sei es gelungen, seinen Geist, seine Ideen und seine Stärke zu vereinen. Erzbischof Dziwisz war bis zum Tode Papst Johannes Pauls II. dessen Privatsekretär.

Während der Solidarnosc-Gründerzeit im Jahr 1980 hatten die Arbeiter der Danziger Leninwerft unter Führung des damaligen Elektrikers und späteren Staatspräsidenten Lech Walesa die Arbeit niedergelegt. Auslöser waren äußerst widrige Arbeitsbedingungen und Kündigungen wegen politischer Unbotmäßigkeiten gewesen. Nach gut zwei Wochen zäher Verhandlungen hatte Walesa der Betriebsleitung ein beispielloses Zugeständnis abgerungen: die Gründung der ersten, freien und von der kommunistischen Partei unabhängigen Arbeitervertretung im realen Sozialismus. Innerhalb kürzester Zeit schlossen sich zehn Millionen Polen dieser Bewegung an, die Hälfte der damals arbeitenden Bevölkerung.



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